Von Kairo bis Assuan Landemarken für Touristen

Ägyptens Klassiker liegen allesamt entlang der touristischen Rennstrecke von Kairo über Luxor nach Assuan. Da wundert es nicht, dass die Pauschalreise von einem Herrn Cook genau hier am Nil erfunden wurde - und die Pyramiden, Tempel und Sphinxe noch heute ein Muss für jeden Veranstalter sind.


Bunt dekoriertes Kamel: Thomas Cook erfand die Pauschalreise am Nil
GMS

Bunt dekoriertes Kamel: Thomas Cook erfand die Pauschalreise am Nil

Kairo - Wie nähert man sich einem Land voller Sehenswürdigkeiten aus fünf Jahrtausenden, mit Hunderten von Pyramiden und Tempeln, weltberühmten Museen und Basaren? Idealerweise nimmt man sich ein Jahr Urlaub und erkundet das Land auf eigene Faust. Da dies aber nur für die wenigsten in Frage kommt, bietet sich die zweitbeste Alternative an: eine Pauschalreise.

Auf diese Weise lässt sich so viel Ägypten wie möglich in kurzer Zeit kennen lernen. Fast alle großen Veranstalter haben das Land am Nil im Angebot - mit jeweils ähnlichem Programm: zuerst Kairo und die Pyramiden, anschließend der Nil zwischen Luxor und Assuan. Wer diese Route wählt, macht auf jeden Fall nichts falsch, denn Ägyptens Klassiker liegen allesamt entlang dieser touristischen Rennstrecke.

Der Nil ist schon seit gut 130 Jahren ein Dorado für Urlauber. Zu verdanken hat er das Thomas Cook, der hier 1869 die Pauschalreise erfand, als er eine Gruppe betuchter Briten und Amerikaner durch das Land der Pharaonen lotste, - "all inclusive" und mit Erfolg: Die Idee sprach sich herum, und bald buchten Tausende eine Pauschaltour bei Thomas Cook.

Ende des 19. Jahrhunderts gehörte schon die gesamte Dampferflotte auf dem Nil zum Cook-Imperium, was dem längsten Fluss der Welt den Beinamen "Cook's Canal" bescherte. Sogar gekrönte Häupter buchten ihr Ägypten-Abenteuer beim Pauschal-Pionier, darunter der deutsche Kaiser und der russische Zar, der Schah von Persien und der Prinz von Wales.

13 mumifizierte Pharaonen in Glassärgen

Damals wie heute ist Kairo Ausgangspunkt der meisten Reisen durch Ägypten. Niemand weiß, ob hier 12, 15 oder 20 Millionen Menschen leben. Die Mega-Stadt ist ein Moloch, in dem man sich schnell verlieren kann. In den Gassen der Altstadt und des Basarviertels geht es zu wie in einem Ameisenhaufen. Rote Ampeln nimmt kaum jemand ernst, Busse, klapprige Autos und Eselsgespanne liefern sich Kämpfe um den knappen Platz. In Kairo ist es normal, dass auf einer zweispurigen Straße vierspurig gefahren wird.

Ägyptisches Museum: Die Totenmaske des Tutanchamun besteht aus elf Kilogramm Gold
GMS

Ägyptisches Museum: Die Totenmaske des Tutanchamun besteht aus elf Kilogramm Gold

Was müssen Besucher von Kairo gesehen haben? Auf jeden Fall das berühmte Ägyptische Museum: In rund hundert Sälen mit mehr als 100.000 Exponaten gibt es einen Überblick über die gesamte Landesgeschichte. In Glasvitrinen stehen Preziosen von unschätzbarem Wert - Schmuck und Figuren, Sarkophage und Obelisken. Ein Höhepunkt sind die Mumien, zahlreiche Tiermumien wie auch die 13 mumifizierten Pharaonen in Glassärgen, darunter Amenophis I. und Ramses II.

Berühmtestes Exponat ist aber die Totenmaske von Tutanchamun: elf Kilogramm pures Gold in einem simplen Glaskasten, gesichert mit ein paar Vorhängeschlössern. In den angrenzenden Räumen sind die üppigen Grabbeigaben des Pharaos ausgestellt, darunter ein Streitwagen, ein Doppelbett und ein riesiger Thron, alles aus purem Gold.

Zum Pflichtprogramm gehört auch ein Besuch des Koptischen Viertels. In den Gassen von Kairos Christenquartier stehen zahlreiche Gotteshäuser aus der Frühzeit des Christentums nebeneinander, wie die Kirche der Heiligen Jungfrau aus dem 4. Jahrhundert, St. Sergius, St. Barbara und St. Georg sowie die älteste Synagoge Kairos aus dem 8. Jahrhundert. Von Kairos muslimischen Gotteshäusern sind besonders beeindruckend die Ibn-Tulum-Moschee - die älteste in der Stadt - sowie die Mohammed-Ali-Moschee, errichtet im osmanischen Stil auf dem höchsten Punkt weit und breit, der Zitadelle. Von hier aus hat man, sofern nicht zu viel Smog über der Stadt liegt, einen guten Blick über Kairo bis hin zu den Pyramiden von Giseh.

Genmanipulierte Sphinx

Ungefähr 200 Pyramiden wurden in Ägypten insgesamt gebaut. Gut 90 davon sind heute für Besucher zugänglich, darunter auch die älteste: die Stufenpyramide von Sakkara vor den Toren Kairos. Im Jahr 2665 vor Christi Geburt wurde sie errichtet. Nicht weit entfernt von ihr steht das Grabmal für Pharao Snofru. Als so genannte Knickpyramide schrieb es Architekturgeschichte. Besagter Knick geht auf einen Fehler bei der Konstruktion zurück.

