Nationalpark Berchtesgaden: Ein Ausblick zum Genießen
Nationalpark Berchtesgaden: Ein Ausblick zum Genießen
Foto: Dieter Meyrl / Getty Images

Low-Touch-Tourism, Workation, Staycation So reisen wir 2022

Deutschland kann auch spektakulär – und der Urlaub zu Hause ist einer der Trends des kommenden Jahres. Zumindest, solange die Pandemie anhält. Und was steht noch auf dem Plan?

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Wenn Urlauber in den vergangenen zwei Jahren eines gelernt haben, dann das: Reisen planen ist eine Sache, Reisen antreten eine andere. Denn das Virus hält sich weder an Ländergrenzen noch an Ferientermine und verändert sich ständig. Zugleich haben die nötigen Coronamaßnahmen mit Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und Lockdowns tief in unseren Alltag eingegriffen – und werden es wohl auch im Reisejahr 2022 tun.

Trends, die sich bereits in den vergangenen Sommern formten, werden auch im kommenden Jahr unsere Planung bestimmen. Dies sind sie:

Trend Nummer eins: Unterwegs im rollenden Schneckenhaus

Camper am Starnberger See: Ein Wohnmobil verheißt vielen Freiheit

Camper am Starnberger See: Ein Wohnmobil verheißt vielen Freiheit

Foto: G. v. Kapff / SRT

Wer regelmäßig Autobahn fährt, kann bestätigen, dass gefühlt jeder dritte Wagen ein Wohnmobil, zumindest aber ein Camper ist. Allein von Januar bis Oktober 2021 wurden rund 73.500 Wohnmobile neu zugelassen – ein Rekord. Gebremst wird dieser Boom derzeit nur von langen Lieferzeiten. Die Branche hat – wie viele andere auch – Probleme mit dem Nachschub wichtiger Bauteile.

Aber auch jede andere Art von Camping beziehungsweise der gehobenen Form »Glamping« wachsen weiter. Urlaub in der eigenen mobilen Behausung entspricht dem, was der Humangeograf Markus Hilpert von der Universität Augsburg »Low-Touch-Tourism« nennt, also möglichst kontaktfreies Reisen.

Trend Nummer zwei: Lieber mieten statt logieren

Hausboot am Ringkøbing-Fjord: Möglichst wenige fremde Personen

Hausboot am Ringkøbing-Fjord: Möglichst wenige fremde Personen

Foto: Dancenter / SRT

Egal ob Jolle, Jacht, Ferienwohnung oder Villa – alles, was man temporär mieten kann, wird weiterhin im nächsten Jahr stark nachgefragt. Das Reiseportal Booking.com hat 24.000 Konsumentinnen und Konsumenten in 31 Ländern zu ihren Präferenzen befragt. 55 Prozent gaben an, dass sie sich auch im nächsten Jahr eher für eine Ferienwohnung als ein Hotel oder Resort entscheiden werden. In Deutschland waren es sogar 60 Prozent der Befragten.

Urlauberinnen und Urlauber suchen offenbar wegen der Pandemie nach Unterkünften, die öffentliche Keimherde (Touchscreens, Türklinken, Liftknöpfe) sowie Kontakt mit fremden Personen (Lobbys, Speisesäle) auf ein Minimum reduzieren.

Trend Nummer drei: Gemeinsam statt zweisam – oder gar solo

Mit Freunden am Strand: Wenn es das Virus erlaubt

Mit Freunden am Strand: Wenn es das Virus erlaubt

Foto: Jutta Klee / Ableimages / plainpicture

Durch zahlreiche Kontakt- und Reisebeschränkungen haben wir entdeckt, dass allein virtuelle Begegnungen nicht reichen. Wir brauchen Familie und Freunde, und zwar analog. Corona hat viele Begegnungen verhindert oder aufgeschoben. Das wird nun nachgeholt.

Das Reservierungssystem Amadeus kann das belegen: Seit Herbst 2020 haben die Gruppenbuchungen um 83 Prozent zugenommen. Generationsübergreifender Familienurlaub sowie Reisen mit den besten Freunden werden daher im nächsten Sommer wieder populär sein – wenn es das Virus erlaubt.

Trend Nummer vier: Der Hund muss mit

Hunde willkommen: Manche Hotels gestatten auch Vierbeiner in ihren Zimmern

Hunde willkommen: Manche Hotels gestatten auch Vierbeiner in ihren Zimmern

Foto: SRT

Nicht nur die ganze Familie, von Opa bis Baby, muss mit in den Urlaub. Bereits vor der Pandemie lebte in jedem fünften Haushalt ein Hund. Dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) zufolge löste Corona einen Boom aus. Rund 20 Prozent mehr Hunde wurden allein 2020 verkauft. Andere Länder erlebten Ähnliches.

