Mit dem Rad durch Bangkok Grüne Seite eines Molochs

Von Rainer Heubeck

2. Teil: "Mir gefällt das Radfahren in Bangkok besser als in Holland"


Bananenstauden und Palmen, Mango- und Papayabäume spenden den Radfahrern wohltuenden Schatten - und doch sind es von hier aus nur fünf Kilometer bis zur Silom-Straße, einer der Hauptschlagadern des Molochs Bangkok. Moloch? Davon ist hier wenig zu spüren. Es ist ruhig, nur die Vögel zwitschern und ein paar Pfadfindergruppen sind unterwegs. Einen kleinen Pavillon am Rande eines Sees haben die sieben Radfahrer ganz für sich alleine. Nicky hat Fischfutter gekauft – doch das lockt nicht nur Fische an, sondern auch einen Hund mit weißer Schnauze und schwarzen Ohren, "Der kommt jedes Mal, wenn unsere Gruppe hier ist. Er weiß, wenn wir die Fische füttern, hat er leichte Beute", versichert Nicky.

Nachdem sich der Vierbeiner nach langem Zögern einen Fisch geschnappt hat, der ihn fast in den Mund geschwommen ist, werden auch die sieben Radfahrer allmählich hungrig. In einem kleinen Straßenrestaurant in der Nähe eines kleinen buddhistischen Tempels gibt es Shrimps mit Gemüse und Sojasprossen. Kein austauschbares Touristenmenü, sonderntypisch thailändisch.

"Bei 'Colors of Bangkok’ wollen wir die verborgenen Schönheiten der Stadt zeigen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Fahrradtour, das Bild, das die Besucher von Bangkok haben, für immer verändert", sagt Andre Breuer, dem es nichts ausmacht, dass etliche Thais ihr für verrückt halten. Denn er gibt Summen für seine Fahrräder aus, für die sich die Einheimischen allenfalls Motorräder anschaffen. "Mir gefällt das Fahrradfahren in Bangkok inzwischen viel besser als in Holland", sagt Breuer, der viele Jahre in der Textilindustrie gearbeitet hat, "denn in Holland regnet es ständig und man hat Wind - und es kommt mir so vor, als ob es meistens Gegenwind ist."

Mit Wind haben die Fahrradfahrer in Bangkok keine Probleme, stattdessen jedoch zuweilen mit der Sonne. "Viele Leute machen die Tour am Vormittag, weil sie denken, dass es dann kühler ist, aber sie vergessen, dass es von Stunde zu Stunde wärmer wird. Wer die Nachmittagstour bucht, der hat die Situation, dass es anfangs zwar meist heiß ist, aber dann von Stunde zu Stunde angenehmer wird." Ein Vorteil der Tour ist ohnehin, dass die Pedalritter etwa die Hälfte der Zeit unter Schatten spendenden Bäumen entlangfahren. "Unser ältester Teilnehmer war 78 Jahre alt, und auch er hat die Tour ohne Probleme geschafft", sagt Andre Breuer.

Mit dem Rad ins Longtail-Boot

Eine Fahrt durch Bangkok, das wäre unvollständig, wenn nicht auch an etlichen Tempeln angehalten würde. "Im Grunde genommen haben wir hier in Bangkok an fast jeder Ecke einen Tempel, fast so, wie wir auch überall einen Seven Eleven-Supermarkt haben", meint Nicky, bevor der am Wat Worawihan anhält. Dieser Tempel, so versichert er, hat eine Besonderheit. Er ist nicht, wie die üblichen Pagoden, rund und glockenförmig, sondern verfügt über lange gestaffelte Dächer, wie die Pagoden in Burma, erläutert Nicky – bevor er sich mit seiner Gruppe auf den Rückweg macht.

Noch einmal werden die Fahrräder in ein Longtail-Boot gehievt. Auf dem Fluss- und Kanalsystem Bangkok sind diese Boote ein wichtiges öffentliches Verkehrsmittel. Der letzte Stopp: Ein Trainingszentrum für Thai-Boxer, eine Schule, die von der Polizei betrieben wird, in der aber auch Schulkinder trainieren können. "Viele Jungs, insbesondere aus den armen Familien, träumen davon, Profiboxer zu werden, aber die Konkurrenz ist sehr hart, man muss er Beste der Besten sein, um sich durchzusetzen", erläutert Nicky – bevor er sich ein letztes Mal für heute in den Sattel schwingt.



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