Côte d'Azur Auf den Spuren von Matisse, Renoir und Picasso

Renoir, Matisse, Picasso - viele Maler zog es in den Süden Frankreichs. Die suchten das milde Wetter und fanden im besonderen Licht der Côte D'Azur eine große Liebe.

Nizza - Des Klimas wegen zog der Maler Auguste Renoir mit seiner Familie in den Süden Frankreichs an die Côte d'Azur. Das schöne Wetter sollte seinen von Rheuma geplagten Gelenken Linderung verschaffen. 1903 ließ er sich zwischen Nizza und Antibes in Cagnes-sur-Mer nieder und erwarb später das Grundstück "Domaine des Collettes". Hier lebte der bekannte Maler bis zu seinem Tod.

Heute ist das ehemalige Haus der Familie ein Museum und eine der zahlreichen Stätten, die Kunstinteressierten einen Einblick in Alltag und Werk berühmter Maler ermöglichen, die an der Côte d' Azur Sammlung und Inspiration fanden.

Die Besucher halten sich allerdings oft nicht allzu lange auf in den staubig riechenden Zimmer der Familie Renoir, die mit Möbeln und Utensilien spärlich eingerichtet wurden. Die meisten zieht es hinaus in den Garten, wo tausend Jahre alte Olivenbäume Schatten werfen und das Knirschen der Schuhe auf den Kieswegen und das Zwitschern der Vögel die einzigen Geräusche sind. Vereinzelt stehen Hobbymaler mit ihren Staffeleien im Grünen.

Renoirs Sohn Jean schreibt in seiner Biografie über den Vater und seine Wahlheimat: "Cagnes schien nur auf Renoir gewartet zu haben, und er selbst nahm es zu Eigen wie man sich einem Mädchen schenkt, von dem man sein Leben lang träumte und das man plötzlich vor der Haustür entdeckt, nachdem man die ganze Welt danach durchstreift hatte."

Renoir war nicht der einzige Maler, der in der Côte d'Azur eine späte, aber dann lebenslange Geliebte fand. Auch den Künstler Henri Matisse, zog es aus gesundheitlichen Gründen 1917 dorthin. Seine chronische Bronchitis brachte ihn dazu, nach Nizza überzusiedeln. Doch das erhoffte gute Wetter wollte sich zu Anfang nicht einstellen.

Einen Monat lang hatte Matisse im Hotel "Beau Rivage" am Quai des Etats-Unis beobachtet, wie der Regen an die Fenster prasseln und sich schon entschieden, die Stadt wieder zu verlassen. Am nächsten Morgen aber hellte sich der Himmel auf, und Matisse, beeindruckt vom Licht, sollte den Rest seines Lebens an der Côte d'Azur verbringen.

Matisse wohnte im dritten Stock des "Beau Rivage", in einem kleinen Zimmer mit Blick aufs Meer. Diesen Ausblick verewigte er auf dem Bild "Die Bucht von Nizza", auf dem auch die Promenade am Ufer und Umrisse vereinzelt flanierender Menschen zu erkennen ist. Später mietete sich der Maler an der Place Charles Félix ein Appartement. Ganz in der Nähe, in der Rue Désiré Niel, befindet sich auch das Atelier, in dem er seine großformatigen, ornamentalen Tanz-Bilder malte.

Das Matisse-Museum im Park des Arènes zeigt unter anderem Entwürfe für das außergewöhnlichste Werk, das Matisse an der Côte d'Azur hinterlassen hat: den Sakralbau "Chapelle du Rosaire". Die Hauskapelle eines Dominikanerklosters ist die Hauptattraktion des hübschen Städtchens Vence nordwestlich von Nizza. Matisse selbst soll die Kapelle, die 1951 eingeweiht wurde, als sein Meisterwerk bezeichnet haben, versichert Schwester Magdalena. Sie selbst möchte über seine Kunst nicht richten: "Ich wohne hier und kann das nicht beurteilen", sagt sie knapp.

Der Schriftsteller Louis Aragon sprach von einer Kapelle, die so fröhlich sei, dass man einen Ballsaal daraus machen könnte. Das ist vielleicht etwas übertrieben, doch in der Tat besticht die kleine Kapelle schon allein durch das abwechslungsreiche Lichtspiel, das die hohen Fenster ermöglichen. Sie lassen in Blau, Gelb und Grün getränktes Tageslicht in den kühlen hellen Raum. Alles, was in der Kapelle zu sehen ist, wurde von Matisse gestaltet, Altar, Beichtstuhltür und Tabernakel eingeschlossen.

Malerkollege Pablo Picasso fand allerdings weniger freundliche Worte. Er erklärte Matisse für verrückt. Picasso hatte ungefähr zur selben Zeit das Gewölbe einer Kapelle in Vallauris gestaltet. Doch während Matisse seine Kunst ganz in den Dienst der Religiosität stellte, wählte Picasso das Thema "Krieg und Frieden". Den Raum mit dem 125 Quadratmeter großen Wandgemälde wollte er als Friedenstempel verstanden wissen.

In Vallauris, zwischen Antibes und Cannes gelegen, hat Picasso auch einige Jahre gelebt und dort auch als bildender Künstler gearbeitet. Auf dem Marktplatz des etwa 25 000 Einwohner zählenden Ortes steht eine Skulptur, die Picasso den Einheimischen schenkte. Doch das Kunstwerk stieß bei der Bevölkerung nicht überall auf Begeisterung. Der Blumenhändler, der seinen Stand direkt vor der Bronzeskulptur aufgebaut hat, schimpft noch heute: "20 Jahre sehe ich das hässliche Teil schon, ich wünschte, es würde jemand abreißen". Das wird er wohl vergebens wünschen.

Wie Renoir und Matisse hat auch Picasso sein Lebensende an der Côte d'Azur verbracht. Die letzten Jahre wohnte er in dem verwinkelten Bergdorf Mougins, nordwestlich von Vallauris, wo es heute in einem kleinen Museum der Fotografie eine sehenswerte Dauerausstellung mit vielen Portraits und Schnappschüssen Picassos zu sehen gibt.

Wer sich an der Côte d'Azur auf die Spuren Picassos begibt, darf Antibes nicht auslassen. Selbst wer sich nicht um Kunst schert, wird seine Freude haben an dem charmanten. In der Nachsaison gibt sich auch Antibes ein wenig erschöpft vom heißen Sommer, aber umso entspannter.

An Strand "Plage de la Gravette" tummeln sich nur wenige Einheimische, die hier ihren Feierabend verbringen. Gleich um die Ecke liegt der imposante Yachthafen, einer der größten der Welt, in dem protzige Segelschiffe träge auf dem Wasser liegen. Das bemerkenswert liebevoll gestaltete Picasso-Museum liegt nicht weit entfernt am Meer, im ehemaligen Grimaldi-Schloss, oberhalb des Marktes. Im Obergeschoss nutzte Picasso zeitweise Räume als Atelier.

Wer nicht zur Hauptsaison im Sommer kommt, kann sich dort in Ruhe umsehen: Zu entdecken gibt es nicht nur Werke von Picasso und anderen Künstlern, sondern auf der von Skulpturen flankierten Terrasse auch einen spektakulären Blick auf das azurblau wogende Meer.

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