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Hundeschlitten-Wettkampf in Alaska Ein Rennen auf Abstand

Beim Hundeschlitten-Rennen Iditarod treten Extremsportler an - zum Spaß. Ursprünglich hatte die Rallye jedoch einen ernsten Anlass: Wie transportiert man so schnell wie möglich einen Impfstoff durch Alaska?

Neun Tage, zehn Stunden, 37 Minuten und 47 Sekunden war Thomas Waerner mit seinen Hunden in den Weiten Alaskas unterwegs. Sie rannten 1609 Kilometer über Bergketten, auf dem gefrorenen Yukon und über tückisches Beringmeereis bis zur Ziellinie auf der Hauptstraße von Nome.

Der Norweger gewann damit den Iditarod , das längste Hundeschlittenrennen der Welt. 57 Hundeschlittenführer - in ihrem Jargon Musher genannt - waren am 7. März in Anchorage gestartet, elf schieden unterwegs aus. In Nome jubelten Waerner ein reduziertes Team von Rennleitern und eine kleine Gruppe Fans zu, die eine große norwegische Flagge schwenkten. Die übliche große, laute Menge an der Ziellinie fehlte.

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Iditarod: Hundeschlittenrennen durch Alaskas Wildnis

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Wenige Tage bevor die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 als Pandemie eingestuft hatte, war der Iditarod gestartet. Das Hunderennen, bei dem die Teilnehmer mit ihren Tieren gewöhnlich viele Kilometer Abstand voneinander haben, wurde dennoch fortgesetzt. Allerdings wurden die Veranstaltungen entlang der Strecke und am Ziel abgesagt.

Es gab auch "soziale Distanzierung" entlang des Weges: Einige Kontrollpunkte, an denen die Musher sich auf der Strecke melden müssen, wurden verlegt und lagen nun außerhalb von Dörfern. Polizisten riegelten die Orte für Zuschauer ab, an denen die Musher und ihre Hunde Pausen einlegten. Deswegen konnte der Iditarod im Gegensatz zu anderen großen Sportveranstaltungen in den USA stattfinden.

Im Kampf gegen die Diphtherie-Epidemie

Die Geschichte des Wettbewerbs, gegründet 1973, scheint heute seltsam aktuell: Das Rennen findet in Erinnerung an eine Hundeschlitten-Expedition im Februar 1925 statt, bei der ein Impfstoff nach Nome gebracht wurde. In der damaligen Goldgräberstadt grassierte zu der Zeit eine Diphterieepidemie, es ging um Tage, um die nötige Medizin gegen die Infektionskrankheit in den Nordwesten Alaskas zu bringen. 20 Musher mit mehr als hundert Hunden brachten den Impfstoff in einer Art Staffellauf knapp 1800 Kilometer von Anchorage nach Nome - in nur fünfeinhalb Tagen statt in sonst üblichen drei Wochen.

Das nun sportliche Rennen beginnt jährlich am ersten März-Wochenende mit einer Art Showlauf in Anchorage: Die Musher fahren mit jeweils zwölf Hunden 30 Kilometer weit. Am nächsten Tag, in diesem Jahr am 8. März, startet der Iditarod dann offiziell im etwa 110 Kilometer entfernten Willow, dann mit bis zu 16 Hunden. An den folgenden Tagen sind die Schlittenführer allein mit ihren Hunden in der Wildnis von Alaska unterwegs, in der es extrem kalt und windig sein kann.

In den vergangenen Jahren übten Tierschützer wie Peta immer wieder Kritik an den Rennen. Nach der Veröffentlichung der kanadischen Dokumentation "Sled Dogs" 2016 stellte ein wichtiger Sponsor des Rennens, die US-Bank Wells Fargo, nach 29 Jahren seine Unterstützung ein. Auch in diesem Jahr begleiteten Demonstranten den Start in Anchorage.

Selten gewinnen ausländische Musher

Thomas Waerner traf am frühen Mittwochmorgen mit seinen Hunden in Nome an. Er stammt aus Synnfjell, einer Bergstadt in der Nähe von Lillehammer, und ist der dritte Norweger, der das Rennen in Alaska gewonnen hat. Nur selten machen Nicht-US-Amerikaner den einheimischen Mushern den Sieg streitig.

"Es war schon immer ein Traum, hierher zu kommen und das Rennen zu fahren", sagte der 47-jährige Waerner. Als kleiner Junge habe er stundenlang über zwei verschiedene Arten von amerikanischen Transportmitteln nachgedacht: Muscle-Cars und die Schlittenhunde im Iditarod. Schon als Elfjähriger habe er von Musher-Legenden wie Susan Butcher und Rick Swenson gelesen. "Es ist erstaunlich, ich fühle mich irgendwie sprachlos."

Waerner fuhr 2015 seinen ersten Iditarod, damals belegte er den 17. Platz, einen Top-Platz für einen Iditarod-Anfänger. Auf europäischen Rennstrecken ist er jedoch schon längst erprobt: Im vergangenen Jahr gewann er den 1200 Kilometer langen Finnmarksløpet, Europas längstes Hundeschlittenrennen.

Am Wochenende hatte er die Führung von Jessie Royer übernommen, die als erste Frau seit 1990 den Iditarod gewinnen wollte und am Ende auf den dritten Platz kam. Zweiter wurde der dreifache Champion Mitch Seavey, der sechs Stunden nach Warner ins Ziel kam und noch immer den Rekord hält: 2017 wurde er mit acht Tagen, drei Stunden und 40 Minuten Sieger.

abl/dpa/Reuters/AP