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Savoy in London: Treffpunkt von Stars und Königen

Foto: The Savoy

Neueröffnung des Savoy Comeback einer Londoner Legende

Ostentativ, protzig und doch irgendwie edel: Das Savoy in London war der Ort, an dem steinreiche Amerikaner auf den britischen Adel trafen. Nun eröffnet das legendäre Hotel nach dreijährigem Umbau wieder seine Türen - und muss sich gegen starke Konkurrenz behaupten.

Es muss ein ziemliches Spektakel gewesen sein. Der Innenhof des Hotels war mit Wasser geflutet, die Gäste speisten auf einer venezianischen Gondel. Als der Abend dem Höhepunkt zustrebte, erschien ein Baby-Elefant mit einer meterhohen Geburtstagstorte auf dem Rücken. Dazu sang Enrico Caruso "O Sole Mio".

Exzesse wie die "Gondel-Party" des New Yorker Champagner-Königs George Kessler im Jahr 1905 trugen dem Savoy am Londoner Strand  den Ruf des dekadentesten Hotels der Welt ein - lange vor dem Aufstieg von Las Vegas' Glitzerpalästen und den Phantasie-Wolkenkratzern im Mittleren Osten.

An die Legende will das älteste Luxushotel der britischen Hauptstadt nun anknüpfen. Am Sonntag öffnet das Savoy nach dreijährigem Umbau wieder seine Türen. Zum ersten Mal seit seiner Eröffnung 1889 hatte es geschlossen. Selbst während der Bombardierung Londons im Zweiten Weltkrieg war der Betrieb weitergelaufen. Zu den Stammgästen zählte Kriegspremier Winston Churchill, der mit seinem Kabinett im "Savoy Grill" gern zu Mittag speiste.

Die Tische sind immer noch so angeordnet wie damals, die Kellner zeigen dem interessierten Gast den Stammplatz Churchills. Doch sonst ist alles neu, von der marmornen Lobby bis zur Klimaanlage. Der neue Inhaber, Saudi-Prinz Walid Bin Talal, dem auch das George V in Paris gehört, wollte den alten Kasten an der Themse auf den Stand des 21. Jahrhunderts bringen.

Plüschig-englisch oder kühles Art Déco

Fast das gesamte Interieur wurde vor der Renovierung versteigert, selbst der Parkettboden, auf dem einst Marilyn Monroe das Tanzbein schwang. Einige besondere Stücke aus der Vergangenheit können die Gäste nun in einem eigens eingerichteten Museum besichtigen.

Die Komplettsanierung verschlang rekordverdächtige 220 Millionen Pfund - das sind rund 750.000 Pfund pro Zimmer. Dafür erstrahlen die 268 Räume (die Nacht ab 350 Pfund) in neuem Glanz. Die Gäste können zwischen zwei Zimmertypen wählen: plüschig-englisch mit Blümchenvorhängen oder kühleres Art Déco mit Kronleuchtern aus Murano-Glas.

Nach dem Umbau gibt es mehr Suiten mit dem berühmten Themse-Blick, der schon Claude Monet zum Malen inspirierte. Neun Themen-Zimmer sind besonderen Gästen aus der Geschichte des Hauses wie Charlie Chaplin gewidmet. Und in der fünften Etage wurde eine Acht-Zimmer-Flucht eingerichtet, die Royal Suite, die unter anderem mit einem klimatisierten Schuhschrank aufwartet.

Das "Thames Foyer" mit seinen großen Lüstern soll wieder zum geselligen Mittelpunkt des Hotels werden. Das Comeback der Glaskuppel - die alte war im Zweiten Weltkrieg zugemauert worden - verwandelt die Halle in einen spektakulären Wintergarten, in dem die Londoner ihren Cream Tea einnehmen können. Die Tische sind heiß begehrt.

Doch wird das neue Savoy wohl kaum solche Wellen schlagen wie das alte. Als das Original vor 121 Jahren eröffnete, war es eine Sensation. Als erstes Hotel in Europa hatte es private Bäder mit fließend Wasser, elektrische Aufzüge und, wie in Zeitungsanzeigen geworben wurde, "überall und zu jeder Zeit elektrisches Licht". Später sorgte es für Aufsehen, als in jedem Badezimmer ein Telefon installiert wurde.

Einst die erste Adresse für Stars und Könige

Heutzutage werden die Maßstäbe längst von Märchenpalästen im Mittleren und Fernen Osten gesetzt. Und selbst in London ist das Savoy nur noch eine von vielen Luxusadressen. Das Ritz, das Berkeley, das Claridge's, die Liste ist lang - und wird immer länger. Anfang 2011 öffnet das erste Waldorf Astoria in der Stadt, mit einem Schmetterlingshaus in der Lobby und einem Schönheitschirurgen auf Abruf.

Auch hat der Ruf des Savoy in den letzten Jahren arg gelitten - nicht nur wegen der veralteten Einrichtung. Gäste mokierten sich zu Recht darüber, dass Selbstverständlichkeiten wie Internetzugang im exorbitanten Zimmerpreis nicht enthalten waren.

Immerhin kann das Traditionshaus mit seiner Geschichte wuchern. Für einen Großteil des 20. Jahrhunderts war es die erste Anlaufstelle in London für Hollywood-Stars, Milliardäre, Präsidenten und Könige. Vanderbilts und Guggenheims gingen ein und aus, Film-Diva Liz Taylor verbrachte ihren ersten Honeymoon hier. Der junge Guccio Gucci lernte 1897 als Liftboy im Savoy den Geschmack der oberen Zehntausend kennen. Später eröffnete er sein Lederwarengeschäft in Florenz, das zum Gucci-Modeimperium heranwuchs.

Inspiriert von amerikanischen Luxusherbergen, war das Savoy nie ein Haus der einfachen Eleganz. Es war protzig, ostentativ, neureich - all die Attribute, die vornehmen Briten eigentlich zuwider sind.

Und doch avancierte es bald zum Treffpunkt der Londoner Upperclass. König George VI. gab sich 1937 persönlich die Ehre - es war das erste Mal, dass ein Regent zum Essen in ein Restaurant ging. Neun Jahre später zeigte sich die junge Prinzessin Elizabeth hier erstmals öffentlich mit Prinz Philip auf einem Empfang, ein Jahr später heirateten sie. Auch der Krönungsball fand 1953 im Savoy statt.

Dinner am Küchentisch

Den Sinn für Großspurigkeit hat sich das Hotel auch nach der Renovierung bewahrt: Der Teppich im "River Restaurant" hat ein Leopardenfellmuster, und die auf Champagner spezialisierte "Beaufort Bar" scheint mit ihrem üppigem Schwarz und Gold speziell russische Oligarchen ansprechen zu wollen. Der "Savoy Grill", das weniger formelle der beiden Restaurants, wird von Promi-Gastronom Gordon Ramsay betrieben - Fans können den "Chef's Table" direkt in der Küche buchen.

Doch scheinen die großen Zeiten unwiderruflich vorbei. Der Markt ist umkämpfter denn je, und wenn alle herausragen wollen, kann kein Hotel mehr eine Sonderstellung behaupten. Einen der ältesten Wettbewerber hat das Savoy sich übrigens selbst zuzuschreiben. 1898 feuerte der Hotelgründer Richard D'Oyly Carte seinen ersten Manager, weil der unter anderem heimlich den Weinkeller geplündert hatte. Der Mann hieß César Ritz - er gründete einige Jahre später sein eigenes Hotel auf dem Piccadilly.

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