Eisbahn in Nairobi Kenia entdeckt die Kufen

Draußen ist es fast 30 Grad heiß, drinnen schlittern Kenianer übers Eis: Die erste Kunsteisbahn des Landes ist ein voller Erfolg. Die Afrikaner planen bereits eine Eislauf-Föderation und träumen von Olympischen Winterspielen.


Nairobi - Ängstlich klammert sich die junge Frau an den Arm von Vincent Ogura, ihrem neuen Schlittschuhtrainer. Andere Neulinge auf dem Eis tasten sich vorsichtig an der Bande entlang und setzen umständlich einen Fuß vor den anderen. Der Anblick an sich wäre nichts Neues, wenn nicht der Ort so ungewöhnlich wäre, an dem sich die Novizen auf den spiegelglatten Untergrund wagen: Die Kunsteisbahn liegt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi - in afrikanischer Hitze.

Eisbahn des Penari-Hotels: Teurer Traum
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Eisbahn des Penari-Hotels: Teurer Traum

Wer sich die neun Euro Eintritt leisten kann, ist begeistert. So mancher Kenianer träumt schon von den Olympischen Winterspielen. Doch in einem Land, in dem 60 Prozent der Menschen weniger als einen Dollar am Tag haben, muss sich die Bahn erst noch rentabilisieren.

"Bisher kannten wir solche Dinge nur aus dem Fernsehen und den Zeitungen; für uns war das etwas Übernatürliches", beschreibt Aden Scheich die Faszination, die von der vor zwei Wochen eröffneten Bahn "Solar Ice Rink" ausgeht. "Jetzt liegt es plötzlich vor unserer Haustür", fügt der 36-Jährige hinzu, der als Leibwächter im Panari Hotel arbeitet, zu dem die Eisbahn gehört.

Die Bahn sei ein teures Abenteuer, gesteht Hotelmanager Siggi Loeper. Aber bislang sei das Echo überwältigend gewesen. Allein die Baukosten der rund 1400 Quadratmeter großen Halle betrugen umgerechnet fast 600.000 Euro. Für Wartung und Personalkosten rechnet das Management mit fast 10.000 Euro im Monat. Einen Großteil der Ausgaben verschlingt die Kühlanlage, mit der das Eis konstant bei minus 25 Grad Celsius gehalten werden muss. Die Temperatur der Halle, in der etwa 200 Schlittschuhläufer gleichzeitig ihre Runden drehen können, soll bei zwölf Grad liegen.

In zeh Jahren bei den Olympischen Winterspielen dabei

Die gewaltige Investition schlägt sich im Eintrittspreis nieder, der für die Verhältnisse in dem ostafrikanischen Land gesalzen ist. 800 kenianische Schilling (neun Euro) müssen Erwachsene zahlen, 500 Schilling Kinder. "Das ist im Moment das Einzige, was falsch läuft - es ist sehr teuer", sagt Olivia Otieno. Die junge Frau, die als Diskjockey arbeitet, ist in Kanada aufgewachsen und hat dort das Schlittschuhlaufen gelernt.

Mit der neuen Eisbahn, der dritten ihrer Art auf dem Kontinent neben Kairo und Johannesburg, könne Kenia bald mit Jamaika und dessen berühmten Bobschlitten-Teams konkurrieren, schwärmt sie. Das "Solar Ice Rink" sei eine "phantastische Idee": "In zehn Jahren könnten hier aufgewachsene Kenianer bei den Olympischen Winterspielen teilnehmen, das ist etwas, von dem wir bisher nicht einmal geträumt haben."

Von hochfliegenden Träumen weiß auch Loeper. Er sei bereits von kenianischen Schulen kontaktiert worden, die Eishockey-Teams bilden wollten. Derzeit berate er mit den Verantwortlichen der Eisbahnen in Kairo und Johannesburg über die mögliche Gründung einer afrikanischen Eislauf-Föderation, sagt der Hotelmanager.

Noch scheinen die stolpernden und stürzenden Läufer im "Solar Ice Rink" weit entfernt davon, sich mit Profisportlern messen zu können. Doch die drei Trainer sind optimistisch. "Die Leute lernen sehr schnell", sagt Ogura. Die größte Begeisterung ruft das kalte Treiben bei den Kindern hervor: "Das war toll", sagt die elfjährige Satnam atemlos und glücklich nach unzähligen Runden und ebenso vielen Stürzen. "Aber das nächste Mal ziehe ich Handschuhe an."

Von Karen Calabria, AFP



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