Nordzypern Idylle hinterm Demarkationsstreifen

Die geteilte Inselhauptstadt erinnert bisweilen an das frühere Berlin - überhaupt wartet Zypern mit mancher Spezialität auf. Der türkische Nordteil präsentiert sich als attraktive Mischung aus Natur und Kultur.


Lefkosa - Für Hassan ist die Betreuung von Meeresschildkröten zum Lebensinhalt geworden. Fast rund um die Uhr kümmert er sich am "Golden Beach" auf Nordzypern um die vom Aussterben bedrohten Urtiere. Mit stoischer Ruhe informiert er Besuchergruppen oder einzelne Touristen über die Wichtigkeit seines Anliegens. Menschen wie Hassan ist es zu verdanken, dass die Unechte Karett-Schildkröte noch regelmäßig zum Strand kommt, um ihre Eier in den heißen Sand zu legen. Doch die intakte Natur ist nicht der einzige Grund, den Norden der geteilten Mittelmeerinsel zu besuchen.

Scheue Bergbewohner: Die im Besparmak-Gebirge lebenden Wildesel lassen Menschen nicht näher als 50 Meter an sich heran
Foto: GMS

Scheue Bergbewohner: Die im Besparmak-Gebirge lebenden Wildesel lassen Menschen nicht näher als 50 Meter an sich heran

Rund 150.000 Menschen reisen derzeit jährlich in die Türkische Republik Nordzypern. Allerdings wird der rund 3200 Quadratkilometer große Inselteil mit seinen 200.000 Einwohnern politisch nur von der Türkei anerkannt. Das wirkt sich auch auf die Anreise aus. Der Flughafen Ercan ist nur über einen Zwischenstopp in Istanbul zu erreichen.

Die Teilung der Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil macht sich vor allem in der Hauptstadt Lefkosa - auf griechisch Nikosia - bemerkbar. Vieles erinnert an Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges. Auf der einen Seite patrouillieren die griechischen Soldaten, die andere Seite wird von Nordzyprioten bewacht. In der Mitte liegt der knapp 100 Meter breite Demarkationsstreifen, von dem aus 2000 Blauhelme der Uno-Friedenstruppen das Geschehen beobachten.

Dennoch ist Lefkosa wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt Nordzyperns. Hoch erstreckt sich die von den Veneziern erbaute, 4,8 Kilometer lange Stadtmauer. Von hier oben bietet sich der beste Blick über die Stadt, deren architektonisches Erscheinungsbild von osmanischen Einflüssen geprägt ist - allen voran die imposante Arabahmet-Moschee. Von der Befestigungsmauer ist es nur ein Katzensprung zum orientalischen Basar. Wer hier allerdings um jeden Preis feilschen möchte, ist fehl am Platze. Aufdringliche Händler wird man hier vergeblich suchen. Es herrscht vielmehr eine entspannte Ruhe, die einem genügend Muße zum Stöbern gibt.

Die Teilung Zyperns ist vor allem in der Hauptstadt Lefkosa nicht zu übersehen. Die von den Vereinten Nationen überwachte Demarkationszone bildet die Trennlinie zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Insel
Foto: GMS

Die Teilung Zyperns ist vor allem in der Hauptstadt Lefkosa nicht zu übersehen. Die von den Vereinten Nationen überwachte Demarkationszone bildet die Trennlinie zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Insel

Abseits der Hauptstadt scheint in den Ortschaften und Dörfern im Landesinnern die Zeit still zu stehen. Der Reichtum an historischen Stätten ist fast schon erdrückend. Während eines zweiwöchigen Urlaubs ist die Besichtung kaum zu schaffen. Und alles kann in Ruhe besichtigt werden, denn vom Massentourismus ist die Insel bislang verschont geblieben. Bettenburgen sind hier ebenso unbekannt wie überfüllte, schmutzige Badestrände.

Ein wichtiger Bestandteil der nordzypriotischen Kultur ist auch die typische Landesküche, eine spannende Mischung aus libanesischen, syrischen, griechischen und türkischen Zutaten. Dabei wird nicht so viel Wert auf Frühstück oder Mittagessen gelegt - die Hauptrolle spielt das Abendessen, zu dem sich traditionell die ganze Familie versammelt. Ein gutes Abendmahl wird mit dem "Meze" eröffnet. Bei diesen Vorspeisen werden bis zu zwölf verschiedene kalte und warme Gerichte gereicht. Die Hauptgerichte bestehen aus einem vegetarischen Teil sowie Fisch- und Fleischgerichten.

Auf den Fels gemalt: Patriotische Bekenntnisse zur türkischen Republik Nordzypern
Foto: GMS

Auf den Fels gemalt: Patriotische Bekenntnisse zur türkischen Republik Nordzypern

Die Insel lässt sich am einfachsten mit einem Mietwagen erkunden, der ab rund 50 Mark pro Tag gebucht werden kann. Unterwegs ist allerdings Vorsicht angebracht: Da Gesamtzypern bis 1960 britische Kronkolonie war, herrscht noch heute Linksverkehr auf der Insel.

Wer des Fahrens auf den gut ausgebauten Straßen überdrüssig ist, sollte sein Vehikel stehen lassen und die Naturlandschaften per pedes erkunden. Auf engsten Raum treffen in Nordzypern gegensätzliche Landschaften aufeinander. Neben herrlichen Sandstränden, verträumten Meeresbuchten und steppenähnlichen Ebenen reihen sich einsame Gebirge in ihrer ursprünglich vulkanischen Schönheit ein.

Auf Wanderungen im Besparmak-Gebirge stößt man auf wilde Orchideen, Anemonen und zypriotische Alpenveilchen. Wer Glück hat, begegnet vielleicht einigen verwilderten Eseln. Streicheln lassen sich die fast pferdegroßen Vierbeiner allerdings nicht - näher als etwa 50 Meter lassen sie keinen Menschen an sich heran.

Am Fuße einer mittelalterlichen Burg liegt das Hafenstädtchen Girne, manchmal liebevoll als das "St. Tropez Zyperns" bezeichnet. Rund um die Hafenbucht führt eine Promenade die Spaziergänger an alten Fischerbooten und modernen Yachten vorbei. Die zahlreichen Tavernen und Bars im Hafen laden zum Verweilen ein.

Ein unbedingtes Muss ist auch ein Besuch in Salamis, der einst größten und reichsten Stadt der Insel. Als spektakuläre Zeitzeugen aus der spätrömischen und byzantinischen Vergangenheit wurden bisher das Theater für 15.000 Zuschauer und das Thermen-Gymnasium mit seinen prachtvollen Marmorsäulen freigelegt. Außerdem können die Grundmauern und Fassadenreste von zwei frühchristlichen Basiliken mit ihren berühmten Toilettenanlagen, Thermen und Wasserspeichern besichtigt werden.

Holger Bernert, gms

Informationen

Nordzypern Tourismuszentrum
Baselerstraße 35-37
60329 Frankfurt
Tel. 069-24 00 79 46, Fax 069-24 00 79 48

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