Pamplona Rund 120 Menschen verletzen sich bei Stierhatz

Die Stierhatz in Pamplona ist in vollem Gange: Am zweiten Tag des Spektakels spießten die Bullen zwei der Teilnehmer mit den Hörnern auf. 47 weitere Menschen wurden verletzt. Bis Montag werden jeden Morgen zwölf Tiere durch die Gassen gejagt und in der Arena getötet.


Pamplona - Die von Tierschützern kritisierte Stierhatz in Pamplona zieht jährlich Touristen aus aller Welt an - von denen einige auch unter die Hufen kommen. Am Dienstag, dem zweiten Tag der Veranstaltung, wurden 49 Menschen zumeist leicht verletzt, sie erlitten bei Stürzen Prellungen und Schürfwunden.

Zwei der Teilnehmer wurden jedoch von den bis zu 600 Kilogramm schweren Bullen auf die Hörner genommen und aufgespießt, teilten die Rettungskräfte in der nordspanischen Stadt mit. Ein 31-Jähriger habe sich dadurch eine klaffende Wunde im Oberschenkel zugezogen und musste operiert werden. Für insgesamt fünf Läufer endete das gefährliche Spektakel im Krankenhaus.

Bereits zum Auftakt der Hatz am Montag hatte es rund 70 Verletzte gegeben. Sie war besonders gefährlich, weil sich einer der Stiere von der Herde löste und gezielt auf einzelne Teilnehmer losging.

Ein 37-Jähriger erlitt mehrere Knochenbrüche, eine Brustquetschung und einen Milzriss, teilten die Rettungsdienste. Der Mann sei gestürzt und unter die Hufe geraten. Sein Zustand sei sehr ernst. Auch für zwölf weitere Teilnehmer endete das gefährliche Spektakel im Krankenhaus. Unter ihnen waren Urlauber aus den USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland und Südafrika. Sie zogen sich ebenfalls Brüche sowie Platzwunden zu.

Großen Leichtsinn bewies am Montag ein Tourist, der während der Hatz noch fotografieren wollte. Er wurde von einem der Stiere auf die Hörner genommen und durch die Luft geschleudert, kam aber mit einigen Prellungen davon - die Kamera ließ er keinen Augenblick los. Außerdem kam ein junger Ire ums Leben. Der 23-Jährige stürzte von einer Mauer. Er sei vermutlich betrunken gewesen, teilte die Polizei mit.

Hemingway machte die Hatz berühmt

Als Ehrengast der traditionellen Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzpatrons San Fermín wurde am Dienstag der Enkel des US-Autors Ernest Hemingway von Bürgermeisterin Yolanda Barcina im Rathaus empfangen. John Hemingway ist selbst Schriftsteller und hat ein Buch über seinen Vater herausgebracht.

Dieser hatte die Stierhatz in Pamplona vor 85 Jahren erstmals selbst miterlebt und sie durch seinen Roman "Fiesta" (1926) weltbekannt gemacht. Vor der Stierkampfarena wird er deshalb mit einer bronzenen Büste geehrt. Der Hemingway-Enkel ist seit diesem Jahr Mitglied eines der traditionellen Fanclubs der Stierhatz, die als "peñas" bekannt sind.

Bei dem von Tierschützern kritisierten Spektakel werden noch bis zum 14. Juli jeden Morgen sechs Kampfstiere und sechs zahme Leitochsen durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena gejagt, wo sie abends von Toreros getötet werden. Hunderte wagemutige Männer, die "mozos", rennen auf der 825 Meter langen Strecke vor den Tieren her. Als einzige "Waffe", um die Bullen von sich fernzuhalten, dient ihnen eine zusammengerollte Zeitung.

Während der Rennen kamen seit Beginn der Aufzeichnungen vor 84 Jahren 13 Menschen ums Leben. Zuletzt wurde 1995 ein 22-jähriger Amerikaner von einem Stier durchbohrt.

abl/AP/dpa



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