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Venedig im Kostümrausch: Viel Tüll, viel Pose

Foto: Cheng Tingting/ dpa

Karneval in Venedig Der kostümierte Albtraum

Karnevalisten in prächtigen Kostümen bevölkern Venedig. Auf dem Markusplatz wetteifern die Maskierten um die Gunst der unzähligen Besucher. Vielen Einheimischen ist diese Zeit ein Graus - sie wehren sich in einem Brief.

Vor einer Woche schwamm eine gigantische Ratte über den Canal Grande. Mit ihr, einem geschmückten Boot in Nagerform, war der Karneval von Venedig eröffnet. Hunderttausende kommen in diesen Tagen in die sowieso schon so beliebte Lagunenstadt zum Sehen und Staunen - und viele in prächtigen Kostümen zum gesehen werden.

Seinen Höhepunkt erreicht das berühmte Fest jedoch erst an diesem Wochenende: Am Samstag beginnen die Maskenparaden auf dem Laufsteg des Markusplatzes, auf denen die Leute Tag für Tag um die schönste Maske wetteifern. Bei der "Festa delle Marie" ziehen zwölf venezianische Mädchen in einer Parade durch die Stadt.

Das Begleitprogramm ist umfangreich: Maskenbälle, Bankette, Gondelparaden, Hard-Rock-Nächte und Jugendkarneval sind gelistet. Die Eintrittspreise sind extrem hoch, die Leihgebühr für Rokoko-Outfit und Federmaske ebenfalls. Und Geduld mitbringen sollten Besucher auch: Im vergangenen Jahr jedenfalls sorgten die Zugangskontrollen am Markusplatz zu längeren Wartezeiten am Metalldetektor.

Und dann schwebt beim traditionellen "Volo dell'Angelo", dem "Engelsflug", am Sonntag eine weiß gekleidete und beflügelte junge Frau vom Glockenturm. Dazu ertönt das "Ave Maria" von Franz Schubert. 70.000 Menschen werden dann allein vor der Basilica di San Marco erwartet, schreibt der "Corriere della Sera", es gebe Absperrungen überall. "Für die Venezianer ist das der Albtraum."

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Venedig im Kostümrausch: Viel Tüll, viel Pose

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Unter den Menschenmassen, die sich noch bis zum 4. März durch die Gassen schieben, sind wohl nur wenige Einheimische. Das legt der Artikel  in der italienischen Tageszeitung nahe. "Niemand, der im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, möchte in diesen Wochen in Venedig leben, niemand", heißt es in einem Brief von Anwohnern, den der "Corriere" auf seiner Website veröffentlicht hat. "Die Stadt, die eh schon permanent überrannt wird, gleicht derzeit einem Ameisenhaufen, der grausam abgedeckt wurde und der nun Ameisen zeigt, die orientierungslos herum irren."

"Wir wollen frei sein, Nein zu sagen"

Die Einwohner beschweren sich in dem Brief auch über den Dreck, den die Touristenscharen hinterlassen - und sie beklagen sich darüber, dass niemand die Stadt in nötigem Maße schützt. "Die Minister und andere wichtige Personen betonen stets, dass Venedig ein Kunstwerk ist", heißt es demnach. "Aber selbst in verwahrlosten Museen werden Kunstwerke geschützt - mit Glas, bestimmten Temperaturen und Rücksicht auf eine nicht zu starke Lichtexposition."

"Wir wollen frei sein, zu diesem unorganisierten Rausch Nein zu sagen", heißt es in dem Brief. Die Venezianer wollen die Einschränkung des öffentlichen Lebens nicht länger ertragen.

abl/jus
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