Luxemburg Schlemmen nach Sternen

Banken, Radio, Historie - das sind gängige Klischees. Doch Luxemburg, das kleine Land im Herzen Europas, hat weitaus mehr zu bieten. Unter Gourmets gilt das Großherzogtum als Schlemmerparadies. 2001 bedachte der Michelin-Gourmetführer elf Restaurants mit insgesamt zwölf Sternen.
Von Hilke Maunder

In der Hitliste der Schlemmerbibel steht seit 15 Jahren unangefochten "La Bergerie" - trotz des Generationswechsels in der Küche. In einem idyllischen alten Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert bei Echternach steht inzwischen nicht mehr Claude Phal, sondern Sohn Thierry am Held - und erhielt für seine Kreationen erneut die höchste Auszeichnung im Land: zwei Sterne. Bewertet wurde dabei auch der Keller - 14.000 Flaschen lagern hier, 750 finden sich auf der Karte.

Die Sterne der Michelin-Kritiker blieben auch weiteren kulinarischen Klassikern erhalten: "L'Agath" in Howald, "La Gaichel" in Gaichel und "Le Patin d'Or" in Kockelscheuer. Vor mehr als 50 Jahren hatte bereits das "Hiertz" in Diekirch den ersten Stern des Landes erhalten. Antonio Pretti, von Madame Hélène Hiertz einst 16-jährig aus Südtirol in die Küche geholt, hat auch 2001 die Auszeichnung für das Haus erhalten.

Mit 17 von 20 Punkten im Gault-Millau, einem Michelin-Stern und vier Gabeln machte Chefkoch Tony Tintinger sein "Clairefontaine" zum besten Lokal der Hauptstadt. Eingerichtet im Louis-Philippe-Stil, treffen sich Politiker, Diplomaten und Banker hier hinter schweren Draperien zu Gänsestopfleber mit Port und gegrilltem Petersfisch mit Safrankartoffeln an Hummer.

Der beste Italiener der Beneluxländer

Im Altstadtviertel Grund ist seit Jahresbeginn der beste Italiener der Beneluxländer daheim: das "Mosconi". Während Spitzenkoch Ilario Mosconi seinen Stern beim Umzug retten konnte, musste Chefkoch Thierry Duhr vom "Le Bouquet Garni - Salon St. Michel" zunächst ein Jahr ohne die begehrte Auszeichnung auskommen - erst 2001 wurde ihm von Michelin sein Stern bestätigt.

Auf Sonnenschein statt Stern setzen Isabelle und Carlo Speltz mit ihrer klassisch französischen Küche: Meeresfrüchte und mehr sind das Metier von Pierre Bousch, der am beliebtesten Platz der Stadt im "La Lorraine" eine opulente Fruits de Mer-Platte auffährt: Austern, Venus- und Herzmuscheln, Seeschnecken, Seeigel und Scampis, bekrönt von einer Königskrabbe.

Und zum Dessert? Einen Kaffee mit einem "Knippercher" aus der ältesten Konditorei der Stadt. So heißen die kleinen kalorienreichen Verführer, die im "Namur" auf der Zunge zergehen: Pralinés, Trüffel, Petit Fours, Marzipan, Nougat oder kandierte Früchte. Noch heute werden sie von 90 Mitarbeitern handgefertigt nach Original-Rezepten, die der reiselustige Firmengründer Nicolas Namur vor mehr als hundert Jahren von seinen Lehr- und Wanderjahren in Metz, Paris, New York und Kalifornien mitbrachte.

Wein für Schlemmerfreunde

Die passenden Weine zum feinen französischen oder deftigen Luxemburger Essen kommen von den Hängen der Mosel. 1200 Betriebe produzieren hier jährlich etwa 140.000 Hektoliter trockenen Weißwein. Neben dem sehr würzig-trockenen Gewürztraminer und einem feinfruchtigen Riesling werden besonders drei Weine angebaut und getrunken: vollmundiger Auxerrois, fruchtiger Rivaner und kräftiger Elbling.

Alle Qualitätsweine tragen das Gütesiegel "Marque Nationale", das vom staatlichen Institut für den Schutz der Reinheit und der Qualität der luxemburgischen Weine vergeben wird. Zu den kleinen frittierten Moselfischen bevorzugte Charles de Gaulle bei seinen häufigen Besuchen im "kleinen Land der großen Weine" jedoch spritzigen Cremant. Bernard-Massard is die größte private Kellerei, die diesen Sekt nach Champagnerart perlen lässt. Zur Kellerbesichtigung samt Kostprobe laden auch die Caves St. Martin und der Schaumweinfabrikant Poll-Fabaire ein.

Von der Jura-Studentin zur Starköchin

Nur selten führt den Feinschmecker der Weg gen Süden. Zu Unrecht: Im Landhaus von Pierrick und Lysiane Guilloux in Schouweiler bleiben ohne vorherige Reservierung die Sterne-Genüsse ein ferner Traum, wie auch im "Fridrici", dem Sterne-Treff der Stahlstadt Esch-sur-Alzette. In Frisange, einem Durchfahrtsdorf auf dem Weg nach Frankreich, hing Léa Linster nach dem Tod ihres Vaters das Jura-Studium an den Nagel, begab sich selbst an den Herd und verkündete Vorbeifahrenden auf einem weißen Schild in schwarzer Schreibschrift ihre neue Profession als Köchin mit "Léa Linster Cusinière".

Der erste Stern folgte 1987. Zwei Jahre später nahm die heute wohl bekannteste Starköchin in Lyon den "Goldenen Bocuse" (Bocuse d'Or) entgegen. Seit 1999 ist Léa Linster auch in der Hauptstadt präsent: Ihr zweites Restaurant liegt in der ersten Etage des Hauptbahnhofs. Regionale Spezialitäten wie "Judd mat Gardebounen" stehen in der Brasserie "Au Quai de la Gare" immer auf der Karte.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.