Aida, Hurtigruten Neustart der Kreuzfahrtbranche misslingt

Für Hurtigruten ist wieder Schluss: Nach Corona-Infektionen bei Crew und Passagieren hat die norwegische Reederei ihre Kreuzfahrten eingestellt. Auch Aida und TUI Cruises konnten nicht wie geplant starten.

Am frühen Montagmorgen hat sich die "Mein Schiff 2" in den Hamburger Hafen geschoben und am Steinwerder Kreuzfahrtterminal festgemacht. Damit war die dritte dreitägige Kurzreise von TUI Cruises nach der Corona-Zwangspause zu Ende gegangen.

An Bord waren 1500 Passagiere, die ohne Landgang auf der Nordsee unterwegs gewesen sind - das Schiff fasst normalerweise bis zu 2900 Gäste. So wie TUI Cruises hatten auch Aida Cruises und Hapag-Lloyd Cruises solche Trips in der Nähe deutscher Häfen geplant, mit reduzierten Kapazitäten und besonderen Corona-Maßnahmen.

Doch der Neustart der Kreuzfahrtbranche verläuft nicht ohne Probleme.

Die norwegische Reederei Hurtigruten fährt bereits mit ihrem deutlich kleineren Expeditionsschiff "Fridtjof Nansen" seit Ende Juni ab Hamburg gen Nordkap - zu Beginn auch ohne Landgänge, da Norwegen seine Grenzen noch nicht geöffnet hatte. Doch am Montag hat Hurtigruten bis auf Weiteres seine gesamten Hochseekreuzfahrten eingestellt. Grund ist ein Corona-Ausbruch an Bord der "Roald Amundsen", die mit Passagieren aus Norwegen und Dänemark in der Arktis unterwegs war. Bei mindestens 40 Gästen und Crewmitgliedern wurde bisher eine Virusinfektion festgestellt.

"Mein Schiff 2" nach dem ersten Kurztrip: Drei Tage über die Nordsee gefahren

"Mein Schiff 2" nach dem ersten Kurztrip: Drei Tage über die Nordsee gefahren

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

Am Freitag war das Schiff im nordnorwegischen Tromsø angekommen. Die 178 Passagiere gingen von Bord, vier Besatzungsmitglieder wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Tests ergaben, dass sie sowie mindestens weitere 32 der 158 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert sind - darunter auch ein Deutscher. Die Behörden begannen, die Gäste sowohl dieser Kreuzfahrt als auch der vorangegangenen zu kontaktieren.

Bisher trügen vier der insgesamt 387 Passagiere das Virus in sich, teilten das Norwegische Institut für öffentliche Gesundheit (FHI) und die Gemeinde Tromsø mit. "Wir gehen davon aus, dass im Zusammenhang mit diesem Ausbruch weitere Infektionen gefunden werden", sagte Line Vold vom FHI. Alle Gäste sollten sich für mindestens zehn Tage in Selbstisolation begeben. Das Expeditionsschiff liege weiter im Hafen von Tromsø vor Anker und werde isoliert.

Planmäßig hatte die "Roald Amundsen" am Freitagnachmittag in Richtung Spitzbergen in See stechen sollen. Auch die weiteren beiden Expeditionsschiffe "Fridtjof Nansen" und "Spitsbergen" werden festgemacht, wenn sie ihre derzeitigen Kreuzfahrten in den kommenden Tagen abgeschlossen haben. Die Hurtigruten-Schiffe auf der sogenannten Postschifflinie zwischen Bergen und Kirkenes verkehren dagegen weiter.

Eine vorläufige Auswertung zeige, dass mehrere der internen Corona-Protokolle nicht eingehalten wurden. Das teilte Hurtigrutens Chef Daniel Skjeldam mit und: "Unser eigenes Versagen sowie der jüngste Anstieg der Infektionen auf internationaler Ebene haben uns dazu veranlasst, alle Expeditionskreuzfahrten in norwegischen und internationalen Gewässern einzustellen."

Aida Cruises: keine Freigabe für Kurztrips ab Mittwoch

Schlechte Nachrichten gab es auch bei Aida Cruises: Die Rostocker Reederei musste am Sonntag die geplanten Minikreuzfahrten auf der Ostsee für die erste Augusthälfte absagen. Denn, anders als erwartet, stehe eine letzte formale Freigabe für den Start der Kurzreisen ab 5. August durch den Flaggenstaat Italien noch aus, teilte Aida an seinem Sitz in Rostock mit. Aida ist ein Tochterunternehmen der italienischen Costa Crociere und gehört damit wie diese zum US-amerikanischen Carnival-Konzern.

"Aida Perla" in Hamburg: Mittwoch sollte das Schiff ablegen - aber aus Italien gibt es noch kein Go für Kurztrips

"Aida Perla" in Hamburg: Mittwoch sollte das Schiff ablegen - aber aus Italien gibt es noch kein Go für Kurztrips

Foto: Morris MacMatzen/ Getty Images

Für Aida ist dies ein herber Rückschlag. Anfang Juli hatte die Reederei gemeinsam mit dem Branchenverband Clia, der Stadt Hamburg, Hafenbehörden und den anderen Reedereien in Deutschland einen Dreiphasenplan erarbeitet. Diese "Leitsätze für eine Wiederaufnahme" der Kreuzfahrt sahen als Erstes Kurzreisen von drei bis sieben Tagen ohne Anlauf eines weiteren Hafens und mit begrenzter Passagierzahl vor. Für den Neustart seien umfassende Konzepte entwickelt und alle erhöhten Hygienestandards sowie Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 an Bord der Schiffe umgesetzt worden, teilte Aida mit.

