Entwürfe fürs Guggenheim Helsinki Schmuckkästchen am Wasser

Sechs Finalisten ergab der Architekten-Wettbewerb um ein Guggenheim-Museum in Helsinki. Nun werden sie der Öffentlichkeit präsentiert - obwohl lokale Künstler wenig von dem Prestigeprojekt halten.

Guggenheim Helsinki Design Compe

Ein Prachtbau für Helsinki: Sechs konkurrierende Entwürfe von Architekten für ein geplantes Guggenheim-Museum sind ab Samstag in der finnischen Hauptstadt zu sehen. Die Schau "Guggenheim Helsinki Now" zeigt die 3D-Modelle und Zeichnungen der Finalisten des Architekturwettstreits bis zum 16. Mai. Mehr als 1700 Büros hatten sich nach Angaben der amerikanischen Guggenheim-Stiftung beworben.

Unter den Finalisten ist neben der Firma des britischen Architekten Asif Khan auch das Stuttgarter Büro Haas Cook Zemmrich Studio2050. Der Sieger, der am 23. Juni feststehen soll, erhält 100.000 Euro.

Ob ein Ableger des berühmten New Yorker Mutterhauses in Helsinki wirklich entsteht, ist allerdings noch unklar. Im ersten Anlauf wurde das teure Prestigeprojekt 2012 von einer politischen Mehrheit abgelehnt. Gegen ein finnisches Guggenheim rebelliert vor allem die lokale Kunstszene, die einen Gegenwettbewerb gestartet hat.

"Ich hoffe, dass die Ausstellung einen lebhaften Diskurs über das vorgeschlagene Museum und darüber, wie Guggenheim Helsinki unserer Stadt und Finnland am besten dienen könnte, kreieren wird", erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin und Kulturbeauftragte, Ritva Viljanen.

