USA Auf den Spuren der Indianer

Einmalige Naturerlebnisse, Einblicke in das Leben von Cowboys und Indianern sowie nostalgische Reminiszenzen an das Amerika der fünfziger Jahre: All das kann ein Urlaub im Südwesten der USA bieten.


Phoenix - Etwa zehn Tage reichen schon aus, um auf einer Rundreise die Höhepunkte der Bundesstaaten Arizona und New Mexico kennen zu lernen, darunter den Grand Canyon, Santa Fe, die Pueblos von Taos und Albuquerque. Ein guter Ausgangspunkt für die Tour ist dabei Arizonas Hauptstadt Phoenix, die im Sommer als heißeste Großstadt der USA gilt. Frühling und Herbst sind als Reisezeit daher empfehlenswerter.

Bizarre Felsformationen: Das Monument Valley gehört für viele Touristen im Südwesten der USA zum Pflichtprogramm
Foto: GMS

Bizarre Felsformationen: Das Monument Valley gehört für viele Touristen im Südwesten der USA zum Pflichtprogramm

Für Liebhaber klassisch-moderner Architektur bietet Phoenix einen schönen Einstieg: In den dreißiger Jahren errichtete Frank Lloyd Wright hier "Talisien West", den Wintersitz seiner Architektenschule. Inspiriert von der Bauweise der Hopi-Indianer schuf Wright ein Ensemble von Wohnhäusern aus einem eigens erfundenen Baustoff, einer Mischung aus Wüstensand, Fels und Beton. Ein Besucherzentrum bietet den interessierten Touristen Informationen und Fahrten an.

Auf der Reise Richtung Norden zum Grand Canyon liegt ein Abstecher vom Interstate Highway 17 auf die malerisch geführte Landstraße 179 nach Sedona nahe. Der Ort bietet spektakuläre Blicke auf die Red Rocks, riesige rötliche Felsformationen, die auf wunderbare Weise mit dem meist blauen Himmel kontrastieren. Sedona ist aber auch eine Künstlerkolonie mit zahlreichen Galerien.

Für den Grand Canyon sollten sich Reisende mindestens zwei volle Tage reservieren, wenn man mehr tun möchte, als einmal auf den Colorado River herunterzuschauen. Es gibt zahlreiche Wanderwege, die nicht alle den strapaziösen Abstieg in die tiefe Schlucht erfordern und doch nachhaltige Eindrücke der Landschaft vermitteln. Wer in einer der malerisch gelegenen Lodges übernachten will, muss sich frühzeitig um Reservierungen bemühen. Alternativen sind Motels außerhalb des Nationalparks, etwa fünf Meilen vom Canyon entfernt.

Gelebte Tradition: Viele Besucher des US-Bundesstaates New Mexico interessieren sich insbesondere für die indianische Folklore
Foto: GMS

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Über die Highways 64 und 160 geht es weiter nach Osten, quer durch das Wüsten- und Steppenland der Navajo-Indianer. Wer ein Auto mit Allradantrieb gemietet hat, kann streckenweise auf eine der sandigen Pisten wechseln, die abseits des Highways verlaufen. Notwendig dafür sind aber trockenes Wetter und eine spezielle Straßenkarte, die an Tankstellen verkauft wird. Empfehlenswert ist etwa die Navajo-Straße 22 zwischen dem alten Handelsposten Shonto und dem Navajo National Monument. Diese Anlage zeigt die Lebensweise früher Indianerstämme, die gewaltige Felsvorsprünge für den Bau ihrer Behausungen nutzten.

Das Ziel aber ist das Monument Valley an der Grenze von Arizona zum Bundesstaat Utah mit seinen bizarr in den Himmel ragenden Felsen. Ein kleines Museum feiert John Wayne, der hier bei Filmarbeiten gewohnt hat. Der Zugang in das für sie heilige Tal wird von den Indianern streng reguliert. Wer etwas weiter nördlich das Valley of Gods ansteuert, findet ähnliche Formationen, die durch eine Sandpiste erschlossen sind, die frei zugänglich und nur wenig befahren ist.

Weltwunder Grand Canyon: Die wohl größte Attraktion des US-Bundesstaates Arizona lässt sich auch im Sattel erkunden
Foto: GMS

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Die Fahrt nach Taos am Fuße der Sangre-de-Cristo-Bergkette in New Mexico führt auf dem Highway 64 durch die San Jose Mountains. Das Taos Pueblo wurde bereits im 13. Jahrhundert gegründet und gilt als älteste ununterbrochen bewohnte Siedlung der USA. Die meisten der noch heute von den Indianern genutzten, aus Lehm geformten Pueblos stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Auch das moderne Taos präsentiert sich im erdigen Adobe-Stil. Die Stadt ist seit 100 Jahren als Künstlerkolonie bekannt und hat zahlreiche bedeutende amerikanische Maler angezogen. Im Mittelpunkt liegt eine von Bäumen bestandene Plaza, die das Motiv vieler Bilder aus der Künstlerkolonie ist.

Nur eine gute Stunde Fahrt entfernt liegt Santa Fe. Die Stadt gilt als Quintessenz des Südwestens, mit einem geschlossenen, eleganten Stadtbild in Lehm-Architektur, einem guten Klima, indianischer und spanisch-mexikanischer Kunst und einem entspannten Lebensstil. Santa Fe liegt auf einem Hochplateau in der Wüste und ist von allen Seiten von malerischen Bergzügen umgeben.

Je nach Tageszeit scheint die Stadt in verschiedenen Farbtönen zu leuchten. Die Stadt ist mit ihren vielen Galerien am Umsatz gemessen der zweitgrößte Kunstmarkt der Welt, gleich hinter New York. Dazu kommen das Georgia-O'Keefe-Museum, das sich der berühmtesten Malerin New Mexicos widmet, und die Oper.

Von Santa Fe aus geht es zurück nach Phoenix, je nach Zeitplan mit Zwischenstopps. Das hoch in den Wäldern über der Wüste gelegene Los Alamos mit seinen Atomlabors ist eine Möglichkeit dazu. New Mexicos größte Stadt Albuquerque hat ein gutes Kunstmuseum zu bieten, und nicht zuletzt liegt in Arizona noch ein Stück der klassischen Route 66 mit Kinos, Motels und Milchbars wie in den fünfziger Jahren.

Holger Schmale, gms



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