Istanbul Tourismuskrise zwingt Hunderte Basarhändler zum Einpacken

Ein Städtetrip nach Istanbul ist derzeit nicht gerade en vogue. Unter dem Touristenschwund leiden auch die Händler des Großen Basars, einer der Top-Attraktionen der Metropole. Jeder Sechste gab bereits auf.

Warten auf Kunden: Die Händler des Großen Basars von Istanbul verzweifeln
REUTERS

Warten auf Kunden: Die Händler des Großen Basars von Istanbul verzweifeln


Glaslämpchen, Teeblatt-Berge, bunte Tücher und Teppiche stehen für die Jahrhunderte alte Handelstradition am Bosporus. Die redseligen Händler verkörpern die Gastfreundschaft und Geschäftstüchtigkeit der Türken. Und die vielen Menschen, die früher in Massen durch das älteste noch genutzte Einkaufszentrum der Welt schlenderten, zeugten jahrelang von einem Touristenboom.

Istanbuls Großer Basar ist reich an Symbolik. Und so schockte es umso mehr, als die türkische Tageszeitung "Hürriyet" vergangene Woche meldete, inzwischen hätten 600 der rund 3600 Ladenbesitzer des gigantischen Marktes ihre Verkaufsflächen dicht gemacht - weil die Kunden fehlten.

Diese Zahl könne bis Ende Oktober noch auf 1000 ansteigen, sagte Hasan Firat vom Verein der Händler und Gewerbetreibenden des Basars. Bis Jahresende könnte es noch deutlich mehr treffen. "Es haben vor allem Souvenirläden, Taschen- und Lederverkäufer sowie Juweliere dicht gemacht", sagt Firat.

Die Türkei hat wegen der unsicheren politischen Lage derzeit mit dem größten Besucherrückgang seit Jahrzehnten zu kämpfen. Im August seien mit 3,2 Millionen Besuchern etwa 38 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum gekommen, erklärte das zuständige Ministerium am Donnerstag. Dies sei der vierte Monat in Folge mit einem Rückgang von mehr als 30 Prozent.

Zentralbankchef Murat Cetinkaya hatte am Mittwoch den Einbruch bei den Touristenzahlen für eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums verantwortlich gemacht. Er geht jedoch davon aus, dass sie nur vorübergehend sein werde. Die Türkei wurde in den vergangenen Monaten von einem gescheiterten Putsch, mehreren Anschlägen und den Auswirkungen des Syrien-Krieges erschüttert.

Nun ist die tiefe Tourismuskrise auf dem Großen Basar angekommen, einer der größten Attraktionen von Istanbul. Der Rückgang der Besucherzahlen beträgt laut Firat 30 Prozent seit Jahresbeginn, wie das Schweizer Online-Magazin "Travelnews" unter Berufung auf "Hürriyet" schreibt. Problematisch sei vor allem der Wegfall der wohl kaufkräftigsten Kundschaft: der Kreuzfahrtpassagiere. Seit Monaten machen große Reedereien wie AIDA und TUI Cruises einen Bogen um Istanbul.

"Für die Tausenden von Passagieren, die mit Kreuzfahrtschiffen nach Istanbul kommen, ist der Basar ein wichtiges Ausflugsziel", sagt Firat dem Bericht nach. "Doch die Zahl der Kreuzfahrschiffe, die Istanbul ansteuern, ist dieses Jahr deutlich zurückgegangen. Daneben wurden auch etliche grosse Kongresse abgesagt. All das macht den Händlern stark zu schaffen." In der Folge können sie ihre Mieten nicht mehr zahlen - und fühlen sich zum Einpacken gezwungen.

Istanbuls Großer Basar: Sehen Sie hier Fotos aus besseren Zeiten

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16  Bilder
Großer Basar: Istanbuls Wusel-Shoppingparadies

