London Admiral Nelson wird geliftet

Seit 163 Jahren steht er einsam auf seiner Säule in der Mitte des Trafalgar Square: Der steinerne Admiral Nelson zählt zu Londons Touristenmagneten. Jetzt wird der britische Seeheld einer Schönheitskur unterzogen.


London - Im Juli soll die Statue Admiral Horatio Nelsons, der in dem Gefecht vor Spaniens südwestlicher Küste am 21. Oktober 1805 tödlich verwundet wurde, zur Freude von Einheimischen und Touristen in neuem Glanz erstrahlen. Bis dahin umstellen Baugerüste die Säule, die mit 56 Metern so hoch ist wie Nelsons Flaggschiff HMS Victory vom Kiel bis zur Mastspitze.

Die Züge des Admirals werden vorsichtig ausgewetzt: Der britische Seeheld erstrahlt bald in neuem Glanz
AFP

Die Züge des Admirals werden vorsichtig ausgewetzt: Der britische Seeheld erstrahlt bald in neuem Glanz

Als Dank für den Sieg über die Franzosen in der Schlacht von Trafalgar hatten die Briten Nelson das Denkmal gesetzt. Nach der vernichtenden Niederlage der französisch-spanischen Flotte dauerte es infolge von Querelen um Gestaltung und Finanzierung jedoch fast vier Jahrzehnte, bis die Nelson Column 1843 endlich fertig gestellt war. Ihre Spitze ziert der legendäre Lord mit seinem amputierten rechten Arm und dem Zweispitz auf dem Kopf, wie er ordengeschmückt in die meist dunstige Ferne Richtung Ärmelkanal und "Erbfeind" Frankreich späht.

Mit dem Sieg in der Schlacht am Kap Trafalgar, bei der seinerzeit rund 5000 Seeleute ums Leben kamen, trug Nelson indirekt zu Napoleons Niederlage auf dem Festland bei und eröffnete ein Jahrhundert der britischen Vorherrschaft auf dem Meer.

"Hier oben zu sein, ist genial. Lord Nelson auf Vordermann zu bringen, ist ein echtes Privileg", begeistert sich der 36-jährige Steinmetz Iain Devine, während er vom Gerüst aus einen Schmiss an der Stirn des großen Feldherrn vorsichtig mit dem Meißel auswetzt. Es ist - nach 1968 und 1986 - erst die dritte größere Restaurierung der fünf Meter hohen Statue aus 18 Tonnen schottischem Sandstein. Im Übrigen untersuchen Experten das Bauwerk alle zwei Jahre von einem Spezialkran aus auf mögliche Schäden.

Besonderen Aufwand betreiben die Spezialisten um Nelsons verbliebenen linken Arm, der 1888 vom Blitz getroffen worden war. Er wurde mit modernsten Methoden durchleuchtet, um zu klären, ob die drei bei einer vorherigen Restaurierung angebrachten Messingbänder wirklich erforderlich sind. "Alles, was wir hier tun, erfolgt auf dem höchsten Stand der Technik", versichert Projektdirektor Adrian Attwood. Zehn Fachleute setzen den umgerechnet 610.000 Euro teuren Auftrag um.

Die Statue wird mit Dampf gereinigt und mit schonenden Schleifmitteln bearbeitet. Laut Attwood ist das Monument insgesamt bemerkenswert gut erhalten. Selbst die deutschen Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs konnten ihr nichts anhaben. Und auch die Tauben, die Nelson mit ihrem Kot beflecken, richteten weniger Schaden an als befürchtet. Die vier majestätischen Löwen, die der Säule als Sockel dienen, werden gleich mit restauriert.

Robert MacPherson, afp



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