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05. Januar 2010, 14:19 Uhr

Burj Chalifa

So deutsch ist das höchste Haus der Welt

Parkett aus einem nordrhein-westfälischen Sägewerk, Küchen aus Gütersloh in den Suiten, fränkisches Porzellan. Mehr als 30 deutsche Firmen waren am Bau des Burj Chalifa beteiligt. In Dubais Rekordturm kam sogar Recycling-Material aus Berlin zum Einsatz: Stahl aus Honeckers Palast der Republik.

Von "Erichs Lampenladen" nach Dubai: In dem am Montag eingeweihten höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Chalifa, wurde tonnenweise Stahl mit DDR-Vergangenheit verbaut. Denn die Stahlträger des Palastes der Republik in Berlin wurden nach dessen Abriss im Jahr 2006 eingeschmolzen und gelangten über Sachsen-Anhalt in die Türkei.

Eine dort ansässige Stahlfirma brachte das recycelte Material schließlich zur Baustelle in Dubai. So entstand auch aus Teilen eines staatlichen Prunkbaus der Vergangenheit ein Prunkbau der Zukunft: das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt.

Als am Montagabend der Turm mit einer großen Gala eingeweiht wurde, konnten viele deutsche Firmen mitfeiern. Mehr als 30 vor allem mittelständische Unternehmen waren an dem Giga-Bauprojekt beteiligt. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Aufträge nach Deutschland vergeben wurden.

Bautechnik - Fundamente und Pumpen

Die Tiefbauspezialisten von Bauer aus Schrobenhausen sorgten dafür, dass der Mega-Turm fest im Sandsteinboden verankert wurde und nicht umkippen kann. Dazu errichteten sie ein 7000-Quadratmeter-Plattenfundament, das auf 850 Betonpfählen ruht.

Extra für den Burj Chalifa entwickelte der Baumaschinenhersteller Putzmeister Hochdruckpumpen, die Beton innerhalb von 30 Minuten auf eine Höhe von 606 Metern bringen können - das hatte es vorher nicht gegeben. Zum Einsatz kam im Beton ein Zusatzmittel von BASF, um beim Transport das Material geschmeidig zu halten.

Metallschienen von Halfen aus Langenfeld halten Teile der Außenfassade fest. Sie wurden in Beton gegossen, um tonnenschwere Lasten zu tragen. An der Fassade kommt auch Edelstahlblech von der ThyssenKrupp-Tochter Nirosta zum Einsatz. Insgesamt 174.000 Quadratmeter Spiegelfassadenglas wurden aus Thalheim in Sachsen-Anhalt geliefert - von einem Werk der US-Firma Guardian.

Rund 50.000 Dübel von Fischer aus Waldachtal befestigen in der Shopping Mall eine schwere Stahlkonstruktion. Und Insgesamt 69 Pumpen von KSB sorgen für Kühlung, indem sie bis zu 10.000 Tonnen Kühlwasser pro Stunde durch das Gebäude jagen.

Innenausstattung - Designer-Waschtische und Tigerwood-Böden

Die Gütersloher Firma Miele bestückt die Küchen der 900 Suiten mit Backöfen, Mikrowellen und Spülmaschinen, insgesamt 7650 Geräte wurden nach Dubai geliefert. Das ist der größte Einzelauftrag der Firmengeschichte. Bei der Ausstattung der Badezimmer wirkt die Firma Duravit aus Hornberg im Schwarzwald mit, die Tausende WCs und Bidets aus Keramik lieferte. Auch ihr Waschtisch "Tonne", gestaltet von Stardesigner Philippe Starck, ist tausendfach im Burj Chalifa vertreten.

Die gleiche Handschrift tragen die 5000 Armaturen aus der Luxuskollektion "Axor Starck", die von HansGrohe aus dem Schwarzwald geliefert wurden.

Im Armani-Hotel in den unteren Geschossen werden die Gäste von feinem fränkischen Rosenthal-Porzellan speisen, das Besteck wurde vom Hotelausstatter Hepp aus Birkenfeld in Zusammenarbeit mit den Haus-Designern gestaltet.

In den 900 Luxusapartments läuft man über Holzböden des Parkettherstellers Lopark im nordrhein-westfälischen Niederzier. Insgesamt 95.000 Quadratmeter doppelschichtiges Parkett aus Muiracatiara-Holz wurden aus dem eigenen Sägewerk nach Dubai verschifft - die Holzart wird wegen ihrer edlen Maserung auch "Tigerwood" genannt.

Türen und Decken - Beschläge aus Ennepetal

Ein lukrativer Auftrag für die Firma Dorma waren die acht riesigen Eingangstüren, die zu den Hauptgebäuden des Turmes führen. Auch innerhalb des Gebäudes stammen Türklinken und Beschläge von insgesamt etwa 12.000 Türen von dem mittelständischen Unternehmen aus Ennepetal. Nach Angaben des Unternehmens brachte dieser Auftrag ein Umsatzvolumen von mehr als zehn Millionen Euro ein.

Die Betondecken der 153 Etagen verschalte das Unternehmen Meva aus Haiterbach im Schwarzwald mit einem eigens entwickelten System. Insgesamt haben die Decken eine Fläche von 224.808 Quadratmetern, das entspricht 33 Fußballfeldern.

sto

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