Abgesagt wurden die Kurzreisen mit der "Aida Perla" ab Hamburg vom 5. bis 8. August, vom 8. bis 12. August und vom 12. bis 15. August. Betroffen ist demnach auch die Kurzkreuzfahrt mit der "Aida Mar" ab Warnemünde vom 12. bis 16. August. Bei den geplanten Fahrten ab dem 16. August geht Aida davon aus, dass sie stattfinden können, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Reederei hofft, die letzte formale Freigabe durch den Flaggenstaat Italien zeitnah zu erhalten.

Corona-Infektionen bei Aida-Crews

Auch bei Aida waren bei Crewmitgliedern Corona-Infektionen festgestellt worden - allerdings bevor sie an Bord gegangen waren. Für den Neustart hatte die Reederei 750 Besatzungsmitglieder aus Asien am 22. Juli mit drei Flugzeugen eingeflogen. Corona-Tests nach der Landung am Flughafen Rostock-Laage ergaben elf Infizierte, die danach auf einem der zwei Aida-Schiffe im Rostocker Seehafen isoliert wurden. Es sei davon auszugehen, dass die Infizierten an Bord einer Maschine aus Manila waren, hieß es.

Die Testergebnisse zeigten, dass die Präventionsmaßnahmen gegriffen hätten, sagte Sprecher Hansjörg Kunze am Freitag. Die Crewmitglieder seien vor dem Abflug in ihren asiatischen Heimatländern getestet worden und hatten auch in Quarantäne gelebt. Ein weiterer Test sei direkt vor dem Gang an Bord erfolgt. Alle weiteren Besatzungsmitglieder befänden sich ebenfalls in Isolation an Bord der Schiffe und würden erneut auf Covid-19 getestet.

Die "Aida Mar" und die "Aida Blu" stünden nicht unter Quarantäne, allerdings seien alle Landgänge gestrichen. Dennoch wollte Aida zu dem Zeitpunkt mit den Minikreuzfahrten beginnen. "Es wird ein sehr vorsichtiger und sehr langsamer Neustart werden", sagte Kunze.

TUI Cruises hat ebenfalls ein Problem mit einer Crew: Die Hamburger Reederei hat es nicht geschafft, die Mitarbeiter aus ihren Heimatländern wie den Philippinen und Indonesien rechtzeitig zu ihren Einsatzorten zu bringen. Einen ersten Termin für "Mein Schiff 1" ab Kiel musste sie nach eigener Aussage absagen, weil die Belegschaft noch nicht komplett war.

Unter den Crew-Mitgliedern, die auf der "Mein Schiff 1" ab Kiel eingesetzt werden sollten, wurden vergangene Woche ebenfalls fünf positiv auf das Coronavirus getestet - auch hier bereits, bevor sie an Bord gingen. Sie befinden sich an Land in einer eigens angemieteten Einrichtung, wie die Reederei mehreren Medien bestätigte. Demnach gehen Mitarbeiter mit einem negativen Covid-19-Test auf die Schiffe und bleiben ohne Kontakt zu anderen Kollegen für 14 Tage in Einzelisolation, bevor sie ihren Dienst antreten.

Reisebüro-Verband fordert Testpflicht vor der Reise

Nach monatelanger Zwangspause hoffen Aida, TUI Cruises und Co. mit den ersten Testkreuzfahrten wieder etwas Liquidität zu erhalten - auch wenn die Trips kaum kostendeckend sein können. Mit "Zehnpunkteplänen" und ihren Maßnahmen, die sie auf ihren Websites veröffentlichen, werben sie um Vertrauen der Kunden - und um Buchungen.

So gibt es etwa regelmäßiges Fiebermessen - etwa vor dem Check-in. Eine Maßnahme, die aber nach Ansicht von Experten kaum Schutz bietet: "Fieber messen ist Augenwischerei", sagt der Mediziner Christian Ottomann, Leiter der Schiffsarztbörse. "Es gibt Infizierte ohne Fieber oder anderweitige Symptome." Ottomann hält es für angeraten, am Tag der Einschiffung für alle Passagiere sogenannte PCR-Tests anzubieten, die binnen wenigen Stunden ein Ergebnis liefern.

Dies fordert am Montag auch der Reisebüro-Verband VUSR: "Es sollte für den Kreuzfahrtgast eine Testpflicht vor dem Antritt der Reise geben", sagte Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros, der "Rheinischen Post". Die Kosten sollten von den Gästen selbst getragen werden. "Wer sich eine Kreuzfahrt leisten kann, kann sich auch das leisten", meinte Linnhoff. Sie plädierte auch für eine generelle Testpflicht für alle Urlaubsrückkehrer.

Solche Tests bei der Ein- und Ausschiffung finden bei Aida Cruises und TUI Cruises derzeit nicht statt, wie die Reedereien bestätigen. Wohl aber können die Tests an Bord vorgenommen werden - "bei Bedarf", wie etwa Aida erklärt.

Anmerkung der Redaktion: Am Montag, 3. August endete bereits die dritte und nicht - wie zuvor geschrieben - die erste Kurzreise der "Mein Schiff 2" von TUI Cruises. Wir haben die Passage geändert.

abl/dpa