Vulkan Bromo auf Java Eine irdische Mondlandschaft

Der Vulkan Bromo erhebt sich 2392 Meter über dem Osten der Insel Java. Sein kurzer Name klingt für Indonesien-Kenner wie Musik in den Ohren. Die unwirkliche Kraterlandschaft gehört zu dem Beeindruckendsten, was der Inselstaat zu bieten hat.

Surabaya - Ketut sitzt mit weit aufgerissenen Augen hinter dem Steuer des Jeeps. Draußen ist es stockfinster, die Straße ist staubig und unwegsam und schlängelt sich steil durch die Tengger-Hochebene von Java. Vom Hotel in dem Örtchen Sukapura dauert die Fahrt etwa 15 Minuten bis nach Ngadisari, der unsichtbaren Grenze zwischen dem islamischen und dem hinduistischen Teil Javas.

Der Bromo ragt zusammen mit dem Mount Batok aus einer mehr als zehn Kilometer langen Caldera empor, einem vor Millionen Jahren durch eine gewaltige Explosion entstandenen Riesen-Krater. Umgeben von grünen Klippen, schlummert die Caldera in über 2000 Metern Höhe und heißt bei den Einheimischen schlicht "Sand Sea", Meer aus Sand. Die Atmosphäre ist so irreal, dass es den Besuchern immer wieder entfährt: "Das ist ja, als wäre man auf dem Mond!"

Die grandiose Landschaft des Bromo-Tengger-Semeru-Nationalparks wirkt in ihrer Kargheit, in den Formen der Kraterkegel und der enormen Schwefelwolken tatsächlich wie von einem anderen Stern. Als sich unter dem 2775 Meter hohen Aussichtspunkt Penanjakan gegen 5 Uhr morgens die ersten Umrisse des Bromo abzeichnen, breitet sich unter den Touristen respektvolle Stille aus. Blitzlichter flimmern, jeder versucht, eine gute Position zu beziehen.

In der Tengger-Hochebene leben heute rund 40.000 Menschen, die so genannten Tengger-Javaner, die als einzige Gruppe auf der mehr als 1000 Kilometer langen Insel vor der Islamisation fliehen konnten und ihren hinduistischen Glauben bewahrt haben.

Einer Legende zufolge geht der Name "Tengger" auf die letzten Silben der Namen von Prinzessin Roro Anteng und ihrem Mann Jaka Seger zurück, die im 15. Jahrhundert in der Region regierten. Weil die Ehe zunächst kinderlos blieb, baten sie den Gott des Mount Bromo um Hilfe. Dieser versprach ihnen Nachwuchs, wenn sie später das jüngste Kind dem Vulkan opfern würden. Roro und Jaka zeugten der Legende nach 25 Kinder, hielten das Versprechen und warfen ihren Sohn Kesuma in den Krater des Bromo.

Noch heute gedenken die Tengger-Javaner dieser Geschichte mit einer feierlichen Zeremonie, bei der sie dem Bromo alljährlich Früchte, Reis, Blumen und Tiere opfern. Andere behaupten, dass der Begriff "Tengger" vom indonesischen "Tenggering Budi Luhur" stammt, was übersetzt so viel heißt wie "ewiger Frieden und hohe Moralität".

Als am Horizont endlich die Sonne aufgeht, scheint der Himmel zu brennen. Weit unten liegt der Bromo, atmet Schwefel und liefert sein allmorgendliches Spektakel. Im Hintergrund ist jetzt auch der Mount Semeru auszumachen, der mit 3676 Metern höchste Gipfel Javas. 1983 begrub er bei einem heftigen Ausbruch zwei Dörfer unter seinen Lavamassen.

Gegen 6 Uhr mahnt Ketut zum Aufbruch: "Jetzt fahren wir in die Sand Sea." . Der Jeep brettert über die holprige Piste, Staub wirbelt auf, die Luft wird spürbar wärmer. Etwa 200 Meter vor dem Fuß des Bromo geht es nur noch mit Pferden weiter. Wer dann noch nicht müde ist, erklimmt die 241 Stufen, die steil bis zum Kraterrand führen.

Oben ist der Schwefelgeruch so beißend, dass das Atmen schwer fällt. Aber der Blick in den dampfenden Krater und auf die Sand Sea mit dem vor wenigen Jahren gebauten imposanten Hindu-Tempel lohnt die Mühe.

Eine Stunde später ist das Spektakel vorbei. Die Sonne steht hoch am Himmel, und es ist angenehm warm. Ketut sieht müde aus. "No sleep till Bromo", sagt er. Sein Lebensrhythmus richtet sich nach dem Vulkan. Erst wenn der Bromo aufwacht, kann Ketut schlafen gehen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.