Zugangshürde bei Ryanair An Bord darf nur, wer Wissensfragen über Südafrika beantwortet

Ryanair sieht sich offenbar häufig mit gefälschten südafrikanischen Pässen konfrontiert. Unwahre Identitäten entlarven soll nun ein Wissenstest – den echte Südafrikaner sinnlos und diskriminierend finden.
Flugzeuge von Ryanair: In Südafrika nutzt das Unternehmen seltsame Quizfragen

Flugzeuge von Ryanair: In Südafrika nutzt das Unternehmen seltsame Quizfragen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wie kann jemand nachweisen, dass er oder sie wirklich aus dem Land kommt, das in seinem Pass steht? Für Reisende, die laut ihrer Unterlagen aus Südafrika kommen und nach Großbritannien fliegen wollen, hat Ryanair neuerdings eine merkwürdige Maßnahme im Einsatz: Bevor sie an Bord dürfen, sollen jene Reisenden 15 Fragen beantworten und so ihre Kenntnisse über das Land unter Beweis stellen. Das berichtet unter anderem die »Financial Times« . Vorab angekündigt wurde der Test Ticketkäufern bislang offenbar nicht.

Der Zeitung zufolge wird mit dem Bogen zum Beispiel abgefragt, auf welcher Straßenseite man in Südafrika Auto fährt und wie der höchste Berg des Landes heißt. Das Dokument enthalte im Übrigen Rechtschreib- und Grammatikfehler, heißt es.

Ungewöhnlich ist zudem, dass der Test laut Bericht ausschließlich in Afrikaans vorgelegt wird – einer Sprache, die in Südafrika nur die dritthäufigste Erstsprache ist, hinter Zulu und Xhosa. Afrikaans hat auch eine Verbindung zur Apartheid: Zum Teil wurden Schwarze von Weißen gezwungen, diese Sprache zu benutzen.

Den Test gibt es wirklich

Ryanair hat der »Financial Times« bestätigt, dass es den Test im Rahmen seiner Sicherheitsmaßnahmen tatsächlich einsetzt. »Aufgrund der hohen Zahl gefälschter südafrikanischer Pässe verlangen wir von Passagieren, die nach Großbritannien reisen, das Ausfüllen eines einfachen Fragebogens in Afrikaans«, erklärt sich die irische Fluggesellschaft. »Wenn sie nicht in der Lage sind, diesen Fragebogen auszufüllen, wird ihnen die Reise verweigert und sie erhalten eine volle Rückerstattung.«

Eine längere Version des Ryanair-Statements bei »News24«  deutet darauf hin, dass der Test nicht bei allen Reisenden mit südafrikanischem Pass eingesetzt wird, sondern nur bei Personen, die im Rahmen der Sicherheitsüberprüfungen dafür ausgewählt werden.

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Dinesh Joseph, ein Südafrikaner, der in Großbritannien wohnt, berichtete der »Financial Times«, ihm sei am Ryanair-Schalter gesagt worden, ohne den Test könne er seinen Heimflug von Lanzarote nicht antreten, obwohl er kein Afrikaans spricht. »Es ist eine Demütigung, wenn einem gesagt wird, man könne den Test nicht in der Sprache machen, die man spricht«, wird Joseph zitiert. Es sei »sehr gefühllos und unsensibel« von Ryanair, eine bestimmte Sprache auszuwählen. Nach Angaben der Zeitung hat Joseph offiziell Beschwerde gegen die Maßnahme der Fluggesellschaft eingelegt. Die Zeitung »Metro« schreibt , Joseph habe den Test mithilfe des Google-Übersetzers bearbeitet.

Zu Wort kommt in der »Financial Times« auch Zinhle Novazi, eine Südafrikanerin, die ebenfalls in Großbritannien lebt. Sie zweifelt die Maßnahme nicht nur wegen der gewählten Sprache an: »Jeder Nicht-Südafrikaner könnte diese Fragen beantworten«, meint sie. Und auch Dinesh Joseph fragt sich: »Wie beweist das in irgendeiner Weise, dass mein Pass gefälscht ist? Für mich gibt es da keinen Zusammenhang.«

Bislang sieht es aus, als würde Ryanair trotz der Kritik am Einsatz des Wissenstests festhalten. Das sogenannte Britische Hochkommissariat indes stellte am Freitag auf Twitter klar , dass es sich bei dem Test nicht um eine Vorgabe der britischen Regierung handele. Und vom irischen Außenministerium heißt es laut »Metro«: »Südafrikanische Staatsbürger müssen keinen Test in Afrikaans ablegen, bevor sie einen Flug nach oder von Irland antreten.«

mbö

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