Metropole im Ausnahmezustand New Yorker Nahverkehr setzt Streik fort

Immer noch fährt keine U-Bahn und kein Bus in New York, der öffentliche Nahverkehr ist lahm gelegt. Die Transportarbeitergewerkschaft macht keine Anstalten, ihren Streik zu beenden. Dabei hat ein Gericht sie zu einem saftigen Strafgeld von einer Million Dollar am Tag verdonnert.


New York - Der Ausstand mitten im Weihnachtsgeschäft kann die Transportarbeitergewerkschaft TWU teuer zu stehen kommen. Richter Theodore Jones befand, dass die Streikenden gegen das gesetzliche Verbot von Arbeitsniederlegungen im öffentlichen Dienst verstießen. Der Richter des Obersten Gerichts im Bundesstaat New York folgte mit der Verhängung des Strafgelds einem Antrag der Stadt New York und des Staates. Die TWU wolle umgehend Berufung einlegen, berichtete der Fernsehsender New York 1.

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Streik: New York im Ausnahmezustand

Dem Urteil zufolge könnte auch jedem einzelnen Streikenden der staatlichen Verkehrsbetriebe MTA ein Bußgeld drohen - es würde den Angaben nach pro Streiktag dem Lohn von zwei Arbeitstagen entsprechen. Wie lange die Gewerkschaft die Protestaktion unter diesen Bedingungen aufrechterhalten kann, blieb zunächst offen. Ende 2004 habe die TWU ein Gesamtvermögen von rund 3,64 Millionen Dollar gehabt, hieß es im Gericht.

Das befürchtete Verkehrschaos in den New Yorker Straßen blieb am Dienstag aus. Viele New Yorker nahmen den Streik überraschend gelassen, packten sich in warme Wintersachen und machten sich per Rad oder zu Fuß und sogar mit Rollschuhen, auf Kickboards und Skateboards auf den Weg in die Innenstadt. Andere stiegen auf Fahrgemeinschaften um. Der Handel an der Wall Street verlief normal; viele Unternehmen hatten für ihre Mitarbeiter auch Shuttle-Busse organisiert. Vor nicht bestreikten Vorortzug-Haltestellen wie Pennsylvania Station bildeten sich riesige Pulks wartender Pendler.

Bürgermeister Michael Bloomberg lobte die Besonnenheit der Einwohner. "Gemessen an den schwierigen Umständen funktioniert die Stadt wirklich gut", sagte er. Den Streikenden warf er "Verantwortungslosigkeit" vor. Bloomberg kritisierte, die Geschäfte und Restaurants hätten so kurz vor Weihnachten erhebliche Einbußen hinnehmen müssen, weil viele Menschen auch einfach zu Hause geblieben seien. "Dieser Streik tut vielen Leuten weh", sagte er. Die Protestaktion sei egoistisch und beschämend. Aus Solidarität mit der Bevölkerung hatte Bloomberg zu Streikbeginn mit Tausenden Pendlern zu Fuß die Brooklyn Bridge überquert.

Der Widerstand der TWU - die rund 34.000 Beschäftigte repräsentiert - richtet sich unter anderem gegen Pläne der Arbeitgeber, das Rentenalter für neue Mitarbeiter anzuheben und diese für einen Teil ihrer Altersversorgung selbst aufkommen zu lassen. Sollte der Ausstand eine Woche dauern, würde das nach kommunalen Berechnungen die Metropole New York teuer zu stehen kommen: Die Kosten werden für diesen Fall auf rund 1,6 Milliarden Dollar veranschlagt.



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