Madame Tussauds Berlin Grapschen erlaubt

Romy Schneider ist schon da, ebenso Boris Becker und Marlene Dietrich: Die Riege der Prominenten im neuen Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds wächst. Ab Juli sollen Besucher die täuschend echte Kopien von Prominenten bestaunen und sogar anfassen.


Berlin - Promis gibt es in Berlin genug. Aber wer von denen lässt sich einfach mal so in den Arm nehmen? Robbie Williams zum Beispiel. In wenigen Wochen schon werden sich vermutlich hunderte Menschen neben den heiß umjubelten Popsänger ins Kissen kuscheln - natürlich nicht in echt. Robbie Williams kommt als Wachsfigur nach Berlin, auf einem runden Bett, und neben ihm ist noch ein Platz frei. Anfang Juli öffnet das legendäre Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds eine Niederlassung in Berlin.

Auf der Flaniermeile Unter den Linden, auf der sich auch im echten Leben täglich Berühmtheiten tummeln, begegnen dem Besucher dann die Figuren von mehr als 70 Prominenten aus Deutschland und der Welt: Herbert Grönemeyer und Peter Maffay sind da neben Elvis, Bono und den Beatles. Franka Potente steht im illustren Kreis bei Nicole Kidman, George Clooney, Jennifer Lopez und Leonardo di Caprio. Marlene Dietrich ist dabei, Boris Becker und Steffi Graf. Aber auch Angela Merkel, Klaus Wowereit und sogar Papst Benedikt XVI. haben persönlich Modell für ihre Doppelgänger aus Wachs gestanden.

10,5 Millionen Euro für Berliner Filiale

Der Erfolg der Ausstellung dürfte schon jetzt feststehen: In London zählt Madame Tussauds zu den größten Attraktionen der britischen Hauptstadt - und die meisten ausländischen Besucher des Kabinetts kommen aus Deutschland. Wie viele Menschen sich auf der Insel jedes Jahr neben einer Queen aus Wachs fotografieren lassen, darüber schweigt sich das Management der Merlin Entertainments Group aus. Insgesamt hätten die 59 Unterhaltungsangebote, die die Gruppe in zwölf verschiedenen Ländern betreibt, im vergangenen Jahr 32,5 Millionen Besucher angezogen, heißt es lediglich.

Dass die Veranstalter mit regem Zuspruch rechnen, lässt sich schon ihrem vehement betriebenen Export von Madame Tussauds ablesen. Das Original in London gibt es bereits seit 1835. Die nächste Filiale kam 1971 in Amsterdam hinzu. Doch seit Ende der 90er eröffnet fast im Jahrestakt ein neues Kabinett irgendwo auf der Welt: 1999 in Las Vegas, 2000 in New York und Hongkong, 2006 in Shanghai, 2007 Washington, dieses Jahr Berlin und für 2009 ist bereits eine Filiale in Hollywood angekündigt. In die neue Niederlassung in Berlin hat die Organisation, die in der Hauptstadt auch das Sea Life-Aquarium und das Legoland Discovery betreibt, nach eigenen Angaben 10,5 Millionen Euro investiert.

Tortraining mit Oliver Kahn

Das Geld ist gut angelegt: Nach Berlin kamen 2007 rund 146 Millionen Besucher. Abschrecken könnte allein der Eintrittspreis: Satte 18,50 Euro beträgt er für Erwachsene, für Kinder ab drei Jahren sind auch schon 13,50 Euro fällig. Dafür halten die Veranstalter jede Menge Spaß bereit. Auf 2500 Quadratmetern können die Besucher gegen Oliver Kahn einen Strafstoß wagen, sich neben Ludwig van Beethoven ans Klavier setzen, gegen Albert Einstein im Intelligenztest antreten, bei Sigmund Freud auf die Couch, als Rockstar auf die Bühne - und natürlich jede Menge Pop- und Hollywoodstars in den Arm nehmen.

"Bei uns ist es gewollt, dass die Besucher mit den Promis auf Tuchfühlung gehen", betont Managerin Susanne Keller. Entsprechend ramponiert sind die Figuren manchmal auch: George Clooney fehlte nach einer Ausstellung während der Tourismusmesse ITB ein Ohrläppchen und bei Angelina Jolie muss regelmäßig das Tatoo neu aufgemalt werden. Popstar Justin Timberlake wird in Berlin deshalb vorsichtshalber gleich in einen silbergrauen Anzug gesteckt. "Der weiße muss wegen der vielen Lippenstiftspuren so oft aus der Ausstellung genommen werden", sagt Managerin Keller.

Marion Meyer-Radtke, AFP



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