Mardi Gras nach "Katrina" New Orleans feiert Karneval - jetzt erst recht

Der Hurrikan verwüstete die Stadt, aber ihren berühmten Karneval lassen sich die Bürger von New Orleans nicht nehmen. Sie wollen beweisen, dass "Katrina" sie keineswegs in die Knie zwingen konnte. SPIEGEL ONLINE zeigt die schönsten Bilder vom Mardi-Gras-Spektakel.


New Orleans - Vergessen machen können die Bewohner von New Orleans den Hurrikan nicht, dafür sind die Verheerungen vom 29. August 2005 im Stadtbild viel zu präsent. Aber in einer Trotzreaktion gaben sie dem legendären Mardi Gras diesmal das Motto "Jetzt erst recht". Und so rollen jetzt wieder Umzugswagen durch die Straßen, marschieren und paradieren Musikbands und satirische Gruppen auf dem Pflaster, fliegen die traditionellen glänzenden Perlenketten in den Mardi-Gras-Farben Lila, Gold und Grün durch die Luft.


Noch närrischer soll es am Montag und dann erst recht am Dienstag zugehen: Der "fette Dienstag" ist traditionell der Höhepunkt der einst von französischstämmigen Einwanderern gegründeten Festlichkeiten. "Dann wird New Orleans vor aller Welt zeigen, dass es sich durch Tod und Verwüstung nicht niederzwingen lässt", sagte eine Sprecherin des örtlichen Tourismus-Büros am Sonntag. Und Mardi Gras ist für die Stadt von existenzieller Bedeutung, der Tourismus ihre Schlüsselindustrie.

Bei allem Trotz und Stolz ist "Katrina" auch an diesem Wochenende allgegenwärtig. So beschränkten sich die Umzüge auf die historische Altstadt French Quarter und den Garden District - diese Bezirke hatte der Sturm weitgehend verschont, während der Rest der Stadt überflutet worden war. Und wurde sonst zwölf Tage lang geschwoft, verkürzte die Stadt diesmal die Hauptfestivitäten auf eine gute Woche. Viele der Festzüge fallen kleiner aus.

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Mardi Gras: Schrilles Spektakel in New Orleans

Manche versuchen es mit Galgenhumor

Die Paraden veranstalten die sogenannten Krewes, 34 städtische Klubs mit Namen wie Pegasus, Bacchus und Okeanos. Einige der Krewes sagten sogar ganz ab - so wie eine Gruppe von 50 Schwarzen, die zum großen Teil durch "Katrina" ihr Zuhause verloren haben.

Die Straßen von New Orleans säumen bisher weniger Menschen als in den letzten Jahren, und weniger waren kostümiert oder maskiert. Bislang ist nur ein Drittel der gut 400.000 von "Katrina" vertriebenen Einwohner in die Stadt zurückgekehrt. Für die gesamte Karnevalszeit werden diesmal rund 400.000 Touristen erwartet - sonst war es durchschnittlich eine Million.

Vor allem Bürgermeister Ray Nagin, der für sein Krisenmanagement und seine harte Kritik an der US-Regierung nach der "Katrina"-Katastrophe weltweit bekannt geworden war, hatte sich dafür eingesetzt, Mardi Gras nicht ausfallen zu lassen - trotz der Verwüstungen und der Trauer um die mehr als 1300 "Katrina"-Todesopfer. Ein solcher Schritt wäre die "endgültige Kapitulation", hatte er Kritikern entgegengehalten.

Also bauten, bastelten, probten die Krewes schon tapfer für das Fest, als immer noch Tote aus den Trümmern geborgen wurden. Am Samstag ehrte ein Klub die Opfer, indem er einen Umzugswagen leer und in schwarzes Tuch geschlagen über das Straßenpflaster rollen ließ. Andere versuchten es mit Galgenhumor. So bekam etwa die Washingtoner Behörde für Katastrophenmanagement als Hauptverantwortliche für die langsame Reaktion auf "Katrina" auf Plakaten ihr Fett weg.

jol/dpa/AFP



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