Weltwunder in Ägypten Die Pyramiden von Gizeh

Still ist Kairo nur am frühen Morgen. Wenn sich der Morgennebel langsam verzieht und der Muezzin das erste Mal ruft, ist es auch für Urlauber Zeit, aufzustehen. Denn nur jetzt können sie den Höhepunkt jeder Ägyptenreise mit Muße besichtigen: die Pyramiden.

Kairo - Die größten Königsgräber liegen auf der linken Nilseite im Vorort Gizeh. Wie eine Fata Morgana erheben sich die Cheops-, Chephren- und Mykerinospyramide aus dem goldgelben Wüstensand. Die ersten Stunden des Tages sind für einen Besuch ideal: Die Temperaturen sind angenehm, Andenkenverkäufer akzeptieren ein freundliches "No", und nur wenige Menschen laufen durch das weitläufige Areal.

Blickfang ist die Cheops-Pyramide, die um 2550 vor Christi erbaut wurde. Mit 137 Metern - ursprünglich war sie sogar 146,50 Meter hoch - ist sie die größte der kolossalen Königsgräber. Wie die Chephren-, Mykerinos- und die kleineren drei so genannten Königinnenpyramiden ist sie ein Meisterwerk der Baukunst. Zwischen 20.000 und 30.000 Arbeiter haben Stein für Stein aufeinandergesetzt. Wobei "Stein" untertrieben ist, denn jeder einzelne Quader wiegt mindestens eine Tonne.

Wie die Erbauer und ihre Gehilfen die massiven Blöcke über Rampen auf das höher wachsende Bauwerk transportiert haben, darüber lässt sich nur spekulieren. Denn die alten Ägypter haben über den Bau keinerlei Aufzeichnungen hinterlassen.

Trotz ihres Alters von über viertausend Jahren sind sie sehr gut erhalten: Nur die ehemalige Kalkstein-Ummantelung ist abgebröckelt. Ein kleiner Rest ist an der Spitze der Chephren-Pyramide noch zu sehen. Schon die Griechen waren von den Steinbauten mit den perfekten Proportionen beeindruckt. Die quadratische Grundfläche orientiert sich an den Himmelsrichtungen. Die Pyramiden sind eines der Sieben Weltwunder der Antike - das einzige, das heute noch erhalten ist.

Doch es ist nicht nur die Baukunst, die die Faszination der Pyramiden ausmacht. Es sind die Geschichten und Mythen, die sich um sie ranken. So begannen die Pharaonen, die gottgleichen Könige Ägyptens, gleich bei der Thronbesteigung mit der Planung ihrer Pyramide. Schließlich zog sich der Bau der Totenstätte meist über Jahrzehnte hin. Nach altem ägyptischen Glauben sollten sie ihnen den Weg ins Reich der Toten erleichtern. Mit auf den Weg gen Himmel nahmen sie die Güter, die bereits im Diesseits ihr Leben versüßten: Schmuck, Gold und Edelsteine. Je wichtiger der Pharao, desto kostbarer der Grabschmuck. Gleichzeitig waren Pyramiden Symbole für Macht und Göttlichkeit. Die Pharaonen wollten unvergesslich sein.

Das ist ihnen gelungen: Noch heute kommen Menschen aller Religionen aus der ganzen Welt, um die Grabstätten anzuschauen. Manche betreten sie sogar. Das Innere der Cheops- oder der Königinnenpyramide sollte allerdings nur besuchen, wer weder unter Klaustrophobie noch unter Atemnot leidet. Als Tritthilfe dienen auf den Boden genagelte Bretter. Die Hände am Geländer, hangeln sich die Besucher mühsam vorwärts und kämpfen sich durch die dünne Luft.

Mutig wie ein Archäologe müssen diejenigen sein, die sich die unterirdische Grabkammer der Cheops-Pyramide anschauen wollen: Nur auf allen Vieren kriechend geht es durch den Gang vorwärts, der so eng ist, dass stark Beleibte stecken bleiben würden. Der Weg ist hier das Ziel. Denn am Ende ist nur eine leere Grabkammer zu sehen. Viele Preziosen wurden im Laufe der Jahrhunderte gestohlen, nur ein Bruchteil fand seinen Weg in die Ägyptischen Museen in aller Welt.

Sarkophage oder sonstige Überreste der einbalsamierten Pharaonen wurden übrigens nie entdeckt. Gefunden dagegen wurde vor fast 50 Jahren die riesige gut erhaltene Sonnenbarke des Cheops, mit der der gottgleiche Herrscher in das Reich der Toten übersiedeln sollte. Heute steht sie hinter Glas und ist die einzige Sehenswürdigkeit der Grabanlage, das so vor Umwelteinflüssen geschützt wird.

Seit Jahrtausenden "bewacht" werden die bekanntesten Relikte des ägyptischen Totenkults von der Sphinx. Die mächtige Figur, halb Mensch, halb Löwe, ist 60 Meter lang und 20 Meter hoch. Obwohl Nase und Bart beschädigt sind, ist sie das Symbol für Ägypten. Berühmt ist vor allem das rätselhafte Lächeln. Lächeln werden auch die Besucher, die sich am Morgen vor diesem Bauwerk fotografieren lassen. Sie können sich dann fast wie ein Pharao fühlen: göttlich.