Museen in Paris Die schönsten Cafés für die Kunstpause

Vögel zwitschern, Brunnen plätschern, nur leises Geschirrklappern ist zu hören: Cafés von Pariser Museen sind unverhofft lauschig - hier können Stadtbummler eine Auszeit vom Kultur-Overkill nehmen.

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Arc de Triomphe, Tuilerien-Gärten, Sacré-Coeur - von der Terrasse des Musée d'Orsay, hoch über der Seine, haben Paris-Besucher einen der schönsten Ausblicke über Frankreichs Hauptstadt.

Im fünften Stock des ehemaligen Bahnhofsgebäudes, gleich neben der Galerie der Impressionisten, liegt das Café Campana. Die brasilianischen Campana-Brüder, die das Renovierungskonzept entworfen haben, ließen sich vom Glaskünstler Émile Gallé inspirieren - Hauptzierde ist das verglaste Zifferblatt der ehemaligen Turmuhr. Die Kantine bietet Brasserie-Küche, mit Salaten, Wok-Gerichten und einer Auswahl typischer Desserts. Die Preise liegen zwischen 15 und 20 Euro.

Musée d'Orsay: Kronleuchterglanz im zweiten Stock
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Musée d'Orsay: Kronleuchterglanz im zweiten Stock

Zwischen Juli und August und "nur bei schönem Wetter", so die Auskunft des Museums, ist die luftige Empore jedoch die schönere Wahl für einen Imbiss. Manchmal werden Sandwiches und Eis angeboten, sonst lohnt es sich, das Butterbrot selbst mitzubringen. Steinbänke entlang der Terrasse bieten ein Plätzchen für die Rast.

Eine Alternative ist das ehemalige Hotelrestaurant im zweiten Stock des Museums - es erstrahlt noch immer im goldenen Glanz von 1900: Unter glitzernden Kronleuchtern und üppigen Deckengemälden werden klassische Küche sowie Kaffee und Kuchen serviert. Am Donnerstagabend bietet das Haus ab 18.30 Uhr ein "Überraschungsmenu" für 57 Euro - Getränke, Eintrittskarte und individueller Empfang inklusive.


Café Campana, täglich außer montags 10.30 bis 17 Uhr, donnerstags 11 bis 21 Uhr geöffnet
Restaurant Orsay, täglich außer montags 11.45 bis 17.30 Uhr, donnerstags 19 bis 21.30 Uhr geöffnet. Reservierung: restaurants.orsay.rv@elior.com
Musée d'Orsay, täglich außer montags 9.30 bis 18 Uhr, donnerstags 9.30 bis 21 Uhr, Metro Solférino. Wegen des Andrangs: Eintrittskarten online kaufen und ausdrucken.

Musée Rodin: Muffins unter Linden
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Musée Rodin: Muffins unter Linden

Im Garten des Musée Rodin, gleich neben Invaliden-Dom und Armee-Museum, können Paris-Touristen eine Verschnaufpause einlegen: Hinter dem Palais Brion, dem Stadthotel, das Auguste Rodin ab 1908 bewohnte, erstrecken sich auf rund drei Hektar Rasenflächen, Wasserbecken und Staudengärten in strenger Symmetrie. Wer rechts vorbei an dem Gebäude aus dem 18. Jahrhundert geht, vorbei an der "Denker"-Skulptur und der Statue von Balzac, erreicht bald eine Allee aus Linden und Kastanien.

Unter dem grünen, kühlen Blätterdach sind ausreichend Tische und Stühle, das Museumscafé mit Selbstbedienung offeriert ein ordentliches Angebot an Sandwiches, Suppen und Salaten (auch vegetarisch). Torten, Muffins und Desserts ergänzen das Angebot zum Nachmittagstee.

Bei Regen oder während der kühleren Jahreszeiten ist der Rückzug in den Glaspavillon möglich. Die Preise sind mit maximal 16 Euro für Pariser Verhältnisse beinahe günstig. Selbst die Flasche Champagner ist noch erschwinglich.


Le Café, täglich außer montags geöffnet von 10 bis 17 Uhr, Tel. 01 45558439
Musée Rodin, täglich außer montags geöffnet von 10 bis 17.45 Uhr, mittwochs bis 20.45 Uhr. Metro Varenne, Invalides. Eintrittskarten können im Internet vorbestellt werden.

Petit Palais: Croque zwischen Säulen
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Petit Palais: Croque zwischen Säulen

Zentraler geht nicht: Nur Schritte neben der Hauptverkehrsachse der Champs-Élysées, von den hiesigen Tourismusunternehmen wie Stadtvätern gern als "schönste Avenue der Welt" bezeichnet, befindet sich der Petit Palais.

