Hotel Chelsea in Manhattan Künstlerhotel sucht Käufer

Janis Joplin war hier, Marilyn Monroe und Andy Warhol: Das Chelsea Hotel ist seit den Sechzigern die Adresse für reisende Künstler in New York. Nun steht die beliebte Herberge mit ihren einzigartigen Traditionen zum Verkauf.


Eine New Yorker Ikone soll verkauft werden: Das vor rund 130 Jahren erbaute Chelsea Hotel, das unzählige namhafte Musiker, Maler und Schriftsteller beherbergte, sucht einen neuen Besitzer. Die Eignerfamilien, die seit mehr als 65 Jahren das Haus betrieben haben, geben nach vielen Streitereien auf: "Es ist Zeit, dass ein neuer Besitzer, vielleicht mit einigen neuen innovativen Ideen und Möglichkeiten, das Chelsea neu belebt", sagte Paul Brounstein, einer der Anteilseigner.

Das zwölfstöckige Gebäude in der West 23rd Street im Stadtteil Chelsea verfügt über 125 Hotelzimmer und 101 Apartments, in denen manche Mieter seit Jahrzehnten wohnen - und die sie teils mit ihren Kunstwerken bezahlen. 1883 als höchstes Haus New Yorks gebaut, wurde es 1905 in ein Hotel umgewandelt. Von der 740 Quadratmeter großen Dachterrasse können die Gäste über die East- und Hudson-Flüsse schauen.

Noch findet sich im Hotel Chelsea viel von der Queen-Anne-Architektur seiner Bauzeit, zum Beispiel das große Treppenhaus und die Balkons mit Eisengeländer. Doch die bejahrte Lobby, die Verkaufsflächen im Erdgeschoss und die Flure benötigen eine Renovierung, die einige Millionen Dollar kosten würde, sagen Experten.

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Hotel Chelsea in Manhattan: New Yorker Ikone zu verkaufen
"Ein Ort wahrer Toleranz"

Auch Musiker wie Leonard Cohen, Jimi Hendrix, Jim Morrison mieteten sich im Chelsea ein. Der walisische Schriftsteller Dylan Thomas starb 1953 in einem der Zimmer an einer Alkoholvergiftung, und der Sex-Pistols-Bassist Sid Vicious wird verdächtigt, seine Freundin 1978 hier erstochen zu haben.

Das Hotel war aber auch Inspirationsquelle für viele Künstler: Wie für Arthur C. Clarke, der in diesen Räumen "2001: Odyssee im Weltraum" schrieb, oder für Leonard Cohen, der den Song "Chelsea Hotel No. 1" komponierte, und für Andy Warhol, der hier "Chelsea Girls" drehte.

Was auch vielen weniger namhaften Künstlern entgegenkam: Das Management war bekannt für seine liberale Haltung gegenüber Mietern in Geldschwierigkeiten. "Wir setzen uns auch mit den Leuten zusammen und versuchen, mit ihnen eine Zahlungsmodalität zu finden", sagte Brounstein dem "Wall Street Journal". Doch 2007 stieß diese Art der Geschäftsführung bei manchem Eigner auf Widerstand. Das Unternehmen BD Hotels wurde engagiert, manche Mieter mussten mit hohen Schulden das Hotel verlassen - bis die Firma nur ein Jahr später wieder aus der Führung entlassen wurde.

"Was diesen Ort für mich einzigartig macht, ist, dass es ein Ort wahrer Toleranz ist", sagte der Schriftsteller David Linter, der seit 17 Jahren Mieter im Chelsea ist. "Wenn du ruhig sein wolltest, konntest du ruhig sein. Und wenn du herumtanzen wolltest, kümmert sich keiner darum. Alle waren wirklich cool, egal wer du warst, was du sein wolltest - und das hat für mich die Welt bedeutet."

abl

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