Mit Kindern durch die USA "Darf ich jetzt bitte schlafen!"

Noch mal ein paar Wochen zusammen raus: Vor der Einschulung ihres Sohnes reist die Hamburgerin Inka Schmeling mit Mann und zwei kleinen Kindern für fünf Wochen in die USA. Doch der Weg über den Atlantik ist weit - und ohne Wunderwaffe kaum zu schaffen.

Inka Schmeling

4.30 Uhr, Hamburg: "Aufwachen", flüstere ich unserem Sohn ins Ohr. "Wir fliegen nach Amerika!" Nepomuk reißt seine Augen auf, schlüpft unter der warmen Decke hervor und hüpft barfuß über den kalten Dielenboden. Seine knapp zweijährige Schwester - angesichts ihrer Willensstärke von uns meist "Kleopatra" genannt - tappt hinterher und brüllt ihren Lieblingssatz: "I auch!" Für die Nachbarn unter uns muss sich unsere Vorfreude anhören wie eine ganze Herde galoppierender Bisons. Heute ist es mir egal: In den nächsten fünf Wochen liegt unsere Wohnung im Winterschlaf. Wir fliegen nach Amerika.

Der Grund für unsere Reise war per Post gekommen: "Bitte melden Sie Ihren Sohn Nepomuk im Januar in einer Grundschule an." An dem Abend, als wir den Brief öffneten, sagte ich zu meinem Mann: "Du, wir müssen nochmal weg vorher." Vorher, das heißt: bevor wir ab dem Sommer für die nächsten 16 Jahre vom Schulferien-Korsett eingeschnürt sein werden - bis zum Abitur unserer jetzt knapp zweijährigen Tochter. Und weg heißt nach kurzem Überlegen ziemlich schnell: Amerika. Fünf Wochen. Zuerst nach Kalifornien, später in Richtung Ostküste.

Der wichtigste Einkauf vor dem Flug

15 Uhr, irgendwo über dem Atlantik: "Mama, mir ist langweilig." Das lauwarme Bord-Mittagessen ist aufgegessen, das erste neue Buch schon halb gelesen, der Kinderfilm geschaut. Es wird Zeit für die Wunderwaffe. Ohne sie - das haben die Kinder uns über die Jahre mit dirigierendem Gequengel beigebracht - sollte man mit einer Zweijährigen und einem bald Sechsjährigen niemals zwölf Stunden am helllichten Tag über den Atlantik fliegen.

Die Wunderwaffe war neben den Reisepässen - Kinder brauchen auf USA-Reisen einen echten Reisepass, nicht bloß einen Kinderpass! - der einzige Punkt auf unserer Packliste, der nicht bloß am Abend vorher aus dem Schrank gezogen und in den Koffer geworfen werden konnte. Nach einer kleinen Expedition durch einen Schreibwarenladen in Hamburg packte ich in je eine Bastelmappe:

Für Nepomuk: Stifte, einen Klebestift, Flugzeug- und Buchstaben-Aufkleber, ein leeres Notizbuch. Denn kein Buch und kein Film hält unseren Sohn so lange bei Laune, wie die Geschichten, die er sich selbst ausdenkt und in sein Notizbuch malt und klebt.

Für Kleopatra: einen Malblock und sehr viele Bögen mit verschiedenfarbigen Punkten. "Punte kleben" ist für sie eine genauso ernsthafte und stundenlange Beschäftigung wie für Erwachsene, die damit wichtige Passagen in ihren Arbeitspapieren oder bei ihrer Fotoauswahl markieren.

Das beste Mittel gegen Jetlag

22 Uhr, Ankunft Los Angeles: Das Wettgähnen gegen den Druck auf den Ohren fällt uns beim Landeanflug nicht einmal schwer. Draußen scheint helle Mittagssonne, unsere Körper könnten langsam ins Bett. Stattdessen steigt mein Mann mit unserem Sohn zwei Stunden später in den Hotelpool. "I auch!", brüllt Kleopatra, die auf der Taxifahrt vom Flughafen eingeschlafen war. "Na klar, du auch", beruhige ich sie und ziehe ihr eine Schwimmwindel an. Schließlich haben wir eher nach dem Pool als nach dem Hotel gesucht, denn auch das haben uns die Kinder auf vorherigen Reisen beigebracht: Nichts hilft so gut gegen einen Jetlag wie ein Hotel mit Pool.

