Zypern Im Bann der Aphrodite

Streifzüge zu den römischen Luxusvillen von Paphos, zum Strand der Aphrodite, über Schotterpisten durch Zedernwälder bis zu den Schneehängen des Olymp - Zypern lockt. Am besten lässt sich die Insel mit dem Mountainbike erfahren.


Foto: Wolfgang Gietzinger

Der Wirt in Paphos nimmt uns mit einer Schale frischer Orangen schnell den Frust, dass wir die ersten Kilometer unsere drei Räder im Taxi befördern mussten, da der Flughafen keine Gepäckaufbewahrung für unsere Radkoffer hat. Im schattigen Innenhof des kleinen Hotels im alten Ortskern montieren wir unsere Räder und starten zur ersten Kultureinlage unseres eher sportlich geplanten Urlaubs. Etwas unsicher bewegen wir uns durch den Linksverkehr nach Kato Paphos. Dort bauten die Römer ihre Luxusvillen an den Strand, wo sie heute fast einen Fremdkörper in der endlosen Kette der "Sommer, Sonne, Strand-Hotels" darstellen. Herrliche Mosaiken lassen die Lebensfreude der römischen Oberschicht ahnen.

Foto: Wolfgang Gietzinger
Bis wir am nächsten Tag in Coral Bay die Betonbarriere aus Hotels zwischen Strasse und Strand hinter uns gelassen haben, ist der Rotwein aus Kopf und Muskeln verscheucht und wir sausen mit Rückenwind entlang der Westküste auf die naturgeschützte Halbinsel Akamas. Schlagartig wird es einsam, selbst in der weiten, weißen Bucht von Lara sind wir alleine. Die wenigen Autos, die wir auf der Fahrt hinüber nach Polis treffen, bewegen sich langsamer auf der ausgewaschenen Geröllpiste, als wir es mit den robusten Rädern können.

"Fontana Amorosa", diesen lateinischen Namen gaben die Zyprioten einer Quelle, die über felsige Pfade von einer der berühmtesten Buchten der Insel aus zu erreichen ist: Dem Geburtsort der Aphrodite. Eine gelungene Kulisse für den romantischen Urlauber.

Zypern die geteilte Insel

Wir machen einen kleinen Umweg und radeln von Polis zunächst durch geschützte Bachtäler bergauf. Fette grüne Wiesen, blühender Ginster, der Schwarzwald ließe grüßen, wären da nicht die graugrünen Olivenbäume und diese Ziegen. Beißend steigen die Ausdünstungen dieser Tiere in die Nase.

Androulikou ist, wie viele anderer solcher Orte auch, Mahnmal der jüngeren Geschichte. 1974 wurde die Republik Zypern Spielball der feindlichen Brüder Griechenland und Türkei. Die Türkei besetzte den Norden der Insel, die türkischen Bewohner mußten aus dem griechischen Teil fliehen und umgekehrt die Griechen aus dem türkischen Teil. Diese Ort wurden aber nicht wieder besiedelt, sondern sie werden , quasi vorübergehend, als großer Ziegenstall genutzt, beherrscht von kläffenden Hundemeuten.

Auf dem Kamm angekommen, streift der Blick ungehindert über beide Küsten der Halbinsel Akamas, dem Westhorn Zyperns. Spielende Delphine, eine Bucht mit Schildkrötengelegen und holprige Felspisten machen Akamas zum magischen Anziehungspunkt vieler Jeepsafaris. Auf einem weißen Kalkband, von dem Jeeps und der Wind die rote Erde gefräst haben, verlieren wir schnell die sechshundert Höhenmeter wieder und stehen durchgerüttelt an der Fontana Amorosa. Doch die entpuppt sich als ausgetrocknetes Wasserloch.

Im letzten Drittel beim Aufstieg in das Troödosgebirge erwischt uns der Wind von vorn. Die Sonne strahlt auf den Südwesthang und die Teerdecke reflektiert die Wärme, dazu Steigungen über viele Kilometer. Von Panos Panageia bei Halloumi, geht es am nächsten Morgen erst auf Feldwegen 14 Kilometer bergab tief in die Schluchten des Troödos, dann aber lange wieder durch dichte Kiefernwälder bergauf zum Kloster Kykkos. Auf der ganzen Strecke treffen wir weder Wanderer noch Autos.

Nur ordentlich gekleidet darf man das Heiligtum Zyperns betreten

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Über dem Kloster Kykkos thront das Mausoleum des Erzbischof Makarios, der hier Prior war und von hier aus die Unabhängigkeit der Insel vorantrieb. Im Dunst röhrender Reisebusse vor dem nationalen Heiligtum kramen wir unsere langen Hosen aus dem Rucksack, denn nur sittlich gekleidet darf man die prachtvollen Mosaiken des Klosters betrachten.

Foto: Wolfgang Gietzinger
Auf einer Höhenstrasse mit herrlichen Panoramablicken fahren wir unterhalb des Gipfels des noch schneebedeckten Olympos (1953 Meter) und biegen in das Tal des Diarizos. Dann rollen wir an diesem Fluß bergab bis uns am Tempel der Aphrodite die schwüle Hitze der Küste wieder hat. Nach schneller Fahrt durch den dichten Verkehr der Küstenstrasse freuen wir uns auf die Orangen und den kühlen Innenhof unseres Hotels in Paphos.

Reiseinformation zu Zypern gibt es bei der Zypern Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt am Main (Tel. 069/251919. Bei der Einreise ist zu beachten, dass der Personalausweis nicht ausreicht. Ein mindestens noch drei Monate gültiger Reisepass ist nötig. Die beste Reisezeit ist zwischen Mai und November. Wer allerdings wandern oder Radtouren unternehmen will, sollte die Sommermonate wegen ihrer großen Hitze meiden, Ende März waren die Temperaturen sowohl auf dem Rad als auch im Wasser ideal.



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