Vendée Globe "Es geht drunter und drüber"


Das war eine schreckliche Nacht. Es war heiß und gleichzeitig stürmisch. Der Wind hat permanent seine Richtung gewechselt.

Inzwischen habe ich im Feld aufgeholt. Das Gennaker ist gesetzt, jetzt geht es Richtung Westen. Bilou müsste jetzt südlich von mir sein. Ich bin gespannt auf den nächsten Positionsbericht.

Gestern Nachmittag habe ich sechs Stunden lang damit zugebracht, meine kaputten Regale wieder festzumachen, die sich am Cap Finisterre gelöst hatten. Ich konnte das Boot nicht mehr so trimmen wie sonst. Meine Ausrüstung ist von rechts nach links geflogen. Die Halterungen der Kisten sind dabei auch draufgegangen, das hat die Sache noch erschwert.

Das war eine Drecksarbeit - alles war voll Carbon-Staub, da ich zuerst die Oberfläche abschmirgeln musste. Daraus bildete sich auf meiner Haut ein unangenehmes Gemisch aus Schweiß und Staub, das war nicht so toll. Ich habe schrecklichen Ausschlag bekommen. Jetzt ist alles wieder fest. Wenn ich es jetzt nicht repariert hätte, wäre ich wohl nie dazu gekommen.

Erneut Probleme bei Sonnenaufgang: Alles geht drunter und drüber. Ich war eigentlich guter Dinge und hatte gerade den Gennaker gesetzt, als der Autopilot plötzlich ausfiel. Wir kamen in unerwartete Turbulenzen. Das Großsegel krachte zusammen, es war angerissen worden. Es dauerte ganze zwei Stunden, dies alles wieder zu reparieren.

Wenigstens habe ich jetzt das gebrochene Segel ausrangiert - das hatte ich sowieso die ganze Zeit vor mir hergeschoben. So etwas kommt dabei heraus, wenn man etwas zu lange liegen lässt. Mit dem Spinlock Jammer habe ich die Reste des Hauptsegels befestigt. Dabei habe ich mir in den Finger geschnitten. Die Wunde hört nicht auf zu bluten. Ich habe dann auf den zweiten Piloten zurückgegriffen, der noch in Ordnung war. Ich werde nun prüfen, was den Defekt am Piloten ausgelöst haben könnte.

Über mir sind gerade dicke Regenwolken, und es ist ganz schön stürmisch. Ich mache mich auf Richtung Westen, bin ein bisschen verärgert, dass ich meinen ursprünglichen Plan aufgeben musste. Na ja, man lernt täglich dazu. Das hier ist wirklich eine harte Probe.

Es gibt schon wieder tiefgekühlte Paella zu Mittag, aber einen grandiosen Nachtisch mit dem Namen "Margret de Canard". Das klingt vielversprechend!



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