Partystadt Istanbul Feiern bis zum Morgengebet

Bunte Fußgängerzonen, schmucke Cafés und schillernde Partyclubs: Istanbul vibriert, doch die ganz große Sause beginnt erst, wenn die Sonne untergeht. Ob Reggae oder Pink Floyd, ob Bauchtanz oder Techno: Am Bosporus kommt jeder Partygänger schnell ins Swingen.


Istanbul - Wenn sich die Fangemeinde der Formel 1 Ende August zum Großen Preis der Türkei in Istanbul trifft, hat sie ausreichend Möglichkeit, die Siege ihrer Teams zu feiern. Denn die Millionenmetropole am Bosporus entwickelt sich immer mehr zu einer Party-Stadt. Wenn in den Sommermonaten das Thermometer weit über 30 Grad steigt, essen, trinken und tanzen die Istanbuler im Freien. Vor allem im europäisch geprägten Einkaufs- und Ausgehviertel Beyoglu tobt dann das Leben.

Auf der Istiklal-Straße, einer Fußgängerzone im Herzen Beyoglus, könnte das Publikum kaum bunter sein. Familien bummeln, daneben laufen junge Frauen, die keck ihr neuestes Nabel-Piercing oder Tattoo vorführen. In den historischen Gebäuden reiht sich ein Café an das andere. Dazwischen laden Mode-, Buch- und Musikläden, die die neuesten Hits über Lautsprecher auf die Straße übertragen, zum Bummeln ein.

Auch in den Seitenstraßen der Istiklal Caddesi gibt es unzählige Restaurants und Diskos. Ein traditioneller Treffpunkt ist die Cicek Pasaji, die Blumenpassage, die von der Fußgängerzone abgeht. Dort sitzen die Istanbuler in engen Gässchen oder auf Terrassen und essen Meze. Das sind Vorspeisen wie Kichererbsenpüree, Auberginenpaste, gefüllte Weinblätter, gebratene Leber oder eingelegte Sardinen. Dazu trinken die Einheimischen - islamisches Alkoholverbot hin oder her - türkisches Efes-Bier oder den Anisschnaps Raki, der mit Wasser und Eis verdünnt wird.

Models schwingen die Hüften

Musiker ziehen von Lokal zu Lokal und spielen der trinkfreudigen Gesellschaft auf. Zu später Stunde singen die Gäste melancholische Lieder über eine verlorene Liebe oder über die Schönheit Istanbuls. Wer lange genug wartet, wird auch die eine oder andere Bauchtanzeinlage erleben. Seit Jahren eine In-Adresse ist der "Club Babylon" in Beyoglu. Auf dem Programm stehen Reggae-Nächte, Pink-Floyd-Partys und Konzerte türkischer und ausländischer Musiker. Auch bei Jazzfreunden ist der Club beliebt.

Ein relativ neuer Ausgehtipp ist die Vergnügungsstraße Fransiz Sokak, die Französische Straße. Sie liegt in Beyoglu, hinter der Galatasaray Schule. Investoren kauften hier vor ein paar Jahren historische Häuser in einer alten Gasse auf und verwandelten sie in schmucke Cafés, Restaurants und Galerien. Die reiche Istanbuler Gesellschaft feiert dagegen lieber am Bosporus. Die schönen, romantischen Fischlokale wie das "Iskele" liegen direkt am Wasser. Dieses Restaurant im europäisch geprägten Viertel Yeniköy ist in einer historischen Bootsanlegestelle untergebracht. Auch hier schlemmen die Gäste Vorspeisen und danach gegrillten oder in Salzkruste gebackenen Fisch.

Zwischen all den Cafés und Restaurants am Bosporus liegen die Nobel-Clubs der Stadt. Wer sie nicht findet, kann einfach den großen Limousinen und Sportwagen folgen. Denn diese teuren Schlitten fahren meist direkt vor die Partyburgen wie dem "Reina" oder dem "Anjelique" im Viertel Ortaköy.

Bis Mitternacht wird hier diniert. Danach verwandeln sich die Gourmet-Tempel in vibrierende Clubs - mit grandiosem Ausblick auf die asiatische Seite der Stadt und vorbeifahrende Riesentanker aus aller Welt. Türkische Promis und Models schwingen die Hüften zu Türk-Pop und internationalen Hits. Nach Hause geht die amüsierhungrige Meute erst, wenn der Muezzin zum Morgengebet ruft.

Claudia Steiner, gms



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