Neues Luxushotel Ein Bett für 15.000 Euro

Das Waldorf-Astoria in New York? Ein alter Hut. Der Burj al-Arab in Dubai? Kennt jeder, zumindest von Bildern. Am Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées öffnet jetzt ein nagelneues Nobelhotel seine Pforten. Allerdings müssen Gäste dort tief in die Tasche greifen. Sehr tief.

Paris - Für den Boden der Empfangshalle wurde Carrara-Marmor verwendet, die Wände sind mit einem schimmernden elfenbeinfarbenen Anstrich und mit Verkleidungen aus dunkelbraunem Holz und Leder versehen. Für exquisites Ambiente sorgen außerdem beigefarbene Plüschpolster, Blätterranken aus goldfarbenem Metall und große gläserne Lüster: So wird das neueste Pariser Hotel der obersten Luxusklasse seine Gäste empfangen, wenn es am Freitag seine Pforten öffnet. Das Hôtel Fouquet's Barrière hat den Anspruch, zu den "Palästen" der Seine-Stadt gezählt zu werden, also zu den wenigen Nobelherbergen, die ihren zahlungskräftigen Gästen jeden Wunsch erfüllen. Seit Jahren boomt der Luxustourismus in Paris. Und der Andrang nimmt zu.

Anders als die sechs etablierten Pariser Übernachtungs-Paläste - Crillon, Meurice, Plaza Athénée, Bristol, Ritz und George V - setzt das Fouquet's Barrière nicht auf historisches Ambiente. Vielmehr will das Haus am Prachtboulevard Champs-Elysées mit moderner Eleganz vor allem junge, trendbewusste und nicht minder zahlungskräftige Gäste anlocken.

"Das Fouquet's Barrière ist der Palast des 21. Jahrhunderts", sagt Hotelsprecherin Paola Arigoni. Bei dem rund 75 Millionen Euro teuren Umbau von fünf benachbarten Gebäuden rund um das Traditionsrestaurant Fouquet's legte die französische Hotelgruppe Lucien Barrière großen Wert auf die Erfüllung modernster Anforderungen. So sei die Schalldämpfung so gut, dass die Gäste auf ihren Zimmern bedenkenlos laute Privatpartys feiern können, versichert Arigoni.

Luxus rechnet sich

Eine Nacht in einem der 107 Fouquet's-Zimmer kostet mindestens 690 Euro. Die kleinsten der in den Grundfarben Gold, Kupfer und Schildpatt gehaltenen Zimmer sind dann aber auch "nur" 40 Quadratmeter groß. Wer es geräumig mag, gönnt sich die "Grande Suite de Paris". Eine Nacht in dem 535 Quadratmeter großen Ensemble kostet den Gegenwert eines Kleinwagens. Doch die Hotelleitung ist offenbar zuversichtlich, dass manche Gäste für eine Nacht in ihrer größten Suite gerne 15.000 Euro hinblättern.

"Der Sektor der Spitzenklasse-Hotels entwickelt sich sehr gut", sagt Olivier Ponti, Leiter der Abteilung Wirtschaftsstatistik des Pariser Tourismusbüros. Die Vier-Sterne-Häuser in Paris haben seinen Angaben zufolge ihre Kapazitäten zwischen 1990 und 2005 um 150 Prozent auf gut 19.000 Betten gesteigert. Die Gäste kommen demnach vor allem aus den USA, Japan und dem Nahen Osten.

Laut der Beraterfirma MKG hatten die sechs Pariser Traditionspaläste mit ihren gerade mal gut tausend Zimmern in den vergangenen zwölf Monaten eine ansehnliche durchschnittliche Auslastung von 77,5 Prozent. Und sie verdienen noch besser an dem Luxusangebot: Die Einnahmen pro verfügbarem Zimmer stiegen im gleichen Zeitraum um knapp 15 Prozent.

Um als Palasthotel zu gelten, komme es vor allem auf den Service an, sagt Arigoni. Im Fouquet's Barrière können die Gäste 24 Stunden am Tag die Dienste eines Butlers in Anspruch nehmen. Und während die Bewohner der billigsten Zimmer sich zu acht einen Bediensteten teilen müssen, steht den Gästen der höheren Preiskategorien ihr eigener Butler zur Verfügung.

Die Traditionspaläste zeigen sich von dem neuen Hotel dennoch demonstrativ unbeeindruckt. "Wir fürchten diese Konkurrenz nicht", sagt Ritz-Sprecher Matthieu Goffard. In Paris gebe es durchaus noch Platz für ein oder zwei Paläste mehr. Auch das 1911 gegründete Plaza Athénée vertraut auf die Ausstrahlung seines guten Namens. "Es ist immer gut, Konkurrenz zu haben," sagt Isabelle Maurin, die Sprecherin des Hauses, in dem Schauspieler wie Sarah Jessica Parker oder Leonardo DiCaprio und andere Schöne und Reiche gern einchecken.

Weitere Konkurrenz lässt nicht lange auf sich warten: Für 2008 plant die Hongkonger Hotelkette Shangri-La die Eröffnung eines neuen Palasts in Paris.

Yvonne Brandenberg, AFP

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