General Tao Chicken: Beliebt in den USA, in China unbekannt
General Tao Chicken: Beliebt in den USA, in China unbekannt
Foto: Kitsinee Phanpipat / Shutterstock

»Nicht so gut« Chinesisches Restaurant punktet mit eigener Anti-Werbung

Ehrlichkeit zieht: In Montreal erlebt ein Restaurant einen Ansturm, da der Inhaber sich auch kritisch über sein eigenes Angebot äußert – »wir sind einfach nicht die Besten«, sagt er.

Feigang Fei sagt lieber, wie es ist: »Wir sind noch nicht hundertprozentig zufrieden mit dem Geschmack, und es wird bald besser werden«, schreibt der Besitzer des Restaurants Aunt Dai zu einem Hühnchengericht auf seiner Speisekarte. Und »PS: Ich bin überrascht, dass einige Kunden immer noch diesen Teller bestellen.« Bei den Kunden des nach Montreal in Kanada ausgewanderten Chinesen kommt diese Ehrlichkeit an, berichtet die britische Zeitung »Guardian«.  

Seitdem ein Gast sich per Twitter begeistert über die Speisekarte äußerte und Zehntausende Likes erhielt, erlebt das chinesische Restaurant in der Nähe des Kunstmuseums einen Ansturm:

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Der ehemalige IT-Techniker Feigang Fei wanderte vor 14 Jahren nach Kanada ein und eröffnete vor sieben Jahren sein Restaurant. Er sei anfangs enttäuscht gewesen, wenn die Gäste ihre Gerichte ungegessen zurückgeschickt hätten, sagte er der Zeitung. »Einige Kunden, die bestimmte Gerichte noch nicht probiert hatten, waren von der Schärfe oder der Textur überrascht.« Daher machte er sich an eine realistische Beschreibung (»Owner's Comments«)  aller Gerichte auf seiner Speisekarte:

»Im Vergleich zu unserem General-Tao-Hühnchen ist dieses nicht SO gut«, kommentiert er das Orangen-Rindfleisch. »Wie auch immer, ich bin kein großer Fan von nordamerikanischem chinesischen Essen, und es ist Ihre Entscheidung.« In einem anderen Kommentar warnt er: »Lassen Sie sich nicht vom Namen täuschen, das hier ist KEIN authentisches chinesisches Essen.« »Die Innereien sind gebraten, das ist irgendwie zu trocken«, lautet der Eintrag bei Wok-Schweinedärmen.

»Keine Stäbchen mehr«

Andere Beschreibungen erzählen mehr über die Gerichte und loben sie: »Dieser Teller kann Ihnen zeigen, was die chinesische Küche mit unserer geliebten Kartoffel anstellen kann abseits von Pommes, Püree und Chips«, schreibt Fei, der »Potato-Julian-Dish« sei sehr beliebt in China. Ein anderes Kartoffel-Rindfleisch-Gericht sei eines seiner Lieblingsgerichte in der Universität gewesen: Wegen Tǔ Dòu Niú Ròu »habe ich mindestens fünf Pfund zugenommen, aber es löste so viele Erinnerungen aus«. Die Version auf seiner Karte sei gut, allerdings ganz anders als das, was er so geliebt habe.

Ein Kreuzkümmel-Rindgericht sei früher als Schaschlik auf Stäbchen serviert worden. Doch »einige Kunden haben ihre Lippen daran geschnitten, weil sie dachten, das sei irgendeine harte Zutat. (Die müssen irgendwelche Shows über seltsames chinesisches Essen gesehen haben.) Um Vorfälle wie diese zu vermeiden, keine Stäbchen mehr«, schreibt er. Das Gericht sei »auf alle Fälle zu empfehlen«.

Feigang Fei sagte dem »Guardian«, dass seine Gäste seine ehrlichen Beschreibungen schätzten. »Wir haben kein besonders herausragendes Gericht, etwas, das die Genialität des Kochs zeigt. Unser Essen wird immer gut sein, aber wir sind einfach nicht die Besten. Na ja, vielleicht ein bisschen über dem Durchschnitt.« Der Restaurantbetreiber scheint mit der Qualität jedoch zu kokettieren. Die Nutzer des kanadischen Nachrichtensenders CTV haben das Aunt Dai zur besten chinesischen Küche Montreals gekürt.

Zurzeit ist das Aunt Dai aufgrund der Pandemie geschlossen und bietet nur Takeaway und Lieferungen an. Fei hat in der zweiten Etage seines Restaurants aber noch andere Gäste: Im »Club AuntDai« können andere Migranten und Migrantinnen Französisch- und Englischunterricht nehmen und sich austauschen. »So viele Einwanderer kommen überqualifiziert in dieses Land«, sagte er. »Ich habe aus erster Hand gesehen, wie viele Chancen verpasst wurden, weil jemand zu schüchtern ist. Das wollte ich ändern.«

abl
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