Hallo, Taxi! (Venedig) Gehen Sie doch zu Fuß!

Venezianer fahren kein Taxi. So zumindest sieht es Alessandro, einer der schnittigen, sonnenbebrillten Wassertaxi-Driver, den unsere Autorin auf ihrer Odyssee durch die Lagunenstadt ergattern konnte. Für den "Mindesttarif" von 50.000 Lire, rund 50 Mark.
Von Britta Scholtys

Bereits bei der Hotelreservierung hatte Lorenzo mich davor gewarnt, ein Motoscafo, wie die Wassertaxis in Venedig heißen, vom Flughafen zu nehmen. "Das kostet Sie über 100.000 Lire bis hierher", meinte er am Telefon und riet mir zum Bus für 5000 (fünf Mark). Venedig per Taxi ist sündhaft teuer. Darin stimmen auch die gängigen Reiseführer überein.

Nun habe ich aber Alessandro gefunden. Mit seiner "Lady Promessa", so der Name seines Bootes, hat er an einem Seitenkanal des Canal Grande auf mein Winken und Rufen reagiert. Elegant lenkt er sein weißes Boot zu mir und fragt mich auf italienisch mit der typischen Handbewegung: "Ma che vuoi?" ("Was willst du denn?") Dass er überhaupt anhält, erstaunt mich. Denn bis dahin habe ich zahlreiche Flops wegstecken müssen.

"Vada a piedi" ("Gehen Sie doch zu Fuß"), hatte mir kurz zuvor ein Motoscafi-Kapitän von seinem leeren Boot im Vorbeifahren zugerufen. Der nächste gab sich immerhin ein bisschen freundlicher. Er arbeite erst ab der nächsten Brücke, entschuldigte er sich und steuerte seine "Aloise" gen Canal Grande. Die meisten Wassertaxis sind hier, abseits vom Canal Grande im Stadtviertel Dorsoduro, ohnehin besetzt. Mit eng umschlungenen Pärchen oder japanischen oder amerikanischen Familien, das männliche Familienoberhaupt meist mit der laufenden Kamera in der Hand: Venedig vom Wasser aus.

Alessandro aber hält an. "Du musst das Taxi vom Stand nehmen, sonst funktioniert das nicht", erklärt er. Ich aber bin weit weg vom Bahnhof, dem Piazzale Roma, der Rialto-Brücke oder San Marco, wo die Motoscafi-Fahrer auf Kunden warten. "Dann musst du's telefonisch rufen lassen", sagt er und steckt mir gleich seine Karte zu. Fürs nächste Mal.

Nun sitze ich also vorne, neben ihm und will es dann doch noch mal wissen, das mit den Festpreisen und Mindesttarifen. Es soll Taxometer geben, habe ich gelesen (auf dem Boot ist aber keins zu sehen), und der Grundpreis liege bei 27.000 Lire. "Aber doch nicht hier im Centro Storico!" sagt Alessandro mich auf. Nicht hier, wo die Kunden sowieso nur Touristen sind. Hier läuft unter 80.000 Lire normalerweise gar nichts. Mit ihm hätte ich, als Touristin, also wirklich Glück gehabt! "Da gibt es nämlich ganz andere", weiß er zu berichten.

Zum Beispiel sei erst kürzlich die Geschichte über einen versuchten Nepp mit japanischen Touristen unter den Taxi-Chauffeuren kursiert. "Stell dir vor, da hat Ihnen einer 500 Dollar für die Fahrt von San Marco zur Rialto-Brücke abknöpfen wollen". Dass das völlig überteuert war, hat auch das japanische Pärchen gemerkt. "Das war eben so ein Gauner, der es versucht hat", erklärt Alessandro. Deshalb sei es sowieso besser, vom Taxistand ein Boot zu nehmen.

Und wie bewegen sich die Venezianer durch ihre Serenissima, wie sie ihre Lagunenstadt stolz nennen? Na, zu Fuß oder mit dem Vaporetto, meint Alessandro. Die Linienschiffe verkehren rund um die Uhr auf dem Canal Grande und dem Canale della Giudecca. Und auch das "traghetto", eine Gondel, kann man als öffentliches Fährboot von einem Ufer zum anderen benutzen.

Außerdem nehmen die "echten" Venezianer, die noch im historischen Zentrum leben, ohnehin stetig ab. Derzeit sollen es knapp 70.000 sein, in den sechziger Jahren waren es noch doppelt so viele.

Auch Alessando pendelt täglich vom Festland ins Zentrum. Auf dem Canal Grande und den mehr als 150 innerstädtischen Kanälen schippert er Touristen durch die sechs Sestieri, die Stadtviertel der Lagunenstadt. Das Geschäft läuft gut, versichert er. Trotz der horrenden Preise. Denn immerhin kommen jährlich rund zehn Millionen Besucher in die Stadt.

Für meinen herunter gehandelten 50.000-Lire-Tarif darf ich keine Fahrt auf dem Canal Grande erwarten. Alessandro will mich nur durch die kleinen Nebenkanälchen des Stadtviertels Dorsoduro hin zum Canale della Giudecca bringen. Aber das ist sowieso viel romantischer. Die Kanäle hier sind lange nicht so befahren wie der große, wo ein reger Verkehr aus Wassertaxis, Vaporetti und Gondeln herrscht.

So gleiten wir also durch die Wasserstraßen, die hier Rio heißen. Eine Attraktion sehe ich aber auch auf dieser kurzen Taxifahrt: die Holzschuppen der ältesten Gondelwerft Venedigs. Nur noch vier "squeraroli", wie die Meister des Gondelbaus heißen, soll es in der Lagunenstadt geben, weiß Alessandro.

Und dann, an der Vaporetto-Station Zattere, gegenüber von der Insel Giudecca, ist auch schon wieder Schluss. Hier soll ich aussteigen, sagt Alessandro. Denn er macht jetzt erst mal Mittagspause. Schön war's allemal....und die Fahrt auf dem Canal Grande, von der Piazza San Marco unter der Rialto-Brücke durch bis hin zur Piazzale Roma, wo das Festland beginnt, mache ich mit dem Vaporetto, für 6000 Lire.

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