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Thailand: Die fliegenden Händler von Bangkok

Foto: NICOLAS ASFOURI/ AFP

Street Food ade Bangkok will Straßenhändler aus der Innenstadt verbannen

Nudelsuppe, Sexspielzeug und gefälschte Uhren - das Sortiment der rund 400.000 Bangkoker Straßenstände ist riesig und beliebt bei Thailändern wie Touristen. Doch die Stadt will die mobilen Händler aus der City vertreiben.

Bangkok - Mongkol Moradokpermpun muss nach 30 Jahren wohl seinen angestammten Platz räumen. Zusammen mit etwa 3000 weiteren Straßenverkäufern auf dem Khlong-Thom-Markt soll er seinen Kaffeestand in einigen Kilometern Entfernung neu aufbauen. "Falls sie ihre Meinung nicht ändern, werden Tausende Menschen leiden", sagt der 59-Jährige. "Das wird unserem Geschäft schaden. Familien werden Probleme bekommen."

Händler wie Moradokpermpun bestimmen das Straßenbild in Thailands Hauptstadt Bangkok. Ihr Angebot reicht von Nudelsuppen bis Sexspielzeug. Doch jetzt wollen die Behörden die mobilen Verkaufsstände aus dem Stadtzentrum verbannen, um für Ordnung in der Millionenmetropole zu sorgen - ganz im Sinne der Militärregierung, die darum bemüht ist, nach dem Putsch im vergangenen Mai das Image des Landes aufzupolieren.

"Die Mehrzahl der Bürgersteige muss für die Passanten freigeräumt werden", sagt Polizeigeneral Vichai Sangparpai. An Dutzenden Hauptstraßen werde der Verkehr durch die Verkäufer behindert, durch ihre Abfälle werde zudem die Umwelt verschmutzt.

Facebook-Kampagne gegen Straßenhändler

Die Stände gehören in Bangkok zum Inventar. Die Einwohner versorgen sich dort mit günstigem Essen und Dingen für den täglichen Bedarf, während es die Touristen vor allem auf gefälschte Markenware abgesehen haben. "Man könnte meinen, dass die Verkäufer einen Teil des Charmes von Bangkok ausmachen", erklärt Vallop Suwandee, der als Berater für die Stadtverwaltung tätig ist. Es sei aber auch ein Mindestmaß an Ordnung nötig.

Die Behörden versuchen durch die strengere Regulierung auch kriminelle Geschäfte und die grassierende Korruption einzudämmen. Im vergangenen Jahr sorgte der Fall eines Armeeoffiziers für Aufsehen, der Verkäufer im Rotlichtviertel Patpong erpresst haben soll.

Nach Angaben der Stadtverwaltung sind in Bangkok 20.000 Straßenverkäufer registriert, hinzu kommen Tausende, die ihr Geschäft ohne Erlaubnis betreiben. Eine Studie der Regierung kam im Jahr 2000 zu dem Schluss, dass bis zu 400.000 Menschen auf den Straßen der Hauptstadt ihre Waren feilbieten. Zahlreiche Einwohner empfinden die vollgestopften Fußwege als Belastung. Eine Kampagne gegen die fliegenden Händler bei Facebook fand bereits mehr als 8000 Unterstützer.

An einigen Orten wie der Vergnügungsmeile Khao San Road wurde der Verkauf von Handtaschen, DVDs oder T-Shirts bereits verboten. Die Polizei versichert aber, den Händlern solle ihr Geschäft nicht gänzlich untersagt werden. Stattdessen sollen sie in weniger betriebsame Viertel umziehen oder ihr Geschäft erst am Abend eröffnen.

Das Einkommen der Straßenverkäufer schrumpft dadurch jedoch stark. Weil sie tagsüber keine Nudeln mehr verkaufen dürfe, hätten sich ihre Einnahmen halbiert, sagt die 30-jährige Juttigan Jitcham. "Ich kann die Schulgebühren für meine Kinder nicht mehr zahlen."

"Wir werden uns verstecken"

Die Verwaltungsexpertin Narumol Nirathron von der Universität Thammasat beobachtet das Vorgehen der Behörden mit Skepsis. Zwar sei es richtig, Regeln für den Straßenhandel aufzustellen. "Aber die Bürgersteige gehören nicht nur den Passanten, sondern auch denen, die dort ihren Lebensunterhalt verdienen." Nirathron rechnet aber nicht damit, dass die mobilen Stände vollständig aus dem Stadtbild verschwinden, dazu seien sie zu fest in der thailändischen Kultur verankert.

Und auch die Straßenverkäufer wollen sich noch lange nicht geschlagen geben. "Die Behörden werden kommen, und wir werden uns verstecken", sagte einer von ihnen. "Wenn sie weg sind, werden wir wieder herauskommen und weiter verkaufen."

abl/AFP
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