Räumungsverkauf im Watergate-Hotel Ansturm auf die Skandal-Herberge

Betten, Sofas, Silberkannen und sogar Toiletten, fast alles muss raus – das Watergate-Hotel in Washington entsorgt alten Hausrat. Auf der Suche nach wertvollen Schnäppchen in dem Haus, das dem Watergate-Skandal seinen Namen gab, stürmen Tausende die Hallen.


Washington - Das skandalumwobene Watergate-Hotel trennt sich wegen einer bevorstehenden Generalüberholung von einem großen Teil seines Inventars. In der Hoffnung auf ein geschichtsträchtiges Schnäppchen in dem Räumungsverkauf drängten sich heute Tausende Menschen in den Fluren des Hotels. "So viel Medienaufmerksamkeit haben wir wohl seit dem Watergate-Skandal nicht mehr bekommen", sagte Hoteldirektor Klaus Peters. "Wenigstens sind es diesmal positive Berichte." Die Preise für den Hausrat reichten von einem Dollar für eine Untertasse bis hin zu 12.000 Dollar (8800 Euro) für ein Ölgemälde aus der Hotellobby - akzeptiert wurde nur Bargeld.

Das Watergate-Hotel hatte dem bislang größten Politskandal in der US-Geschichte seinen Namen geliehen. Ein Einbruch in einem Wahlkampfbüro der Demokraten in dem Komplex im Sommer 1972 setzte eine politische Kettenreaktion in Gang, die zwei Jahre später im Rücktritt des damaligen Präsidenten Richard Nixon gipfelte. Das Luxushotel verhökert nun sein Inventar, um mit der Renovierung noch luxuriöser zu werden. Nur die wenigsten Angebote stammen allerdings noch aus der Nixon-Ära: "Die meisten Hotels werden alle fünf Jahre renoviert. Das einzige Original aus der Skandal-Zeit ist der Tresen der Crescent Bar", sagte Verkäufer Donald Hayes.

Eine nicht repräsentative Umfrage der Nachrichtenagentur AFP ergab, dass sich nicht alle Schnäppchenjäger der historischen Bedeutung der Hotels bewusst waren. "Watergate interessiert mich nicht im geringsten", sagte eine Käuferin bei der Begutachtung von geblümtem Geschirr. "Ich habe ein Haus gekauft und brauche eine Einrichtung." Ein weiterer Käufer sagte: "Vor 30 Jahren ist hier etwas passiert, aber das schert mich nicht. Ich bin hier wegen der günstigen Angebote."

abl/AFP



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