jus/Reuters

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Seite 1
dianaberlin 13.10.2016
1. traurig
aber von 50% der Bevölkerung selbst verschuldet. war auch bei uns für diesen Sommer geplant, das schöne istanbul, ich fahre aber erst wieder, wenn die faschistisch/diktatorische Regierung weg ist. Womöglich lernen die türken aus ihrer hausgemachten krise und wählen nächstes Mal - wenn sie denn überhaupt nochmal wählen dürfen oder wollen - vernünftiger.
bartsuisse 13.10.2016
2. Wenn Erdogan weg ist
fahr ich sehr gerne wieder nach Istanbul
tempus fugit 13.10.2016
3. Tja, 1996...
...und dann nochmal 2007 - habe ich mir Istanbul 'erlaufen' - jeweils über paar Tage. Seither ist Istanbul einer der schönsten Städten mit mit den nettesten Menschen, die ich treffen konnte. Die ersten Eindrücke für einen Mitteleuropäer - besonders noch 2009... - waren im populären Basar unten an der Brücke am Golden Horn im ersten Moment etwas ängstlich, dieses Gedränge, diese Gerüche, dieser Lärm - aber echt empathisch. Hatte auch einiges an Geld am Körper, aber als ich sah, wie die die 10.000 bis 1.000.000 Lirescheine aus der Jackentasche holten - da begann der Genuss. Der Grosse Basar war ebenfalls beeindruckend, aber schon ziemlich 'geordnet' - und fein, wie mir dann eine Shisha zubereitet wurde - zum Tee. Ich hatte damals das Rauchen schon aufgegeben und fürchtete, durch die Wasserpfeife einen Rückfall zu erleiden. Nichts, reiner Genuss, der Rauch ging - hat mich auch positiv überrascht - durch die Lungen, ein Genuss an Ambiente, Atmosphäre! Und noch eins: unten an der Brücke rüber zum anderen Teil des Golden Horn steht eine sehr sehr schöne Moschee, wo man sich wirklich toll entspannen - und die muslimische Hochkultur beim Blick nach oben geniessen konnte. Nicht vergessen das römische Wasserwerk wo Fische als 'Wasserqualitätswächter' schwimmen und durch das zerstörerische Erdbeben von 1999 offenbar nicht berührt wurde - die wussten wohl, wo man was sicher baute... Tja, für mich vorbei solange ein Egomane namens E. dort den Ton angibt, aber sowas geht auch in derf Türkei vorbei, egal wie.... Und so ist die Türkei bis runter an die syrische Grenze voller Natur- und Kulturwunder, und die Küche könnte sogar mit der italienischen mithalten... Liebe Grüsse an die Menschen, die unter den heutigen Verhältnissen leiden müssen... Und Dank dem ex-Gastarbeiter bei Daimler in einem kleinen schmalen Tal in Goreme, der mich in zum Tee in seiner natürlichen Steinpilzwohnung zum Plaudern eingeladen hat. Noch was: es gibt in der Türkei sehr viele Menschen, die ein perfektes Deutsch ohne Akzent beherrschen - so nebenbei!
k70-ingo 13.10.2016
4.
Zitat von tempus fugit...und dann nochmal 2007 - habe ich mir Istanbul 'erlaufen' - jeweils über paar Tage. Seither ist Istanbul einer der schönsten Städten mit mit den nettesten Menschen, die ich treffen konnte. Die ersten Eindrücke für einen Mitteleuropäer - besonders noch 2009... - waren im populären Basar unten an der Brücke am Golden Horn im ersten Moment etwas ängstlich, dieses Gedränge, diese Gerüche, dieser Lärm - aber echt empathisch. Hatte auch einiges an Geld am Körper, aber als ich sah, wie die die 10.000 bis 1.000.000 Lirescheine aus der Jackentasche holten - da begann der Genuss. Der Grosse Basar war ebenfalls beeindruckend, aber schon ziemlich 'geordnet' - und fein, wie mir dann eine Shisha zubereitet wurde - zum Tee. Ich hatte damals das Rauchen schon aufgegeben und fürchtete, durch die Wasserpfeife einen Rückfall zu erleiden. Nichts, reiner Genuss, der Rauch ging - hat mich auch positiv überrascht - durch die Lungen, ein Genuss an Ambiente, Atmosphäre! Und noch eins: unten an der Brücke rüber zum anderen Teil des Golden Horn steht eine sehr sehr schöne Moschee, wo man sich wirklich toll entspannen - und die muslimische Hochkultur beim Blick nach oben geniessen konnte. Nicht vergessen das römische Wasserwerk wo Fische als 'Wasserqualitätswächter' schwimmen und durch das zerstörerische Erdbeben von 1999 offenbar nicht berührt wurde - die wussten wohl, wo man was sicher baute... Tja, für mich vorbei solange ein Egomane namens E. dort den Ton angibt, aber sowas geht auch in derf Türkei vorbei, egal wie.... Und so ist die Türkei bis runter an die syrische Grenze voller Natur- und Kulturwunder, und die Küche könnte sogar mit der italienischen mithalten... Liebe Grüsse an die Menschen, die unter den heutigen Verhältnissen leiden müssen... Und Dank dem ex-Gastarbeiter bei Daimler in einem kleinen schmalen Tal in Goreme, der mich in zum Tee in seiner natürlichen Steinpilzwohnung zum Plaudern eingeladen hat. Noch was: es gibt in der Türkei sehr viele Menschen, die ein perfektes Deutsch ohne Akzent beherrschen - so nebenbei!
Ja, Istanbul ist eine faszinierende Stadt, bei der es sich empfiehlt, sie für sich zu erlaufen. Als wir dieses Frühjahr dort waren -genau eine Woche vor dem Bombenanschlag auf der Istiklal-Straße und wenige Tage vor der extra3-Aufgeregtheit- waren die Probleme bereits offensichtlich. Nach dem Anschlag vor der Blauen Moschee sei die Zahl der deutschen Besucher bereits um 85 bis 90% zurückgegangen, sagten die Einheimischen, die anderer europäischer und amerikanischer Touristen weniger stark, aber auch merklich. Das war eindeutig zu sehen. Wo sich sonst Hunderte drängen, waren wir fast alleine - und das war noch vor der weiteren Zuspitzung der Lage.
k70-ingo 13.10.2016
5.
Ja, Istanbul ist eine faszinierende Stadt, bei der es sich empfiehlt, sie für sich zu erlaufen. Als wir dieses Frühjahr dort waren -genau eine Woche vor dem Bombenanschlag auf der Istiklal-Straße und wenige Tage vor der extra3-Aufgeregtheit- waren die Probleme bereits offensichtlich. Nach dem Anschlag vor der Blauen Moschee sei die Zahl der deutschen Besucher bereits um 85 bis 90% zurückgegangen, sagten die Einheimischen, die anderer europäischer und amerikanischer Touristen weniger stark, aber auch merklich. Das war eindeutig zu sehen. Wo sich sonst Hunderte drängen, waren wir fast alleine - und das war noch vor der weiteren Zuspitzung der Lage.
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