3 Uhr morgens - ach was! Ich greife zum Handy und stelle die Uhr um. 18 Uhr Ortszeit. Draußen geht die Sonne hinter den Palmen überm Pazifik unter, im Bett neben uns schlafen die Kinder, wir machen das Licht aus. "So lange konnten wir ewig nicht ausschlafen", staunt mein Mann am nächsten Morgen: um halb fünf.

Doch, so ein Jetlag hat was. Zu einer Zeit, zu der wir uns an einem normalen Wochenende in Hamburg gerade im Schlafanzug an den Frühstückstisch setzen, sind wir längst beim Wohnmobil-Vermieter am anderen Ende der Stadt. Abfahrt, Großeinkauf, los geht's zum knapp drei Stunden entfernten Joshua-Tree-Nationalpark mitten in der Wüste. Ein frühes Abendessen. "Darf ich jetzt bitte schlafen?", fragt unser Sohn danach müde, seine Schwester gibt gar keinen Mucks mehr von sich. Als die Kinder fünf Minuten später im Bett liegen, sage ich zu meinem Mann: "Wir sollten öfter Langstreckenflüge machen."

Als morgens die Koyoten den Sonnenaufgang beheulen, liegen wir schon mit Kaffee, Kakao und Milchpulle in der Hand im Bett und schauen dabei zu, wie hinter dem Fenster die Kakteen, Palmen, Joshua-Bäume und Felsen erst orange leuchten und sich dann ihre Wüstenfarben anziehen. Ein Streifenhörnchen stibitzt die Krümel unseres Abendbrotes vom Picknicktisch, am Himmel kreisen zwei Greifvögel. Die Wüste wacht auf, und wir sind schon lange wach, alle vier.

Fünf Wochen lang ist Inka Schmeling mit ihrer Familie auf USA-Tour. Von ihren Erlebnissen berichtet sie auf SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 165 Beiträge
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Seite 1
chuckal 19.02.2014
1. Wie schön
Nepomuk und Kleopatra.... und jetzt hören wir 5 Wochen lang, wie diese grundsympathische Familie ihr Elterngeld auf den Kopf haut. Da freue ich mich aber. Bestimmt gibt es auch mal Tage an denen nicht alles so glatt läuft, abet die Schmeljngs meistern das, halten zusammen und am Ende kommen sie mit tollen Erfahrungen zurück. Und der kleine Nepomuk hat aber auch gleich was tolles in der Waldorfschule zu erzählen. Und Kleopatra darf vielleicht mal ein Streifenhörnchen mit in den Wakdkindergarten nehmen. Schön, das nicht alles immer nur negativ auf SPON ist.
HARK 19.02.2014
2. Hahahaha
Mit zwei Kindern einen 12-Stunden-Flug mit einem Buch zum selber drin basteln und malen überstehen? Das soll eine Wunderwaffe sein und die Kinder dazu bringen, auch nur annähernd 10 Stunden still zu sitzen? Wer's glaubt, wird selig... Der Tischredakteur muss kinderlos sein...
sok1950 19.02.2014
3. und wo ist das Neue, Interessante
der Grund warum dies jemand aufschreiben und veröffentlichen muss? Jetzt fehlt noch, dass jemand sein Aufstehen, Zähne-putzen usw. beschreibt und veröffentlicht. Es ist erstaunlich, wie mit Allgemeinplätzen und ohne irgendetwas zu sagen herumjongliert wird.
angry.mum 19.02.2014
4. Wie banal
Wie kann man über etwas so Banales wie eine USA-Reise mit Kindern einen Artikel schreiben? Tausende Ihrer Leser haben das schon selbst gemacht. Dann schlafen die Kleinen halt im Taxi zum Hotel ein - so what? Selten etwas Langweiligeres gelesen!
notacoldwarkid 19.02.2014
5. Genial
Nepomuk und Kleopatra, haha. Das werden die besten 5 Wochen meines Lebens werden, leider geil!
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