Wie der gegenüberliegende Zwillingsbau Le Grand Palais - gebaut zur Weltausstellung 1900 - liegt der ehemalige Ausstellungspavillon auf der Achse zwischen der Prachtstraße, der Pont Alexandre III. und dem Invalidendom. Die Architektur war gedacht als Ode an die Kapitale und an die Künste und bildet ein Trapez aus vier Gebäudeteilen, die sich um ein Halbrund gruppieren: Und hier, unter reich verzierten Reliefs, liegt ein begrünter Innenhof inmitten einer Säulenhalle und darin ein charmantes Gartenbistro.

Vor der neobarocken Fassade des Pariser Museums mögen sich die Touristenbusse stauen, Auspuffschwaden zu den Stoßzeiten die Champs-Élysée verpesten und Verkehrslärm die Avenue Wilson erfüllen - unter den Fresken, die die Monate und die Tageszeiten darstellen, bleibt das Kratzen von Besteck auf Porzellan das einzige Geräusch. Das Restaurant-Café des Petit Palais, neben den Wasserbecken mit ihren exotischen Pflanzen, ist ein idealer Rückzugsort gleich im Herzen der Stadt.

Die Küche ist modern, mit einem Tagesmenu ab 15,90 Euro, daneben bietet das Büfett eine große Auswahl an Salaten und Croques. Gespeist wird im Erdgeschoss oder der Mezzanine in Designdekor oder auf klassischer Bistro-Terrassen-Einrichtung unter den Säulen.


Le Jardin du Petit Palais, täglich außer montags geöffnet von 10 bis 17.15 Uhr, freitags bis 19 Uhr. Telefon: 01 4007 1141. Email: jardin.du.petitpalais@sodexo.com
Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris, Avenue Winston Churchill, 75008 Paris, täglich außer montags geöffnet von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr, aber nur für die Sonderausstellungen. Metro: Champs-Élysées-Clémenceau. Der Eintritt zur Sammlung (und damit zum Café) ist kostenlos.

Musée de la Vie romantique: Quiches unter Bäumen
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Musée de la Vie romantique: Quiches unter Bäumen

Die beschaulichste Museumsoase der Metropole liegt nur ein paar Schritte vom Pariser Rotlichtviertel entfernt: Das Musée de la Vie romantique entspricht ganz seiner Bestimmung. Versteckt zwischen zwei Wohnhäusern an der Rue Chaptal, in der Nähe der zwielichtigen Etablissements zwischen Place Pigalle und dem Boulevard de Clichy, verbreitet das Haus mit dem gepflasterten Vorplatz eine verblüffend bukolische Atmosphäre.

Einst wohnte hier der Maler Ary Scheffer, der hier die Elite der romantischen Bewegung empfing - Delacroix, Chopin, Dickens. In den der Ära nachempfundenen Salons sind die Werke des gebürtigen Niederländers ausgestellt ebenso wie Memorabilien der Schriftstellerin Georges Sand.

Richtig romantisch ist auch der kleine Garten. Sobald die Jahreszeit es gestattet, werden ein gutes Dutzend Tische auf den Kies geschoben. Umrahmt von Bäumen, Efeu und weinbewachsenem Gemäuer bietet der Platz Entspannung, Kühle, Ruhe - eine "Ecke im Paradies", schreiben die Betreiber über die Atmosphäre zwischen Waldreben, Rosen und Glockenblumen.

Als Erfrischung gibt es hausgemachte Zitronenlimonade sowie eine große Auswahl an Tees. Quiches, Toast, Kuchen, Cookies und Eiscreme gehören zum Angebot im umgebauten Gewächshaus. Das Mittagsmenü kostet 14,90 Euro, mit Quiche und Salat, ein Dessert und Getränk eingeschlossen. Und dann fehlt nur noch ein Kaffee und ein Buch, um in diesem "Hafen der Ruhe" den Nachmittag verstreichen zu lassen.


Un Thé dans le Jardin, Mitte März bis Mitte Oktober, 10 bis 16 Uhr.
Musée de la Vie romantique, montags bis sonnstags geöffnet von 10 bis 180 Uhr, Metro Saint Georges, Pigalle, Blanche. Telefon: 01 5531 9567. Eintritt zur Sammlung (und zum Café) kostenlos.

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8  Bilder
Tour Triangle: Ein Dreieck für Paris


insgesamt 1 Beitrag
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pfzt 23.07.2015
1.
Ein solch lauschiges schönes Plätzchen gibt es auch in Barcelona und zwar das Cafe des Schiffahrtmuseums am Kolumbus Denkmal am Ende der Ramblas am Wasser. Beschauliche Ruhe im Schatten während 50m entfernt die volle Action Barcelonas tobt. Herrlich.
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