Gedenktour durch London Kebab im Café Diana

Zehn Jahre nach ihrem Tod verblasst die Erinnerung an Lady Di. Doch einige wahre Fans in London halten ihr Andenken hoch - wie die unermüdlichen Bustouristen in Schloss Althorp oder der treue irakische Inhaber des "Café Diana".

Von Sebastian Borger, London


Es begann mit einem einzigen gerahmten Bild der prominenten Besucherin. Als ein halbes Dutzend zusammengekommen war, runzelte Prinzessin Diana die Stirn und sagte zum Inhaber des "Café Diana" an Londons Bayswater Road: "Abdul, das reicht jetzt aber." Abdul Daoud erwiderte: "Nein, Königliche Hoheit, ich will alle Wände mit Bildern tapezieren!" Gesagt, getan: Rund 15 Jahre später, zehn Jahre nach dem Tod seines Idols sitzt Daoud, 51, in seinem Café und freut sich über seine Hartnäckigkeit.

Mag der Fußboden auch reparaturbedürftig sein, mag die Glastheke abgewetzt aussehen - die Dutzenden Fotos der strahlenden jungen Frau verleihen dem kleinen Geschäft besonderes Flair und bringen internationale Kundschaft. Der gebürtige Iraker verköstigt nicht nur hungrige Bauarbeiter sowie Angestellte aus den Büros rund um Notting Hill Gate mit "bacon & eggs" oder "köstlichen irakischen Kebabs", von denen sein Werbezettel schwärmt. Bei Daoud, gegenüber dem Gartentor zum Kensington-Palast, schauen auch viele Diana-Fans vorbei, "vor allem aus Amerika und Deutschland".

Oder aus Daouds arabischer Heimat. Familie Omar ist aus Dubai nach London gekommen, "der Hauptgrund dafür war Diana", beteuert Mutter Haniy. Ihr Mann Ali und die beiden Söhne Khatab und Ali junior scheinen davon nicht restlos überzeugt; immerhin zeigen sie gern ihre Fotos mit dem Ebenbild der toten Prinzessin bei Madame Tussaud's. "Sie hatte so wunderbare Augen, ein herrliches Gesicht", seufzt Haniy Omar. "Sie ist sehr populär bei uns daheim, viel beliebter als unsere eigenen Royals." Populär bleibt die "Prinzessin des Volkes" (Ex-Premier Tony Blair) auch in Großbritannien, aber die Erinnerung verblasst.

Wo ist Diana bestattet?

Alle großen Fernsehsender haben zu Dianas 10. Todestag am 31. August Dokumentationen ins Programm genommen. Der Gedenkgottesdienst in der Garnisonskirche der Londoner Wellington-Kaserne an jenem Tag wird live im TV übertragen. Organisiert haben ihn die Prinzen William und Harry, ebenso wie das Popkonzert, das zu Ehren ihrer Mutter am Geburtstag, den 1. Juli, im neugebauten Wembley-Stadion stieg. Die Stimmung dort war freundlich und ein wenig sentimental - weit entfernt von der erregten, beinahe hysterischen Trauer jener heißen September-Tage 1997. Heute klingen selbst jene Kolumnisten lau, welche die geplante Teilnahme von Prinz Charles' langjähriger Geliebter und zweiter Frau Camilla am Gedenkgottesdienst geschmacklos finden.

Immerhin geben sie damit Volkes Stimme wieder. Susan Baker zum Beispiel lehnt die Herzogin von Cornwall ab: "Für mich gehört Camilla nicht zum Königshaus, punktum." Aber eigentlich will sich die 61-jährige Sekretärin aus dem Londoner Vorort Buckhurst Hill auf Positives konzentrieren - auf die Erinnerung an Diana und auf deren letzte Ruhestätte. Schon zum zweiten Mal ist Baker nach Althorp gekommen, dem Familiensitz der Familie Spencer, wo Diana auf einer Insel im Schlossteich begraben wurde. Oder etwa nicht? Baker und ihre Freundin Jeannie Townsend, 67, schütteln verschwörerisch die Köpfe. "Die meisten Leute glauben, dass sie längst in die Familiengruft überführt wurde", berichtet Townsend. In der Dorfkirche von Great Brington sind die Diana-Fans deshalb auch schon gewesen.

Im alten Althorper Stallgebäude mit der honigfarbenen Fassade aus Eisenstein hat der Schlossherr, Dianas jüngerer Bruder Charles, ein geschmackvolles Museum für seine Schwester eingerichtet. Im eigentlichen Schloss hängen über der gewaltigen Haupttreppe vom Empfangssaal ins Obergeschoss zwei gleich große Gemälde von Diana und ihrem Bruder. Charles Spencer sieht ein bisschen missmutig drein und hält in der linken Hand ein Stück Papier - die Traueransprache für seine Schwester, die ihn berühmt gemacht hat. Im Souvenirshop kann man sie als reichhaltig verziertes, in Seide gebundenes Buch für 29,60 Euro erwerben.

Ketchup-Flasche als Souvenir

Im ersten Sommer nach Dianas Tod kamen 150.000 Besucher nach Althorp, 2004 waren es die Hälfte, jedenfalls nach Angaben der britischen Tageszeitung "Guardian". Die Schlossverwaltung will keine Zahlen nennen. Nur noch zweimal pro Woche bringt eine Bustour Diana-Jünger direkt aus London, zum Pauschalpreis von umgerechnet 81 Euro. Wer mit der Bahn nach Northampton reist, wird vom Nahverkehrsbus am geschlossenen Parktor abgesetzt, anderthalb Kilometer vom Schloss entfernt. "Einzelreisende kommen eigentlich immer mit dem Auto", heißt es missbilligend an der Rezeption.

Das stimmt, schließlich sind die Diana-Fans überwiegend Frauen in reiferem Alter oder deren Begleitpersonal - Männer wie Maurice Webster. Der beleibte Londoner spricht von einer "Tragödie" und lässt offen, ob er damit Dianas Tod meint oder die Tatsache, dass er an einem trüben August-Tag durch den verregneten Schlosspark stapfen muss.

15 Pfund (22,20 Euro) muss bezahlen, wer Schloss Althorp besuchen will. Zwölf Pfund (17,80 Euro) kostet der Eintritt in Dianas letzten Wohnort, den Kensington-Palast am Hyde-Park. Dort erinnert neuerdings eine audiovisuelle Ausstellung an die "Prinzessin, Mutter, Mode-Ikone, Menschenfreundin". Andernorts im Park ist die Erinnerung kostenlos. In Kensington Gardens turnen kleine Londoner auf einem liebe- und geschmackvoll gestalteten Spielplatz, der nach der kinderfreundlichen Prinzessin benannt ist.

Wer sich anschließend im Café Diana stärkt, bekommt zum Essen von Besitzer Abdul Daoud gern kleine Geschichten über seine prominenteste Kundin serviert - zum Beispiel von jenem Arbeiter, der sich von der inkognito am Nachbartisch sitzenden Prinzessin die Ketchup-Flasche reichen ließ. Als Diana verschwunden war und der Ketchup-Freund von ihrer Identität erfuhr, "fiel ihm die Kinnlade runter. Und dann wollte er die Flasche als Souvenir behalten", erinnert sich Daoud. Er freut sich an der Heiterkeit seiner Zuhörer. "Dass Leute hier herkommen und lächeln, wenn sie die Bilder sehen - das bedeutet für mich, dass Prinzessin Diana weiterlebt."



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