Rückwärts über den Abgrund: »City Climb« am 30 Hudson Yards
Rückwärts über den Abgrund: »City Climb« am 30 Hudson Yards
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Seth Wenig / AP

Klettersteig »City Climb« in New York Die Lust am Abgrund

New York empfängt wieder Gäste – und das gleich mit spektakulären Neueröffnungen für die Touristen. Im Viertel Hudson Yards können Sie jetzt am Seil in 390 Meter Höhe herumkraxeln – wenn Sie sich trauen.

Spiderman« braucht es hier nicht. So ist zwar der Spitzname des französischen Freikletterers Alain Robert, der mehr als 70 Wolkenkratzer und Monumente ohne Seil erklomm – oft illegal. Am 30 Hudson Yards in New York ist der luftige Adrenalinschub jetzt aber legal möglich, nötig sind allerdings 185 Dollar (rund 160 Euro), Klettergeschirr, Helm und einiges an Mut.

Am Dienstag eröffnete der höchste Klettersteig an einem Gebäude weltweit: Beim »City Climb« können die Besucher an einem kleinen Teil der Wolkenkratzer-Außenwand in rund 390 Meter Höhe herumkraxeln. Hudson Yards, ein Stadtviertel am Westrand Manhattans, ist seit 2012 im Bau, seit 2019 eröffnen nach und nach die geplanten mehr als ein Dutzend Wolkenkratzer. Das Hochhaus 30 Hudson Yards wurde im März 2019 eingeweiht, bis zur Spitze misst es 395 Meter und ist damit das fünfthöchste Gebäude der Stadt.

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»City Climb« in New York: Hochgefühl in 390 Meter Höhe

Foto: Seth Wenig / AP

In Gruppen zu acht dürfen die alkoholgetesteten Kletterer an der Spitze des dreieckigen Hochhauses an die Luft, steigen dann über eine 45 Grad geneigte Leiter 161 Stufen weiter hinauf auf die »Apex« genannte Plattform. Sie sind gehüllt in blaue Ganzkörperanzüge, die sicherstellen sollen, dass nichts auf die Straße fallen kann. Sie sind über ein Seil gesichert, das an einer Schiene mitläuft. Steigern können sie das Weiche-Knie-Event noch, wenn sie sich rückwärts – oder vorwärts – über die Kante der Plattform lehnen. »Stellen Sie Ihre Fersen auf die Kante, beugen Sie die Knie und stoßen Sie sich ab«, so die Anweisung des Guides.

»City Climb« erwarte eine Mischung aus Nervenkitzel-Suchenden und Leuten, die sich selbst beweisen wollen, dass sie ihre Höhenangst überwinden können, sagte Managerin Anissa Barbato der Nachrichtenagentur AP. »Das wird eine großartige, lebensverändernde Erfahrung für einige Menschen sein.« Zudem würden Stadtentdecker kommen, »die einfach nur nach etwas Wunderbarem in New York City suchen«. Erst seit wenigen Tagen ist auch »Summit One Vanderbilt« zugänglich, eine Aussichtsplattform hoch oben im Wolkenkratzer One Vanderbilt, direkt neben dem Bahnhof Grand Central in Manhattan – beide Schwindel-Attraktionen kamen pünktlich zur Aufhebung des Einreisestopps in die USA  am Montag.

Klettersteige oder »Skywalks« wie »City Climb« sind weltweit bereits an und auf vielen Gebäuden und Brücken installiert. Etwa am Jin Mao Tower in Shanghai in 341 Meter Höhe oder – der Klassiker – auf der Harbour Bridge in Sydney. Am Macau Tower in Macau können sich die Wolkenkratzerkletterer auf dem »Skywalk X« in 233 Meter Höhe über den Abgrund lehnen. Ähnliche Bilder sind auch vom Sky Tower in Auckland und dem »EdgeWalk« des CN Tower in Toronto bekannt.

Auf dem 30 Hudson Yards konnte schon bisher die Aussicht auf das One World Trade Center im Süden, das Empire State Building im Osten und auf New Jersey im Westen von Touristen bewundert werden: von »The Edge«, der weltweit höchsten Aussichtsplattform auf 336 Metern, die im März 2020 eröffnet und zwei Tage später aufgrund der Pandemie vorübergehend geschlossen wurde. Beim »City Climb« trüben allerdings keine Fenster und keine Geländer die Aussicht – vielleicht aber der Rausch im Hirn und die zitternden Hände.

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