Treppenlauf im Empire State Building Schieben, schubsen, siegen

Der Start ist fast der Sieg: Der Treppenlauf im Empire State Building wird schon auf den ersten Metern entschieden. Zum sechsten Mal in Folge setzte sich der Stuttgarter Thomas Dold durch und erreichte als Erster die Aussichtsplattform des 86 Stockwerke hohen New Yorker Wahrzeichens.


New York/Köln - Vor dem Start kippte er noch einmal Wasser über seine Stützstrümpfe, dann nahm Thomas Dold Anlauf zu einem historischen Sieg. 86 Stockwerke und 1576 Stufen quälte sich der 26-jährige Stuttgarter das Empire State Building in New York hinauf, um am Ende als erster Teilnehmer den "Run-up" zum sechsten Mal in Folge zu gewinnen.

"Das ist wirklich traumhaft", sagte der einst als "personifizierter Treppenwitz" belächelte Wirtschaftswissenschaftler, der auch mehrere Weltrekorde im Rückwärtslaufen hält. Vorbei an Feuerlöschern und Notausgängen rannte Dold den insgesamt 400 Teilnehmern auf und davon.

Den Streckenrekord des australischen Radprofis Paul Crake (9:33) verpasste er zwar deutlich, lag mit 10:10 Minuten aber mehr als eine Minute vor dem Verfolgerfeld. "Nach dem Zieleinlauf konnte ich sogar erstmals auf beiden Füßen stehen", sagte der Württemberger, der kurz jubelte und dann die Aussicht genoss: "Immer wieder schön hier oben." Die schnellste Frau, die 24 Jahre alte Australierin Alice McNamara, schaffte die Treppe in 13 Minuten und drei Sekunden.

Entschieden wird der kuriose Lauf meist schon auf den ersten Metern. Denn Überholen ist nahezu unmöglich im engen Treppenhaus des Empire State Building, vor dem Start schubsen und drängeln die Starter ohne Rücksicht auf Verluste. Dank großzügigen Einsatzes seiner Arme ging Dold auch in diesem Jahr als Führender auf die erste Stufe. "Das hat natürlich geholfen", sagte Dold.

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Empire State Building: Senkrechtstarter über 1576 Stufen
Dank an die Stützstrümpfe

Der sportliche Ehrgeiz steht beim Run-up allerdings an zweiter Stelle. Gelaufen wird vielmehr für einen guten Zweck, die Einnahmen kommen dem Kampf gegen Krebs zugute. Entsprechend entkräftet erreichen die meisten Hobby-Starter nach 320 Höhenmetern das Ziel. Den Aufzug genommen hat aber noch keiner - auch nicht der Italiener Chico Scimone, der vor sechs Jahren 49 Minuten und 19 Sekunden benötigte. Im Alter von 93 Jahren, wohlgemerkt.

Von seinem ungewöhnlichen Hobby kann Dold inzwischen sogar leben. "Ich bin Profi", sagt der "Senkrechtstarter", der sogar Seminare im Treppenlaufen gibt und auf seiner Homepage "Impulsgeber" als Beruf angibt. In Talkshows ist Dold regelmäßiger Gast, bei "Wetten, dass..?" war er schon Co-Wettkönig und hat inzwischen ein gutes Dutzend Sponsoren für sich gewonnen.

Größtes Geheimnis seines Erfolges sind aber seine schwarzen Stützstrümpfe. "Sie unterstützen mich perfekt, weil sie nicht nur Druck auf die Wade bringen, sondern auch komfortabel und atmungsaktiv sind", sagt Dold. Und einen schönen Nebeneffekt haben die schmucklosen Socken auch: Sie verstecken seine Krampfadern, wie Dold gern gesteht.

Erik Roos, sid

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