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02. Mai 2006, 17:01 Uhr

Hotel Adlon

Schusssichere Luxussuite mit Panic Room

Das Berliner Fünf-Sterne-Hotel Adlon protzt mit der "sichersten Hotelsuite Deutschlands": Für 20.000 Euro pro Nacht können sich die Gäste der Präsidentensuite hinter schusssichere Türen und Fenster zurückziehen. Ein eigener "Panic Room" soll letzte Zuflucht bieten.

Berlin - Prominenten und Staatsgästen in der deutschen Hauptstadt will das Hotel Adlon am Pariser Platz ein sicheres Zuhause bieten. Die neue Hochsicherheitssuite wird höchsten Maßstäben des Bundeskriminalamts gerecht und verfügt über gepanzerte und schusssichere Türen, Fenster und Wände sowie eine eigene Belüftung, Stromversorgung, Fernmeldeanlage und einen Aufzug, der direkt in die Tiefgarage führt. Insgesamt kann der Trakt von 240 auf 420 Quadratmeter erweitert werden, so dass die Gäste dort mit einer größeren Zahl an Begleitern ungestört logieren können.

Die Zimmerflucht schrieb schon vor der heutigen Eröffnung Hotelgeschichte: Bei einer ersten Führung ließ Direktor Thomas Klippstein versehentlich zwei Besucher zurück. Der Concierge musste später zur Rettung eilen und die Nachzügler befreien, berichtete die "Welt am Sonntag". Ihren unfreiwilligen Aufenthalt könnten die beiden sogar genossen haben, denn mit asiatischen Antiquitäten, Ölgemälden aus dem 17. Jahrhundert, seidenbespannten Wände und persische Teppichen gibt sich die Suite höchst edel. Zum Preis von 20.000 Euro pro Nacht sind Sauna, Fitnessraum, Küche, Esszimmer und Kamin inklusive, ebenso ein Butler namens "Ricardo" und eine Limousine.

Geheimtüren und Panic Room

Die vier Millionen Euro teure Suite wurde nach zehn Monaten Umbau kurz vor der Fußball-WM fertig. Als mögliche Promi-Gäste des Fußball-Sommers sind neben Pop- und Rockstars je nach Turnierverlauf auch Queen Elizabeth II., US-Präsident George W. Bush oder auch Fifa-Boss Joseph Blatter im Gespräch. Sie blicken aus dem Trakt im vierten Stock nicht auf das Brandenburger Tor schräg gegenüber vom Haupteingang, sondern hinten hinaus auf Holocaust-Mahnmal und Potsdamer Platz.

Im Arbeitszimmer sollten die betuchten Gäste möglichst die Finger von den alten, in Leder gebundenen Notensammlungen lassen. Es handelt sich um täuschend echte Attrappen; dahinter verbirgt sich in bester Edgar-Wallace-Manier eine Geheimtür zu einem begehbaren Safe. Noch viel geheimer als die Geheimtür ist in der laut Hotelwerbung "sichersten Hotelsuite Deutschlands" die eigene Sicherheitszentrale mit Videoüberwachung und ein besonders gesicherter, sogenannter Panic-Room: Beide wurden beim Presserundgang erst gar nicht gezeigt.

Inbegriffen sind auch eine extra "First-Lady-Suite" und Zimmer für Leibwächter. Die neue Suite ist nach den Worten von Hoteldirektor Thomas Klippstein das "Prunkstück" des Luxushotels. Die Zielgruppe umschreibt er so: "Wer zuhause auf 300 Quadratmetern wohnt, möchte sich auf Reisen nicht mit 50 Quadratmetern begnügen." Diese Klientel wächst augenscheinlich: Insgesamt lässt das Adlon derzeit 43 "normale" Zimmer für 12,5 Millionen Euro in 19 Suiten umbauen.

Rote Seidentapeten und geblümte Bettvorhänge

Für das Interieur der Präsidentensuite zeichnete die Designerin Anne Maria Jagdfeld verantwortlich. Die Einrichtung paare klassische europäische Eleganz mit modernen und asiatischen Einflüssen, berichtete sie. Ein Beispiel ist das von Hand bemalte asiatische Lackpanel aus dem 18. Jahrhundert im Eingangsbereich: Die "ochsenblutfarbene" Holzvertäfelung soll "die Leidenschaft der preußischen Könige für Chinoiserien" spiegeln. Passend dazu fertigte die Porzellan-Manufaktur KPM eine Vase an, die die Landschafts- und Blumenmotive der Vertäfelung aufnimmt.

Im anschließenden Salon zieren schwere rote Seidentapeten die Wände. Vor einem japanischen Lackparavent aus dem 18. Jahrhundert stehen schwere Sessel mit bodenlangen Fransen und vergoldete Barockstühle. Sollte sich die Queen tatsächlich im Adlon einquartieren, bettet sie sich im rund 40 Quadratmeter großen Schlafzimmer auf ein knapp ein Meter hohes Bett, das man rundherum mit geblümten Vorhängen zuziehen kann. Das Badezimmer mit Jacuzzi, finnischer Sauna und Massagebereich ist in weißem, roten und grauen Marmor gehalten; die edlen Mosaike wurden eigens von italienischen Fachleuten gefertigt.

abl/ Torsten Holtz, gms

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