Fotostrecke

Großstadtphänomen in New York: Manhattans Sonnenstraßen

Foto: Andrew Gombert/ picture alliance / dpa

New Yorks Großstadtphänomen "Manhattanhenge" Sonnenstraßen

Kommendes Wochenende erleben Bewohner und Touristen im Big Apple ein Naturschauspiel: Die Sonne steht exakt in dem Winkel, dass sie durch die Häuserschluchten scheint. Der Anblick lässt Menschen weinen und Schauspieler schwärmen.

Normalerweise haben Autos die Brücke vor dem New Yorker Bahnhof Grand Central meist ganz für sich allein. Aber viermal im Jahr drängeln sich oberhalb der 42. Straße abends plötzlich viele Menschen. "Was ist denn da los?", fragt verwundert ein Mann aus einem vorbeifahrenden Taxi. "Manhattanhenge", antworten Dutzende gleichzeitig.

Das Großstadtphänomen ist der neue Lieblings-Programmpunkt vieler New Yorker: Viermal im Jahr, immer im Sommer, geht die Sonne exakt auf das Straßennetz Manhattans ausgerichtet unter. Wenige Minuten lang erscheint dann der Sonnenball genau in den Hochhausschluchten und erleuchtet die ganze Straße.

Eigentlich ist das Naturschauspiel nichts Neues, aber jahrhundertelang schien es niemand in New York richtig zu bemerken. Einen Namen hatte es schon gar nicht - bis Neill deGrasse Tyson sich des Phänomens vor einigen Jahren annahm. Der in den USA sehr populäre Astrophysiker vom American Museum of Natural History in New York, der auch eine eigene Fernsehshow hat, nannte das Himmelsphänomen kurzerhand "Manhattanhenge" in Anlehnung an den ähnlich mystischen Steinkreis "Stonehenge" in Großbritannien und beschrieb es als "raren und wunderschönen Anblick".

Freier Blick auf die Sonne am Horizont

Für das Phänomen braucht eine Stadt nicht nur ein rechtwinkliges und ebenes Straßennetz, sondern auch einen freien Blick auf den Horizont, wie Manhattan ihn in Richtung Westen nach New Jersey hat. Wolkenkratzer zu beiden Straßenseiten machen das Ganze noch einmal deutlich spektakulärer. All das zusammen gebe es wohl nur in New York, sagt Tyson. "'Manhattanhenge' scheint ein einzigartiges Phänomen in der Welt zu sein, wenn nicht sogar im Universum."

Zudem nennt er den New Yorkern auch gleich noch die Daten für die kommenden Jahre und versorgt sie mit den besten Tipps für das gemeinsame "Manhattanhenge"-Schauen. Nur viermal im Jahr ist das Phänomen aufgrund der Bewegung der Erde um die Sonne zu bestaunen.

Die vorerst letzte Möglichkeit in diesem Jahr bietet sich am kommenden Wochenende - eine volle Sonne am Freitag (11. Juli) und eine halbe am Samstag (12. Juli). Idealerweise begibt man sich dafür auf eine der großen Durchgangsstraßen der Insel, wie die 14., die 23., die 34., die 42. oder die 57. Das Empire State und das Chrysler Building sorgen jeweils als Rahmen dafür, dass die 34. und die 42. Straße die fotogensten Optionen sind.

Hunderte Menschen versammeln sich auf den Durchgangsstraßen

Mit seinen Tipps und dem einprägsamen Namen sorgte Tyson in New York für einen "Manhattanhenge"-Boom. Hunderte Menschen versammeln sich an den entsprechenden Tagen auf den großen Durchgangsstraßen der Stadt und veröffentlichen schier unendlich viele Fotos von ihrem Erlebnis im Internet. "Warum lieben die Menschen 'Manhattanhenge' so sehr?", fragte jüngst auch "The Atlantic" und kam zu dem Schluss, dass das Phänomen "etwas Magisches" habe und eine geradezu "antike Verbindung zum Kosmos" erlaube.

Dazu kommt die Seltenheit. "Manhattanhenge" passiert nicht oft. Und wenn die Sonne dann mal richtig steht, regnet es oft oder ist bewölkt. Gleich das erste "Manhattanhenge" dieses Jahres versteckte sich Ende Mai hinter dicken Wolken und enttäuschte Tausende Fans.

"Ich habe gerade einen weinenden Menschen gesehen", schrieb die in New York lebende Schauspielerin Sarah Jessica Parker ("Sex and the City") bei Twitter. "Ich konnte sehen, dass Manhattanhenge auch sein Herz gebrochen hat. Wir haben einen wissenden Blick ausgetauscht." Aber die Schauspielerin gibt nicht auf: An diesem Wochenende will sie wieder dabei sein.

Christina Horsten/dpa/jkö
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.