Versteckte Tauchplätze Abtauchen zu Cousteaus Unterwasserstadt

Vom Zwergseepferdchen bis zum Hammerhai - leidenschaftlichen Tauchern geht bei solch selten zu beobachtenden Fischen das Herz auf. Zu finden sind sie an Tauchzielen abseits der beliebten Unterwasser-Rummelplätze - wie im Sudan oder vor Sulawesi.


Nürnberg/Berlin - Vom exklusiven Abenteuer zum Breitensport: In Deutschland besitzen inzwischen rund 1,6 Millionen Menschen Schätzungen des Verbandes Deutscher Sporttaucher (VDST) zufolge einen Tauchschein. In Hochburgen wie Ägypten oder Thailand werden wie am Fließband neue Taucher zertifiziert. Da ist es kein Wunder, dass in vielen Tauchgebieten mittlerweile unter Wasser fast mehr Neoprenanzüge als Fische zu sehen sind. Der neugierige oder abenteuerlustige Taucher kann allerdings immer noch viele weitgehend unentdeckte Gebiete finden. Er muss dafür in der Regel nur ein paar Flugstunden mehr oder den Verzicht auf Rundum-Luxus in Kauf nehmen.

Viele der eher unbekannten Tauchgebiete haben ihren Status als Geheimtipps ihrer Abgeschiedenheit, mangelhafter touristischer Infrastruktur oder der unsicheren Lage im Land zu verdanken - so zum Beispiel der Sudan. Während die weiter nördlich im Roten Meer gelegenen Riffe und Wracks Ägyptens größtenteils "übertaucht" sind, seien die Reviere des Sudan zwar unter Tauchern seit langem ein heißer Tipp, aber weiterhin fast unberührt vom Tourismus und auch vergleichsweise günstig, sagt Heike Gehrmann, Redakteurin der Zeitschrift "Unterwasser" aus Nürnberg.

Abtauchen zu Cousteaus "Precontinent II"

Tauchen im Sudan ist traditionell nur auf einem "Liveaboard" möglich. Die klassische Route dieser Schiffe beginnt im Hafen von Port Sudan und führt nach Süden. Berühmt sind vor allem die Wracks der 1940 und 1977 gesunkenen Schiffe "Umbria" und "Blue Belt" sowie die überwucherte Unterwasser-Siedlung "Precontinent II" des Forschers Jacques Cousteau. Durch die geringe Zahl von Tauchern könnten sich die Gäste noch berechtigte Hoffnungen machen, viele Großfische zu sehen, sagt Undine Opitz vom Veranstalter Drop off diving in Alfter bei Bonn - vor allem Haie, für die der Sudan berühmt ist.

Der beste Ort für Begegnungen mit den geschmeidigen Jägern liegt allerdings weitab der üblichen Routen: das Riff Angarosh im Norden. Der Name bedeutet übersetzt "Mutter der Haie", und tatsächlich haben Taucher laut Opitz dort bei Sichtweiten von mindestens 25 Metern gute Chancen, verschiedenste Arten von Haien zu sehen, darunter als Hauptattraktion Schulen von Hammerhaien. Die beste Zeit dafür ist von Februar bis Juni. Aufgrund der starken Strömungen sei das Gebiet wie auch der restliche Sudan jedoch nur für erfahrene Taucher zu empfehlen, die mindestens 50 Tauchgänge im Logbuch haben. Bisher steuern nur drei Tauchboote die abgelegenen nördlichen Riffe an, zwei aus Port Sudan und eines aus der Stadt Port Ghaleb in Ägypten.

Wer unter Wasser lieber kleinere Meeresbewohner mit schwächer ausgeprägten Gebissen trifft, findet im Norden der Insel Sulawesi in Indonesien außerordentlich artenreiche Korallenriffe nach seinem Geschmack. Das Gebiet liegt im "Dreieck der Vielfalt" an der Nahtstelle zwischen Pazifischem und Indischem Ozean. Nirgendwo sonst auf der Welt tummeln sich mehr Fisch- oder Korallenarten, sagt der Unterwasserfotograf und Meeresbiologe Matthias Bergbauer aus Berlin.

