Paris Mozarts Reiseklavier wird erstmals ausgestellt

Für Mozart-Fans, Klavier-Kenner und Restauratoren avanciert Paris für wenige Tage zum wichtigen Reiseziel: Ab Donnerstag können sie das zierliche Wirth-Pianoforte, das wohl einst Wolfgang Amadeus Mozart gehörte, nahe dem Louvre begutachten.


Paris - Ein Reiseklavier, das wohl einst das legendäre Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart begleitete, ist ab Donnerstag in Paris erstmals zu bestaunen. Das nur 13 Kilogramm schwere Pianoforte aus Kirschbaum- und Nussbaumholz war vermutlich 1786 vom Augsburger Klavierbauer Wirth für den Maestro gefertigt worden und tauchte erst nach mehr als zwei Jahrhunderten wieder auf: Der Wiener Pianist und Restaurator Johannes Carda, ein Experte für historische Klaviere, ersteigerte es 1993 in Chartres. Für ihn ist das Piano ein wahres "Geschenk des Himmels".

Mozarts Reiseklavier: 13 Kilogramm schweres Pianoforte
AFP

Mozarts Reiseklavier: 13 Kilogramm schweres Pianoforte

"Stellen Sie sich nur vor: Ich kaufe eine Stradivari für 23.000 Franc" (gut 3500 Euro) freut sich Carda über seinen sensationellen Fund, den er so mit den fast unbezahlbaren Wundergeigen des italienischen Violinenbauers Antonio Stradivari vergleicht. "In dieser Geschichte ist es das Instrument, das uns ausgesucht hat", fügt seine Frau, die Pianistin Laure Colladant, hinzu.

Das Ehepaar verfrachtete das "Klavierel" mit seinen abnehmbaren Beinen damals erst einmal im Auto zu sich nach Hause in die Normandie. Eine Staubabdeckung enthüllte rasch eine erste Piste: "Augsburg" stand da zu lesen, "Wirth" und das Datum "17.." - vermutlich 1786, wie Carda sagt. Augsburg gilt als deutsche Mozartstadt: Hier stand die Wiege von Wolfgang Amadeus' Vater Leopold Mozart, hier erstand er 1763 beim Klavier- und Orgelbauer Johann Andreas Stein ein Reiseklavier für seinen damals als Wunderkind geltenden Sohn.

Das kleine Pianoforte im Besitz Cardas wurde dagegen von einem Schüler Steins gefertigt und offenbar in den letzten Lebensjahren von Wolfgang Amadeus benutzt. Mozart starb 1791. 1853 wurde das Klavier im italienischen Como repariert; die dortige Werkstatt brachte eine Verzierung und Unterschriften an. In Como hatte einer von Mozarts Söhnen gelebt. In beinahe kriminalistischer Suche und mit Hilfe unter anderem des Salzburger Mozarteums trug Carda jahrelang Indizien zur Geschichte seines Instruments zusammen, hin- und hergerissen zwischen Zweifeln und Aufregung über seinen großen Fund.

Für den Entdecker gehört das kleine Pianoforte mit seinen nur vier Oktaven zum "Welterbe". Beim Kulturerbe-Salon unweit des Pariser Louvre kann sich bis zum Sonntag erstmals auch die staunende Öffentlichkeit ein Bild von Mozarts Reiseklavier machen. Anderen Experten dürfte die Schau Gelegenheit geben, die Echtheit des Instrumentes ganz offiziell festzustellen.

Von Annick Benoist, AFP



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