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Kletterverbot am Uluru: Ab Samstag herrscht Ruhe

Foto: Phil Noble/ REUTERS

Heiliger Berg Uluru Ansturm vor Kletterverbot empört Aborigines

Ab Samstag darf der Uluru in der australischen Wüste nicht mehr bestiegen werden. Das Verbot aus Respekt vor den Ureinwohnern sorgte für einen riesigen Andrang - "beschämend" nennen dies Aborigines.

Ab 26. Oktober herrscht endlich Ruhe auf dem roten Felsen. Dann ziehen sich keine Schlangen an Kletterern mehr über die Flanken des Uluru, auch bekannt als Ayers Rock. Denn ab Samstag darf der Monolith mitten in der australischen Wüste nicht mehr bestiegen werden. Nach Jahrzehnten wird den Aborigines der Wunsch nach Respekt vor dem ihnen heiligen Berg erfüllt.

Doch in den Tagen zuvor herrscht ein enormer Andrang von Kletterern, die kurz vor dem Verbot noch einmal dieses Wahrzeichen Australiens erklimmen wollen. Beim Aborigine-Stamm der Anangu, auf dessen Land sich der Uluru befindet, ruft das Verständnislosigkeit und Verärgerung hervor.

"Eine Masse an Menschen ohne Moral und Ethos", schrieb die Aborigine Laura McBride bei Twitter zu einem Foto von einer Schlange von Menschen, die den Uluru hinaufklettern. "Einer kletterte sogar mit einem Kleinkind hoch, um der nächsten Generation beizubringen, wie man ignorant ist."

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Auch Madeline Hayman-Reber vom Aborigine-Sender National Indigenous Television reagierte erbost und nannte den Touristenansturm auf den Uluru "beschämend". "Stellt euch vor, dass jemand auf den Uluru klettert, bevor er schließt, nur damit er damit angeben kann, dass er die älteste noch lebende Kultur der Welt geringschätzig behandelt", echauffierte sie sich auf Twitter.

Verbot auch aus Sicherheitsgründen

Die australischen Behörden heben hervor, das Kletterverbot sei aus Respekt für die Kultur der australischen Ureinwohner verhängt worden, aber auch zum Schutz der Umwelt und zur Sicherheit der Besucher. Schließlich kamen bei dem Aufstieg auf den steilen Felsen bei zumeist sengender Hitze wiederholt Menschen ums Leben. Erst in der vergangenen Woche verletzte sich eine Zwölfjährige, die mehrere Meter tief fiel.

Nach Angaben der Verwaltung der australischen Nationalparks haben in den zwölf Monaten bis Juni 2019 mehr als 395.000 Menschen den Uluru besucht und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. 13 Prozent der Besucher absolvierten die Klettertour auf den Felsen.

Der Chef der australischen Tourismuszentrale, Stephen Schwer, sagte, in den vergangenen Wochen sei die Zahl der Uluru-Besucher noch einmal stark angestiegen - auch weil die letzten Tage der Uluru-Besteigung mit australischen Schulferien zusammenfallen. Es habe sogar Probleme gegeben, die Besucher alle in der Umgebung unterzubringen. Angesichts der bevorstehenden Schließung hätten besonders viele Menschen auf den Uluru klettern wollen. "Es war mehr los als in einer normalen Urlaubssaison", sagte Schwer.

Die australische Touristin Belinda Moore ist aus dem Bundesstaat Queensland zum Uluru gefahren, um den Felsen zu besteigen. "Das stand immer auf meiner Liste von Dingen, die ich noch tun wollte, und als ich hörte, dass er geschlossen wird, wussten wir: jetzt oder nie", sagte die 33-Jährige. Der Aufstieg sei ein wunderbares Erlebnis gewesen.

Respektlos gegenüber den Aborigines findet die Touristin ihre Klettertour nicht. "Es mag bei ihrem Volk so sein, weil es ihre heilige Stätte ist", sagte Moore. Sie selbst glaube aber ja nicht daran.

Trotz des zu erwartenden Besucherrückgangs ab Samstag seien die örtlichen Tourismusanbieter "nicht besonders besorgt", sagt Tourismuszentralen-Chef Schwer. Abgesehen davon diene das Kletterverbot am Uluru dem sozialen Frieden.

"Die Menschen müssen sich daran erinnern, dass wir in Zentralaustralien eine sehr stark miteinander verbundene Gemeinschaft sind", betonte Schwer und fügte mit Blick auf die Gefühle der Aborigines hinzu: "Die Menschen, die das Kletterverbot fordern, sind unsere Freunde und Kollegen."

abl/AFP