DDR-Museum in Berlin Ostalgie boomt

FDJ-Hemden, Retro-Lampen, dazu Musik von Karat: In Berlin hat ein weiteres Museum zum DDR-Alltag eröffnet. Inhaber und Besucher schwelgen in Erinnerungen an vergangene Zeiten. Fachleute kritisieren die fehlende Reflexion über die Diktatur.

Berlin - Berliner Schüler wissen immer weniger über die DDR und die deutsche Teilung. Das hat die eine Studie der Freien Universität (FU) Berlin ergeben, die Anfang November vorgestellt wurde. Dennoch gibt es in Deutschland einen Ostalgie-Boom. Ostprodukte im Handel sind beliebt, FDJ-Hemden werden immer noch angezogen und die Ostpro-Messen erleben Besucherrekorde. Auch das DDR-Museum am Berliner Dom erfreut sich seit seiner Öffnung im Juli vergangenen Jahres zahlreicher Gäste.

Seit dem 1. November hat das Museum Konkurrenz bekommen. Im Berlin Carré am Alexanderplatz gibt es eine weitere Ausstellung zum Alltag in der DDR. In der ersten Etage auf 300 Quadratmetern Fläche zeigt Maik Schwolow seine über Jahre angehäuften Sammlerstücke. Dazu gehören eine Küche mit kompletter Ausstattung, ein nachgestellter Konsumladen mit Gesana-Sahne-Stabilisator-Päckchen und Ata-Scheuermittel, tschechische Sitzeier von 1968 und ein Fahrtrainer für Fahranfänger.

"Ich erledige Wohnungsauflösungen", erklärt der 41-Jährige, "und nach einer Zeit habe ich mir gedacht, dass man das ja nicht alles wegschmeißen muss." Schließlich würden die ganzen Waren aus der DDR immer rarer. Mit der Zeit sei aus ihm dann ein "verrückter Sammler" geworden. Seinen Besitz habe er aber jahrelang nur in einer Halle gelagert.

"Es war schon immer mein Traum, das alles auszustellen", sagt Schwolow. Er habe dann relativ spontan die Räumlichkeiten angemietet und die Schau aufgebaut. Mit den Besucherzahlen ist der Selbständige seither noch nicht zufrieden. "Aber das wird bestimmt noch besser", hofft Schwolow, der die Schau nur ein Jahr zeigen will. Informationstafeln oder Kommentare über die DDR gibt es in dem kleinen, bunten Privatmuseum nicht. "Ich möchte keine politische Geschichte erzählen", sagt Schwolow. Das wünschten die Besucher auch gar nicht. Bei ihm könnten sie sich einfach an die DDR-Zeit erinnern.

Nostalgische Verklärung und mangelndes Wissen

Die fehlende Reflexion kritisiert der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe. "Ich finde es sehr problematisch, den Alltag der DDR aus seinem politischen Kontext herauszunehmen", sagt Knabe und fragt sich, wie es denn auf die Opfer der damaligen Zeit wirke, wenn diese Diktatur jetzt nostalgisch verklärt werde. "Offensichtlich ist es nicht genügend gelungen, die DDR als verachtenswerte Diktatur ins Bewusstsein der Menschen zu rücken", zieht Knabe sein persönliches Fazit.

Die Verklärung der DDR-Zeit geht für Knabe auch einher mit dem aktuellen Wissensdefizit über die deutsch-deutsche Vergangenheit. "Verklärung und Unwissenheit bedingen sich gegenseitig", erklärt Knabe. Das zeige auch die Neigung des Menschen, schlechte Erfahrungen zu vergessen und gute in Erinnerung zu behalten. Schwolow bestätigt, dass einige seiner Besucher mit Wehmut durch die Schau liefen und vielleicht "aus Frust auch heute noch die Ostprodukte" kauften.

Der Nachwuchskurator ist einfach stolz auf die DDR-Produkte, die er über die Jahre angehäuft hat. Interessierte können bei ihm alte Schallplatten von Karat, den Pudhys oder Silly hören, unter Palast-der-Republik-Lampen die Illustrierte "Für dich" lesen oder die Medaille von Radsportler Jürgen Simon von den Olympischen Spielen 1960 bewundern. Seine FDJ-Hemden im Souvenir-Shop und die alten Militärmützen seien auch fast ausverkauft, führt Schwolow an. Die Touristen kauften das wie verrückt.

Nadine Schimroszik, ddp

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