London Die besten Tipps für den Olympia-Urlaub

Naturfreibäder, Klappradtouren, Spaziergänge am Themse-Ufer: Bei den Olympischen Spielen in London kann man Sport nicht nur gucken - mitmachen ist angesagt! Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer gibt Tipps für einen Aktivurlaub - und empfiehlt die exotischsten Kreationen der englischen Küche.

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Herr Nestmeyer, London steht in den Startlöchern für Olympia. Wo können Touristen Wettkämpfe verfolgen, wenn sie keine Tickets ergattert haben?

Im Hyde Park und am Trafalgar Square werden viele Veranstaltungen auf Großleinwänden übertragen. Und in unzähligen Pubs kriegt man während der Fernsehübertragung nicht nur ein kühles Pint, sondern auch eine Portion Olympiafieber serviert.

Aber Athleten hautnah erleben? Geht das ohne Eintrittskarte ?

Wenn der Startschuss für den Marathon fällt, wird die Stadt zur Freiluftarena, denn die Route verläuft durch die Straßen von London. Besucher können sich sogar Sehenswürdigkeiten angucken, während sie den Läufern zujubeln: Die 42-Kilometer-Strecke führt unter anderem vorbei an der St.-Paul's-Kathedrale, am Tower of London und am Buckingham Palace.

Wer lieber selbst aktiv unterwegs ist,...

...sollte London mit einem Brompton erkunden. Die legendären englischen Falträder genießen Kultstatus, lassen sich in kürzester Zeit zusammenklappen und quasi als Handgepäck mit in die Tube nehmen. Für 20 Pfund pro Tag vermietet Velorution in der Nähe der Oxford Street die Räder.

Welchen Stadtteil darf man auf der Radtour nicht verpassen?

Primrose Hill. Mitten in London überrascht die dörfliche Atmosphäre dieses Stadtteils, in dem einst auch Friedrich Engels lebte. Vom namensgebenden Primrose Hill hat man einen herrlichen Blick auf die Innenstadt. Eine athletische Herausforderung ist diese Tour auch: Der Hügel ist etwa 80 Meter hoch.

Und wie stärkt man sich am besten dafür?

Natürlich mit einem Full English Breakfast - es besteht traditionell aus Würstchen, gebratenem Speck, Spiegelei, Grilltomate, Champignons, Brown Sauce, Baked Beans und wahlweise Kippers, einem Räucherhering. Viele Lokale bieten inzwischen aber auch abgespeckte Varianten - und das können Sie wörtlich nehmen: Bei Bill's servieren die Kellner im schmucken Marktambiente auch eine vegetarische Version. Dann ersetzen Hummus und Avocado-Dip die tierischen Teile des englischen Frühstücks.

Umsonst und doch unbezahlbar:

Einen halben Tag durch die Säle des British Museum streifen. Hier können Sie die Elgin Marbles vom Athener Parthenon bewundern oder den Stein von Rosette, mit dessen Hilfe die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen glückte.


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Und wenn in London überraschend die Sonne scheint,...

...dann rein in die Tube und ab in die Natur. Die Hampstead Heath Ponds sind ein beliebter sommerlicher Tummelplatz, doch selbst im Winter gibt es Schwimmer, die sich nicht von ihrem morgendlichen Bad im See abhalten lassen. Es gibt drei Badeseen: einen besonders schönen nur für Frauen, einen mit viel Gay-Publikum nur für Männer und einen für beide Geschlechter. Wer lieber Bahnen ziehen will, kann das am Rande von Hampstead Heath am Lido tun. Das ursprünglich aus den späten dreißiger Jahren stammende Freibad bekam bei seiner Renovierung ein 60 Meter langes Edelstahlbecken verpasst - beheizt ist der Pool allerdings nicht.

Das beste Eis der Stadt ...

... kredenzt Scoop. In inzwischen drei Läden gibt es Eis aus natürlichen Zutaten, fruchtige Sorbets und Milchshakes, eine Filiale befindet sich ein paar Schritte vom Covent Garden entfernt. Unbedingt probieren: die Sorte Green Tea. Die mögen nicht nur teeverliebte Engländer.

Ein Klischee, das nicht stimmt:

Das Gerücht, die britische Küche sei ungenießbar. Wer traditionelle englische Kochkunst auf hohem Niveau kennenlernen will, sollte einen Tisch im St John im Stadtteil Clerkenwell reservieren. Auf dem Menü stehen Kreationen, die auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig scheinen, aber extrem schmackhaft sind: gebratenes Knochenmark auf Vollkornbrot mit Petersiliensalat, Lammherzen mit Kohlrüben oder ein lauwarmer Schweinskopfsalat.

Klingt sehr viel exotischer als die in London so beliebte indische Küche. Wo gibt es das beste Curry?

