Airstream-Campen in Melbourne Silberraketen auf dem Parkhausdach

Hochglänzende Airstream-Wohnwagen vor buntem Graffiti: In Melbourne hat ein Glamping-Platz eröffnet. Ungewöhnlich ist sein Standort - auf dem Dach eines Parkhauses.

Andrew Curtis

Airstream-Wohnwagen sind schon per se eine Augenweide: die glänzende Aluminiumhaut, die perfekten Rundungen. Das Design der Dreißigerjahre betört noch heute. "Silver rocket" werden die in Ohio in den USA hergestellten Anhänger auch genannt. Sechs betagte Modelle haben eine halbe Weltreise hinter sich gebracht und in Australien einen festen Standort gefunden.

In Melbourne hat James Fry mit den Airstreams eine Art Caravan-Park aufgebaut - der Ort: das Dach des Parkhauses, das seine Familie betreibt. Die Wohnwagen aus den späten Siebzigern kaufte er in Santa Barbara in den USA, berichteten australische Medien. Fry verschiffte die 9,40 Meter langen Geschosse, baute sie um und hievte sie mit einem Kran auf das zweistöckige Gebäude in der Flinders Lane. Die Kosten: eine Million australische Dollar (675.000 Euro).

Da stehen sie nun, vor Graffiti-Wänden, auf rotem Boden, umgeben von noch höheren Gebäuden, und warten seit dem Wochenende auf Melbourne-Besucher, die 395 Dollar (267 Euro) pro Nacht ausgeben wollen, für 45 Dollar (30 Euro) mehr gibt es einen Whirlpool unter freiem Himmel dazu. Wenn die Gäste per Handy-App die Tür des schimmernden Wohnwagens geöffnet haben, erwartet sie ein Bett, ein paar Sitzkissen auf Bänken und ein Bad in Pink.

Andrew Curtis

Was die Gäste nicht erwartet: Zimmermädchen, Restaurant, Frühstück - also trotz Fünf-Sterne-Hotel-Preis weder Service noch zusätzliche Angebote. "Notel" nennt James Fry daher seine Unterkunft, "kein Hotel". "Wir sind alles andere als ein Hotel", sagte Fry dem australischen "Timeout". "Wir bieten Leuten ein Erlebnis, das zur Hälfte aus dem Bett besteht und zur Hälfte aus Melbourne." Wer Frühstück oder Dinner bestellen möchte, muss sich auf Streifzug in die Umgebung begeben - die Infos finden sich in dem Caravan-eigenen Tablet. Lediglich ein Stand-up-Café serviert Latte am Eingang des "Notel".

Glamping nennt sich diese Art, viel Geld für eine Outdoor-Übernachtung mit Luxus-Feeling auszugeben. Und immer wieder spielen dabei auch Airstream-Modelle eine Rolle. James Fry ließ sich auf einer Reise in Kalifornien von einem Boutique Trailer Park in Santa Barbara inspirieren.

Der wohl erste Airstream Penthouse Park der Welt befindet sich jedoch in Südafrika. Auf dem Dach des Grand Daddy in der Long Street in Kapstadt stehen sieben betagte US-Wohnwagen - alle unterschiedlich eingerichtet, aber immer mit einem US-Postkasten vor der Tür. Die Preise sind hier ähnlich happig - bis zu 3495 Rand (214 Euro) muss man für eine Wohnwagennacht investieren.

abl

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