sto/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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SIBBESIBBE 25.04.2015
1. Guggenheim
wird kommen. Der grösste Teil der finnischen vor allen Dingen von Helsingfors Bevölkerung ist gegen diesen "Angeberprojekt." Aber es würde mich überraschen wenn das Projekt scheitern würde. Im Gengensatz zum Artikel oben sind nämlich die "maßgeblichen" Kunstbanausen für dieses Projekt. 130 Millionen € wird als Baupreis angegeben das doppelte wird wohl kaum reichen. Die Stadt Helsinki ist seit einem Jahr dabei ihre Bilanzen zu schönen. Zehntausende Angestellte wurden in neugegründete Firmen überführt, deren Dienste man in Anspruch nimmt - deutlich weniger als vorher, was bzw dazu führte dass die Schulen und die Krankenhäuser heute nur einmal pro Woche putzt. Und die überflüssige Arbeitskraft wird dann ins Arbeitsamt geschickt. Die jährliche Einsparung: etwa 40 Millionen €. Die Betriebseinnahmen von Guggenheim Museum, das von der Stadt Helsinki betrieben wird, sind mit 45 Millionen berechnet. Die Kosten sollten damit gedeckt sein, sagen die "Experten."Das ist fast zweimal soviel wie sämtliche Museen in Fennoskandien voriges Jahr einnahmen. Aber wen juckst: Hauptsache Finnland hat etwas was die übrigen fennoskandischen Staaten nicht haben. Auch wenn Dänemark, Norwegen und Schweden zuerst gefragt wurden, und es als zu teuer abgelehnt haben...
L!nk 25.04.2015
2. Oje ...
Das erinnert mich an die vielen Bauten in Hamburg, die auf Fotos ganz cool 'rüberkommen, einem aber die Seele gefrieren lässt, wen man als kleiner Punkt davor steht. Hoffentlich hat der in Aussicht gestellte Gegenwettbewerb mehr mehr Menschlichkeit zu bieten. Was hat Guggenheim eigentlich mit Europa zu tun?
superswissmiss 25.04.2015
3. Ein zweites Hamburg
Na dann hoffen wir mal, dass es nicht so läuft wie beim Bau des neuen Opernhauses in Hamburg...
BrunoGlas 25.04.2015
4. Der bürgerliche Bildungsahnwitz in Gestalt seines Museums.
Ich nehme an, dass die finnische Kunstszene die Sache für sich schon lange hinterfragt hat. Im Grunde würden hier nur die Kunstwerke aus dem Depot der Foundation Guggenheim in NY ausgestellt, ohne dass irgendeine Identität zum Mutterland der Zweigstelle hergestellt würde. Wer einmal schon in einem der großen Weltmuseen gewesen ist, wie zum Beispiel Tate Moderne in London, merkt sehr schnell, dass ein sehr bourgeoiser Bildungsbegriff zusammen mit einem ökonomischen Kunstbegriff zur Deckung gebracht wird. Das reiche Bürgertum "parkt" dort die angehäuften Werte, die, wenn man es weiterdenkt, zu einem gewissen Prozentsatz oft aus Schwarzgeldern stammen. Dies ist aber überhaupt nicht der Kritikpunkt. Der eigentliche Punkt ist der statische museale Bildungsbegriff, der sich im Zuge dieser Kumulation an Werten im Museum schon seit Generationen manifestiert hat. Der wirkliche Begriff von Kultur orientiert sich aber an Hochkultur. Darunter versteht man nämlich nichts anderes als die Summe aller technologischen, künstlerischen, ökonomischen und sonstigen gesellschaftlichen Errungenschaften, die als kulturelle Gesamtheit gelten. Das klassische Museum - ähnlich Oper - reduziert den Begriff Hochkultur aber immer auf eine Werte manifestierende Kultur, manifestiert also den neokonservativen Bildungsansatz - nach dem Motto, wer zahlt bestimmt auch die Musik. Als Beispiel nur, die Stadt Köln ist in dem Punkt schon lange gebranntes Kind und verweigert mittlerweile solche Schenkungen, dieweil derartige Kunst eben nicht zur Weiterentwicklung von Hochkultur beiträgt und unnützer Kostenfresser ist. Ergo, sollte man den Kunstbegriff ändern, in Richtung Beitrag zur Hochkultur, und unter Innovationsaspekten. Das Museum selbst sollte eher zur Plattform für Hochkultur werden, im Sinne eines Kultur-Marktplatzes.
Celestine 25.04.2015
5.
@ sibbesibbe Dank für Ihren Post mit den Infos aus Helsinki. Tja, Kostenersparnis dort, wo es den kleinen Leuten weh tut, Klotzen und nicht Kleckern dort, wo es um das Ansehen und Prestige geht. Läuft hier in Deutschland nach ähnlichem Muster. Ich las in The Guardian, dass der Architektenwettbewerb der weltweit größte jemals stattgefundene gewesen sein soll. Also schwebt da doch eine erhebliche Portion Größenwahn mit, was ich aus meiner Heimat sonst nicht kenne. Sonst war ich auch ziemlich überrascht, dass Finnland angesichts der Rezession ein derartiges Luxus-Prestige-Projekt vorantreibt, wobei sogar die Lizenzgebühr von Guggenheim allein $ 30 Mio. beträgt. So gab es auch großen politischen Widerstand gegen das Projekt, wobei ich in den finnischen Medien las, dass das wohl vor kurzem nur an dem Wahlkampf lag. ;-) Obiges Bild (Foto 5) erinnert mich vom Stil her an die Elbphilharmonie und passt nicht zu Helsinki. Die traditionelle finnische Architektur, die ja in ihrer Blütezeit weltbekannt war, ist nicht spektakulär, sondern luftig, einfach, aber dennoch elegant, und ich wünsche mir, dass ein sich daran anlehnender Entwurf gewinnt, wenn es denn unbedingt sein muss, dass dieses amerikanische Museum zu einem Wahrzeichen von Helsinki werden sollte.
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