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Marrakesch: Souks, Shopping und Storchennester

Foto: © Rafael Marchante / Reuters/ REUTERS

Reise nach Marrakesch Ruhe jetzt!

Mopedgeknatter und Marktgeschrei tönt durch die Medina. Auf der Suche nach Oasen der Stille müssen Marrakesch-Besucher die Gassen verlassen. Im Hamam können sie sich ordentlich durchwalken lassen - und auf der Dachterrasse eines Riads Storchennester zählen.

Astrid Därr, 35, bereiste alle Erdteile, allein in Afrika 30 Länder. Besonders der Zauber Marokkos lässt sie nicht mehr los, nach Marrakesch zieht es sie mindestens einmal im Jahr. Die Stadt wird auch "Perle des Südens" genannt - warum, verrät Därr im SPIEGEL-ONLINE-Fragebogen.

Frau Därr, wie beginnt der perfekte Tag in Marokko?

Mit einem frisch gepressten Orangensaft. Für umgerechnet 50 Cent gibt es ihn im Café des Epices  am Rahba Kedima, einem kleinen Platz inmitten der Medina (Altstadt), wo allerlei Wunderheilmittel und Gewürze verkauft werden.

Wohin geht es zum Shopping?

Natürlich in die Souks nördlich und südlich des zentralen Platzes Djamaa al-Fna. Hier kann man Lampen, Teppiche, Stoffe und Keramik kaufen, allerdings ist bei den schlitzohrigen Händlern Verhandlungsgeschick gefragt.

Wie lautet die wichtigste Regel?

Den erstgenannten Preis auf mindestens die Hälfte runterhandeln! Wer gleich ein ganzes Fossilienwaschbecken oder größere Mengen an Kunsthandwerk einkaufen möchte, fährt ins Gewerbeviertel Sidi Ghanem.

Wie geht man mit aufdringlichen Händlern um?

Gelassen bleiben! Am besten winkt man mit einem freundlichen "Non, merci!" oder "Shukran" (arabisch für Danke) ab und geht einfach weiter. Wer genervt oder aggressiv auf Verkaufsangebote reagiert, kann das gleiche Verhalten vom Händler erwarten. Das Gespräch mit potentiellen Käufern gehört nun mal zur orientalischen Kultur - man sollte sich davon nicht den Spaß am Bummeln verderben lassen. Im Gegenteil: Mit einem kleinen Scherz löst sich die Situation in Gelächter auf.

Was tun, wenn man von Souks genug hat?

Wie wäre es mit einem Ausflug in Marrakeschs Gärten? Im Jardin Majorelle  wächst eine unglaubliche Vielfalt an Kakteen, Palmen und tropischen Pflanzen zwischen leuchtend blau getünchten Pavillons und Schildkrötenteichen. Allerdings herrscht hier ziemliches Touristengedrängel. In den Agdal-Gärten spaziert man dagegen fast immer allein durch herrlich schattige Olivenhaine.

Wo ist die Aussicht auf die Stadt besonders schön?

Von der Dachterrasse des Gästehauses Riad Aladdin  blickt man direkt in die vielen Storchennester auf der Lehmmauer des El Badi-Palastes. Kurz vor Sonnenuntergang kommen die Störche zurück in ihre Nester geflogen. Ihr lautes Geklapper vermischt sich mit dem Ruf des Muezzins nebenan zu einem berauschenden Schauspiel.

Was macht man, wenn man sich in den Gassen der Altstadt verirrt?

Lassen Sie sich treiben! Wo die Touristenshops aufhören, findet man das authentische Marrakesch mit Tante-Emma-Läden, Garbuden und Handwerkern in winzigen Werkstätten. Wer wieder zurück zum Djamaa al-Fna möchte, fragt die Einheimischen nach "La Place".

Und hier gibt es dann eine Kostprobe der marokkanischen Küche, oder?

Genau. Der Platz der Gaukler und Geschichtenerzähler verwandelt sich jeden Abend in ein riesiges Freiluftrestaurant. An den Grillbuden gibt es neben typischen Gerichten wie Couscous, Tajine (Gericht aus dem Tontopf) und Brochettes (Fleischspieße) auch Hammelhirn und Schnecken.

Wo erholt man sich vom Marktgeschrei und Mopedgeknatter in der Medina?

In einem Hamam, zum Beispiel im Les Bains de Marrakesh . Touristen ohne Berührungsängste lassen sich dort ordentlich durchwalken und mit Olivenseife abschrubben.

Haben Sie noch weitere Wellness-Tipps?

Besuchen Sie den Innenhof eines Riads. Hier duften Orangenbäume, Rosensträucher und der Minztee. Die zu Gästehäusern umfunktionierten traditionellen Hofhäuser in der Altstadt sind Oasen der Ruhe und mit ihren Mosaiken zudem wunderschön. Im Gassenlabyrinth verstecken sich wahre Kleinode, zum Beispiel das Riad Noga , Riyad el Cadi  und Riad Farnatchi . Meistens zwitschern hier Vögel, und es plätschern kleine Brunnen.

Ein ausgefallenes Mitbringsel...

...ist das goldene, nussig schmeckende Arganienöl. Es macht schön und ist gesund. Man sollte es sich aber besser nicht in einer der unzähligen Herboristerien, das sind die traditionellen Apotheken, aufschwatzen lassen. Im Supermarkt ist es günstiger und sicher nicht gepanscht.

Wo gehen Verliebte abends hin?

Zum Kerzenlicht-Dinner in eines der schönsten Restaurants Marokkos: ins Dar Zellij . Im von Arkaden gesäumten Innenhof genießt man Tajine oder Couscous und ein Glas marokkanischen Wein. Danach geht es auf ein Casablanca-Bier auf die Dachterrasse der Kosybar  - mit Blick auf das festlich beleuchtete Minarett der Koutoubia-Moschee.

Die Fragen stellte Julia Stanek