Kairo, Luxor, Assuan: Die Klassiker Ägyptens liegen entlang des Nils
GMS

Kairo, Luxor, Assuan: Die Klassiker Ägyptens liegen entlang des Nils

Im Gegensatz zu diesen frühen Versuchen, für die Ewigkeit zu bauen, verkörpern die Pyramiden von Giseh am Stadtrand Kairos Glanz und Gloria des Altertums. Noch immer sind sie geheimnisumwittert, und die Gelehrten streiten sich, wie und warum sie - einziges erhaltenes der antiken Weltwunder - entstanden sind. Ufo-Forscher glauben sogar, die Pyramiden seien Landemarkierungen für außerirdische Raumschiffe und die Sphinx das Produkt gentechnischer Experimente.

Heute könnten Pyramiden und Sphinx als Landemarken für Touristen bezeichnet werden. Tausende von ihnen spazieren täglich in, auf und um die grandiosen Steinberge herum, posieren für Fotos und feilschen mit den Kameltreibern und Souvenirhändlern. Das nimmt dem Ort etwas von seinem mystischen Reiz. Trotzdem ist Giseh für Urlauber ein Muss.

Das trifft auch auf Luxor zu. Für viele Urlauber ist die Stadt in Oberägypten der Höhepunkt einer Reise im Land der Pharaonen. Das ist kein Wunder, liegen doch die grandiosesten Tempel der Menschheit und das Tal der Könige rund um die Stadt. Der Tempel von Karnak mit seiner Sphingen-Allee, den Säulensälen und dem Heiligen See ist das gewaltigste Heiligtum des Landes. Zwei Jahrtausende wurde an ihm gebaut, und er ist bis heute atemberaubend gut erhalten. Für die Besichtigung sollte man mindestens einen ganzen Tag einplanen.

Thebens Tal der Könige

Auch Theben am gegenüberliegenden Westufer des Nils lässt sich nicht im Handstreich besichtigen. Hier liegt das legendäre Tal der Könige mit 60 Pharaonengräbern, darunter dem von Tutanchamun. Die meisten Grabhöhlen sind erstaunlich gut erhalten, einschließlich der bunten Höhlenmalereien, die sich meist um Gottesfurcht, Fruchtbarkeit und ewiges Leben drehen.

Beeindruckend ist auch der Säulenwald des Hatschepsut-Tempels. Hier sind vor sieben Jahren 58 Urlauber von Islamisten ermordet worden - doch eine Hinweis- oder Gedenktafel dazu sucht man vergeblich. Immerhin ist das Areal, wie alle Sehenswürdigkeiten und internationalen Hotels in Ägypten, von der Touristenpolizei bewacht.

Ägypter vor dem Sobek-Tempel in Kom Ombo: Beschaulich geht es hier nirgends zu, es wimmelt von Touristen und Souvenirhändlern
GMS

Ägypter vor dem Sobek-Tempel in Kom Ombo: Beschaulich geht es hier nirgends zu, es wimmelt von Touristen und Souvenirhändlern

Per Nildampfer geht es stromabwärts, sofern der Reisegruppenleiter - was der Regelfall ist - nicht zuvor einen Besuch in einer der Alabaster- oder Papyrus-Fabriken ins Programm hineinschiebt. Er muss schließlich seine Familie ernähren und ist für jeden Cent Provision dankbar, den er für das "Abschleppen" von Touristengruppen kassiert. Das ist Besuchern oft lästig, aber offenbar ungeschriebenes Gesetz.

Esna mit seinem bunten Basar, Edfu mit dem Horus-Tempel - dem am besten erhaltenen Heiligtum aus ptolemäischer Zeit - und Kom Ombo mit seinem dem Krokodilgott Sobek gewidmeten Heiligtum sind die wichtigsten Stationen an der Strecke. Kein Kreuzfahrtschiff lässt sie aus. Beschaulich geht es hier nirgends zu, es wimmelt von Touristen und Souvenirhändlern. Das gilt auch für Assuan, der Endstation der meisten Nilkreuzfahrten.

Mordserie auf dem Nil

Die Stadt, 800 Kilometer südlich von Kairo gelegen, besitzt mit ihrer Flusspromenade, dem prächtigen Basar, der malerischen Insel Elephantine und dem auf einer Sanddüne errichteten Mausoleum des Aga Khan ein ganz eigenes Flair. Schon Ende des 19. Jahrhunderts versetzte Assuan europäische Reisende in Verzückung. Sie residierten meist im "Old Cataract", dem legendären Hotel, in dem Agatha Christie "Der Tod auf dem Nil" schrieb. Das Buch beschreibt eine Gruppe versnobter Reicher, die auf einem Raddampfer stromabwärts reisen und sich dabei gegenseitig umbringen.

Der Lieblingsplatz der Schriftstellerin war die Hotelterrasse. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf den Nil und die landestypischen Feluken, die Segelschiffe der Fischer. Die Terrasse ist bis heute einer der schönsten Orte in ganz Ägypten zum Genießen des Sonnenuntergangs. Und sie steht - entgegen anders lautenden Berichten in Reiseführern - auch Gästen offen, die nicht im Hotel wohnen. Voraussetzung dafür ist jedoch, sie haben das Wachpersonal am Hoteltor mit einem oder zwei Euro zum Öffnen der Pforte ermuntert.

Von Gregor Garbassen, gms



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.