"James Bond"-Schauplatz in Tokio Okura-Hotelgebäude wird abgerissen

Das Okura tritt auf im Bond-Roman "Man lebt nur zweimal". Doch nicht nur 007 stieg in der Tokioer Hotelikone aus den Sechzigern ab, sondern auch Staatsgäste wie Richard Nixon. Nun soll es saniert werden - durch Teilabriss.

AP/dpa

Sayonara, Okura: In dem legendären Hotel in Tokio sind die Lichter ausgegangen. Das Architekturjuwel im Stil der Sechzigerjahre hat am Montag für eine vierjährige Generalüberholung geschlossen, der das Hauptgebäude komplett zum Opfer fällt.

Fans des 53 Jahre alten Gebäudekomplexes, das ausländische Staatsgäste, Monarchen, Prominente und sogar "James Bond" beherbergte, befürchten, das Luxushotel könnte dadurch seine Seele verlieren. Zu den Markenzeichen gehörten die an die Kultserie "Mad Men" erinnernde und verrauchte Orchid-Bar, die abgetretenen senfgelben Teppiche und die in Kimonos gekleideten weiblichen Angestellten.

In Ian Flemings James-Bond-Roman "Man lebt nur zweimal" steigt Agent 007 im Okura ab, der entsprechende Film von 1967 wurde dort gedreht. Im echten Leben nächtigten im Okura, das gegenüber der US-Botschaft liegt, eine ganze Reihe von Staatsgästen - etwa die US-Präsidenten Richard Nixon und Barack Obama. Auch die politische und kulturelle Elite Japans liebt das Hotel für seine Restaurants und Bars, traditionellen Teezeremonien und Meisterschaften im Brettspiel Go.

Auch Kampagnen in den sozialen Medien, eine Petition und andere Bemühungen halfen nicht, um das Okura zu retten. Zu stark ist der Druck, Renovierungen noch vor den Olympischen Spielen 2020 in Japan anzustoßen. Schon andere Wahrzeichen Tokios fielen dem trotz Protesten zum Opfer: der alte Fischmarkt etwa und das Nationalstadion.

Zwei Glastürme mit insgesamt 510 Zimmern

"Es hat diese leise Eleganz", sagt Andrew Lindsay, ein Finanzdirektor bei der Deutschen Bank, der an der Facebook-Gruppe "Save the Okura" teilgenommen hatte. "Mandarin Oriental, Peninsula, Raffles - einige dieser alten Hotels wurden schon restauriert. Aber keines ist wie das Okura. Es ist diese Mischung aus japanischer Ästhetik mit mittelalterlichem Design, die man nirgends sonst findet."

Die Betreiber argumentieren, das berühmte Hotel müsse dringend saniert werden, um seinen Fünf-Sterne-Standard zu halten. Das Hauptgebäude der Architekten Yoshiro Taniguchi und Hideo Kosaka wird bei den umfangreichen Arbeiten ganz abgerissen. In Japan werden nicht selten Gebäude, auch Schreine und Tempel, vollständig abgerissen, um dann mit neuen erdbebensicheren Techniken wieder neu aufgebaut zu werden.

Ein Nebengebäude bleibt während der Bauarbeiten geöffnet. In den vier Jahren soll ein Hotelkomplex aus zwei Glastürmen mit 41 beziehungsweise 16 Etagen sowie insgesamt 510 Zimmern entstehen. Ein Teil des Gebäudes soll künftig Büros beherbergen.

Die Kosten der Bauarbeiten werden auf 100 Milliarden Yen (rund 735 Millionen Euro) veranschlagt. Das neue Okura soll im Frühjahr 2019 wiedereröffnen, ein Jahr vor den Olympischen Spielen.

abl/AFP/AP



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