Die Curry-Junkies pilgern vor allem in die Brick Lane im East End, beispielsweise in das 1971 eröffnete Nazrul, das sich rühmt, das älteste Curry House der Straße zu sein. Oder in das Bengal Village, das für sein scharfes Vindaloo-Lammcurry bekannt ist. Es gibt da richtige Hardcore-Fans, die, sobald bei den anderen Tischgenossen der Mund in Flammen steht und der Schweiß in großen Perlen von der Stirn tropft, nur müde lächelnd entgegnen: "You think that's spicy?"


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Dieses Verkehrsmittel ist ein Erlebnis:

Auf der Heritage-Route 9 zwischen Kensington High Street und Trafalgar Square fahren sie noch, die alten roten Doppeldeckerbusse, bei denen man aufs offene Heck aufspringen kann. Auf der Linie 38, die zwischen Victoria und Hackney verkehrt, wurden kürzlich moderne Exemplare in Betrieb genommen - wer den direkten Vergleich will, kann sich am Hyde Park Corner auf die Lauer legen. Hier treffen sich die Linien 9 und 38.

Wohin für einen Spaziergang?

Obwohl sich London als Themsemetropole rühmt, hat man nur an wenigen Stellen einen direkten Zugang zum Fluss. Doch zwischen Shakespeare's Globe Theatre und der Waterloo Bridge kann man herrlich am Ufer entlang spazieren, Schiffe und Möwen beobachten und die Kathedrale bewundern.

Schöne Aussichten...

...über die Stadt hat man vom fünften Stock der Waterstones-Buchhandlung. Leseratten können sich in dem Literaturtempel am Piccadilly Circus mit neuer Lektüre eindecken, im Café 5th View dann die Nase in die Bücher stecken - und sich beim Umblättern der Seiten vom Ausblick ablenken lassen. Bei schönem Wetter kann man bis zur Westminster Abbey und zum Big Ben gucken.

Die Fragen stellte Julia Stanek

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Dette 18.07.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSNaturfreibäder, Klappradtouren, Spaziergänge am Themse-Ufer: Bei den Olympischen Spielen in London kann man Sport nicht nur gucken - mitmachen ist angesagt! Reiseführer-Autor Ralf Nestmeyer gibt Tipps für einen Aktivurlaub - und empfiehlt die exotischsten Kreationen der englischen Küche. http://www.spiegel.de/reise/staedte/0,1518,843417,00.html
So doll ist London nun auch wieder nicht. Kann es sein, dass der Autor einen netten Retainer erhält für seine Berichterstattung?
porky1 18.07.2012
2. hallo
Zitat von DetteSo doll ist London nun auch wieder nicht. Kann es sein, dass der Autor einen netten Retainer erhält für seine Berichterstattung?
im Artikel werden nur Empfehlungen gegeben, die Stadt wird nicht bis in den Himmel gepriesen. Greenwich sollte man nicht vergessen - da hat man die Themse, einen schoenen Park mit toller Aussicht zusammen mit Museen und klassische Architektur. Vom Embankment kommt man gut per Boot dahin, am Tower und an der City vorbei.
superchango 18.07.2012
3. optional
In der Brick Lane gibt es schon lange keine typisch "bengalischen" oder "bangladeshi" Restaurants mehr, sondern Restaurants die unwissende Londoner und Touristen bedienen. Vor allem die, die ein "Vindaloo-Lammcurry" im "Bengal-Village" bestellen.
dkblue35 18.07.2012
4. Olympia Hype London
Der Bus auf dem letzten Foto ist uebrigens nicht der erwaehnte "moderne" Bus. Das Ding da ist ebenfalls etwas betagt! Bitte Redakteure schaut doch mal in Eurem Archiv nach. Da habt Ihr doch das Bild von dem neuen Doppeldecker. Uebrigens, vergesst den Greenwich Park. Ich wohne direkt gegenueber. Er ist echt schoen und gross. Nur leider ist er bis zum 12. August gesperrt bis auf den Kinderspielplatz und einen kleinen Teil des Flower Gardens. Olympia sei dank! Nicht nur, dass man sich hier wie bei einer Nato Truppenuebung fuehlt, sondern auch gegaengelt wird bei normalen Ausfluegen in der Peripherie. Bin froh wenn der Hype vorbei ist und man endlich wieder normal hier leben kann.
achim68 18.07.2012
5. ...
Zitat von DetteSo doll ist London nun auch wieder nicht. Kann es sein, dass der Autor einen netten Retainer erhält für seine Berichterstattung?
Wenn man London kennt, nicht nur die üblichen Touriziele der Deutschen, wobei es zu wegschreien komisch ist, eben diese zu beobachten, ist es mit Sicherheit die interessanteste Stadt Europas und eine der interessantesten der Welt. Berlin ist ein ziemliches Loch dagegen. Zudem sind die Menschen in London erheblich weltoffener und freundlicher... wenn man selbst das minimalste Benehmen sein eigen nennt. Über die englische Küche breitet man allerdings lieber das Tuch des Schweigens. London hat dutzende erstklassige Sternerestaurants. Meist arbeiten dort eher wenig Briten in der Küche... ;-) Die mit Abstand schönste Stadt ist meiner Meinung nach übrigens Wien. Schön ist London im Gegensatz zu interessant eher weniger.
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