Folglich stellt der Hotelkonzern Hilton in seinem Trendreport 2022 fest, dass eine wachsende Zahl von Gästen, vor allem jüngere Hundebesitzer der Generation Z und Y, nicht ohne ihre bellenden Gefährten reist. Hundefreundliche Hotels haben also Konjunktur.

Trend Nummer fünf: Vergiss die Bucket List

Traumziel Machu Picchu: Wer zu lange zögert, den bestraft die nächste Virusvariante

Traumziel Machu Picchu: Wer zu lange zögert, den bestraft die nächste Virusvariante

Foto: Rebel / SRT

Machu Picchu, der Pariser Louvre oder einfach nur ins Ferienhaus nach Dänemark – statt lange Listen darüber zu führen, wohin man in diesem Leben noch unbedingt reisen möchte, hat uns Covid-19 beigebracht, bloß nicht zu warten oder sich zu aufwendige Ziele zu stecken.

Wer zu lange zögert, den bestraft die nächste Virusvariante – und die daraus resultierenden Coronamaßnahmen. Die Taktik besteht also nicht darin, auf bessere oder gar wieder normale Zeiten zu spekulieren, sondern die Chance immer sofort zu ergreifen, wenn die Wunschreise möglich und die Umsetzung auch pandemiekompatibel ist: man also weder sich noch die Gastgeber im Urlaubsland gefährdet.

Wobei – und das hat uns die Klimakrise gelehrt – Trend Nummer sechs bei der Reiseplanung nicht zu vernachlässigen ist.

Trend Nummer sechs: Nachhaltiger reisen

Beliebter Nachtzug Wien-Rom: Per Bahn im Schlaf durch Europa

Beliebter Nachtzug Wien-Rom: Per Bahn im Schlaf durch Europa

Foto: ALEX HALADA / AFP

Die Frage, ob es sinnvoll ist, zu Dumpingpreisen kurz mal übers Wochenende zum Shopping nach Paris zu jetten, stellen sich immer mehr Reisende. Greta Thunberg und Fridays for Future sei Dank. Der Unternehmensberatung Accenture zufolge würden 86 Prozent der Reisenden gerne nachhaltig unterwegs sein. Allerdings setzen nur wenige ihren guten Vorsatz auch um.

Adäquat auf die Klimakrise zu reagieren, ist trotzdem nicht nur Sache von Regierungen und Unternehmen. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen. Das bedeutet nicht den Verzicht aufs Reisen, aber vielleicht weniger zu reisen, dafür längere Fernreisen, Bahn statt Kurzflug und Aktivitäten, die vor Ort einen geringeren CO2-Fußabdruck hinterlassen und die lokale Wirtschaft fördern.

Trend Nummer sieben: Arbeiten am Urlaubsort

Laptop im Van: Unterwegs arbeiten – der Traum von vielen

Laptop im Van: Unterwegs arbeiten – der Traum von vielen

Foto: Klaus Vedfelt / Getty Images

Die Digitalisierung ermöglicht es uns, praktisch von jedem Platz der Erde aus zu arbeiten. Doch erst Corona hat dieser Möglichkeit richtig Schub verschafft. Wer sowieso im Homeoffice ist, der kann seinen Arbeitsplatz genauso gut an jedem Platz mit Internetanschluss aufschlagen.

Neudeutsch heißt dieses Phänomen Workation. Die Hotellerie antwortet darauf mit eigenen Lösungen. Egal ob eintägige Flucht vor den eigenen vier Wänden oder wochenlanger Aufenthalt am Traumziel – Kurz- oder Langzeitofferten sind die Antwort auf dieses noch relativ junge touristische Phänomen.

Trend Nummer acht: Zu Hause ist es auch schön

Elberadweg in Dresden: Lieber in der Nähe

Elberadweg in Dresden: Lieber in der Nähe

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Was man früher Urlaub in Balkonien nannte, heißt nun schicker: Staycation. Es bedeutet, Ferien entweder zu Hause (mit Tagesausflügen) oder in der Nähe zu machen. Wer sich für diese Urlaubsart entscheidet, behält die größtmögliche Kontrolle und kann schnell umplanen, falls die Coronaregeln sich ändern.

Spontane Entscheidungen lassen sich einfacher umsetzen, Sprachprobleme gibt es nicht, und wer innerhalb der Bundesrepublik unterwegs ist, der kann sich im Notfall auf ein zuverlässiges Gesundheitssystem verlassen. Zudem haben viele in den vergangenen zwei Jahren entdeckt: Deutschland hat viele schöne Ecken.

Und der Trend beim Buchen der Urlaubsreise?

Es wird komplizierter, bevor es hoffentlich wieder einfacher wird.

abl/Tinga Horny, srt
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