Geisterpfeifenfische oder Blauring-Kraken

Durch das frühzeitige Errichten von Schutzgebieten sind die Riffe weitgehend unzerstört - keine Selbstverständlichkeit im indonesischen Archipel, wo Dynamit- und Zyanidfischen weit verbreitet sind. Unter den zahlreichen Tauchplätzen rund um die früher von den Portugiesen Celebes genannte Insel gelten einige wie die Insel Bunaken oder die Lembeh-Strait unter erfahrenen Tauchern als Weltklasse-Reviere.

Besonders in der Lembeh-Strait finden Anhänger der Makro-Unterwasserfotografie laut Bergbauer viele Kleinlebewesen. Neben leuchtend bunten Meeres-Nacktschnecken können Taucher mit scharfen Augen die perfekt getarnten Zwergseepferdchen, Geisterpfeifenfische oder Blauring-Kraken aufspüren. Doch an den viele hundert Meter senkrecht abfallenden Steilwänden des Meeresschutzgebiets Bunaken lohnt auch der regelmäßige Blick ins offene Meer. Dort kreuzen Adlerrochen, Makrelenschwärme oder Riffhaie. Auf den meisten Inseln wie Bunaken, Gangga oder den Togians sind Tauchschulen etabliert, ein "Liveaboard" ist anders als im Sudan nicht notwendig.

Neben diesen beiden Revieren gibt es weltweit noch andere Ziele mit Weltklasseformat wie Palau im West-Pazifik oder Belize in der Karibik, die zumindest unter deutschen Tauchern noch eher unbekannt sind. US-Amerikaner oder Japanern steuern sie dagegen in großer Zahl an, sagt die Unterwasserfotografin Manuela Kirschner aus Berlin.

Gelegenheitstaucher sind der Durchschnitt

Wem all diese Tauchziele schon zu "touristisch" sind, der kann auf Expeditionsreisen immer noch in unerforschten Gebieten ins Blau springen. Es gebe weiterhin weiße Flecken auf den Tauchkarten wie in Jemen oder in der Südsee - und auch Reiseveranstalter, die Neugierige mit großem Budget dorthin bringen, sagt Gehrmann. "Aber ich würde so etwas nur als Gruppenreise mit einem erfahrenen Anbieter empfehlen, sonst kann man schnell im Nirgendwo stranden."

Dass noch nicht alle einfach betauchbaren Gegenden überlaufen sind, führt Gehrmann darauf zurück, dass sich der Typus des Durchschnittstauchers in den vergangenen Jahren verändert hat: "Früher haben sich Anfänger dem Hobby meist mit Leib und Seele verschrieben und alle Reisen komplett auf das Tauchen ausgerichtet.

Heute dagegen machen viele im Urlaub mal den Schein und tauchen dann ab und an einmal, wenn sich die Gelegenheit bietet." Mancher andere Tauchbegeisterte wird hoffen, dass dies auch so bleibt.

Von Florian Sanktjohanser, gms

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insgesamt 31 Beiträge
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bimbim 10.08.2007
1. politisch oder real das ist hier die frage
wenns real waere muesste auf der liste der myeik archipel in myanmar stehen und die simlian inseln im sueden thailands. mehr bei http://www.allmyanmar.com und http://www.thailandmagic.com
herbertpius 10.08.2007
2. Tauchen
Da sage ich nur Abu Dabab am Roten Meer in Ägypten. Da ist selbst schnorcheln so schön wie tauchen.
yellofin 10.08.2007
3. Top Ten Tauchgebiete
PEMBA, die Nachbarinsel von Sansibar in Tansania. Relativ unbekannt, ernormer Fischreichtum, Taucgründe von Schnorcheltiefe bis extrem. Grösster Vorteil: wenig touristen an den fast "Privat-Riffen", DER Insider Tipp.
wireb 10.08.2007
4. Top-Tauchgebiete
Wenn auch weniger bekannt, aber dennoch unglaublich: Die Pässe der Atolle Tikehau und Rangiroa - und zwar auf der Ozeanseite. Großfisch satt, Hairudel in Höhlen und eine unglaubliche Sicht. Allerdings wegen der Strömungen auch nicht leicht zu betauchen.
yellofin 10.08.2007
5. Top-Tauchgebiete
PEMBA, die Nachbarinsel Sansibars in Tansania: relativ unbekannt, enormer Fischreichtum, Tiefen von schnorcheln bis extrem, landschaftlich traumhafe Gewürzinsel, tauchen an "Privat-Riffen" weil sich kaum Touristen hin "verirren". Urteil (zugegeben voreingenommen) BESONDERS EMPFEHLENSWERT!
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