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Spendenaufruf zur Denkmalpflege: Rom bröckelt

Foto: © Stefano Rellandini / Reuters/ REUTERS

Roms 500-Millionen-Euro-Aufruf Es bröckelt, bitte spenden

Touristen lieben Roms Schätze aus Stein. Doch die Monumente bröckeln, Italiens Erbe ist in Gefahr. Nun bittet die Stadt um Spenden - zum Beispiel, um Brunnen von Kot und Algen zu befreien.

"Es tut immer zweimal weh, wenn auch nur das kleinste Monument verfällt", sagte Roms Übergangsbürgermeister Francesco Paolo Tronca, als er seinen Plan für die Restaurierung der historischen Schätze in Italiens Hauptstadt vorstellte. Es tue weh, weil so ein marodes Bauwerk "eine offene Wunde" sei, und es tue weh, "weil es geschlossen werden muss und damit für die Römer und die Touristen versperrt bleibt".

Zusammen mit Claudio Parisi Presicce, dem Beauftragten für das Kulturerbe in Rom, stellte sich Tronca am Dienstag auf dem Kapitol vor Journalisten hin und sagte: "Um das historische Erbe unserer Stadt zu erhalten, brauchen wir 500 Millionen Euro."

In Anbetracht der Dichte an Denkmälern, Kirchen und anderen Schätzen aus Stein, die Rom zu bieten hat, staunt man nicht über die Höhe der genannten Summe. Bemerkenswert war eher, wie offensiv der Politiker dazu aufforderte, Geld für die Restaurierung Roms zu spenden.

"Ich wünsche mir, dass unser Vorschlag um die Welt geht und ein wenig Aufsehen erregt", sagte Tronca laut der italienischen Zeitung "Il Sole 24 Ore". Es gehe ihm um "das Wohl Roms". Firmen und Bürger sollten dazu beitragen, das Forum Romanum, den Circus Maximus und andere weltberühmte Stätten zu erhalten. Das mit zwölf Milliarden Euro verschuldete Rom sieht sich selbst nicht in der Lage, für den Erhalt all seiner Kulturgüter zu sorgen.

Wünschenswert wäre eine Frischzellenkur für Italiens Hauptstadt auf jeden Fall. Unter den zu sanierenden Objekten sind unter anderem 574 archäologische Stätten, fünf historische Plätze, auch kleinere Straßen und Wege sowie 80 Brunnen. Um letztgenannte zu restaurieren, benötigt die Stadt allein mehr als zehn Millionen Euro.

Kot, Algen, Moos im Brunnen

Für die beträchtliche Brunnenverschönerungsoffensive hatte die Stadt bereits im Herbst 2015 einen umfassenden Plan im Internet veröffentlicht  (nur auf Italienisch). Wer die Liste studiert, erfährt nicht nur, welche Exemplare eine Erneuerung am nötigsten haben, sondern auch viel Wissenswertes zu den einzelnen Brunnen: Baujahr, Material, historische Details, Konservierungsstatus sowie den geschätzten Kosten- und Zeitaufwand für die Restaurierung. Die Einträge und die Fotos zeigen den teilweise desolaten Zustand der Bausubstanz. Drei Beispiele.

  • Die Fontana della Botte in der Via della Cisterna ist mit Graffiti beschmiert. Geschätzte Sanierungskosten: 15.000 Euro.
  • Die Fontana di Piazza d'Aracoeli direkt vor dem Vaterlandsaltar im Zentrum Roms kam zuletzt vor 40 Jahren in den Genuss von Konservierungsarbeiten. Am 1589 erbauten Brunnen seien unter anderem die Adelswappen zersplittert, Algen hätten sich abgelagert und es fehlten Teile in der Stuckatur. Geschätzte Sanierungskosten: 300.000 Euro.
  • Bei der Fontana di Piazza Santa Maria in Trastevere fällt das Urteil zum Zustand besonders schlecht aus: "miserabel." Große Teile der Statue seien komplett verkalkt. Marmor und Travertinstein seien mit einer "schwarzen Kruste" überzogen, mit Moos bewachsen oder mit Kot von Tieren beschmiert. Auch Vandalismus sei ein Problem. Weil ständig Leute am Brunnen sitzen, "gibt es zahlreiche Schrammen und Kratzer". Geschätzte Sanierungskosten: 320.000 Euro.

Bei der Präsentation des Sanierungskonzepts nannte Tronca weitere Beispiele für die hohen Kosten, die anfallen, um die Kulturgüter vor dem Verfall zu bewahren: Eineinhalb Millionen Euro bräuchte es allein, um die drei kleinen Pavillons in der Villa Aldobrandini zu restaurieren, einem wunderschönen, versteckten Park mitten im Zentrum. Neben diversen größeren Projekten hat Tronca aber auch für weniger solvente Rom-Liebhaber etwas auf seiner 500-Millionen-Euro-Liste: Unkrautjäten für 300 Euro an der Trajanssäule.

Millionenspenden der Luxusmarken

Die Tageszeitung "Il Sole 24 Ore" nannte Troncas Aufruf einen "Appell an die italienischen und internationalen Dagobert Ducks". Ob sich genügend Millionäre und spendierfreudige Mäzene finden lassen, sei nach dem Korruptionsskandal in der Stadtverwaltung allerdings nicht sicher, räumte Tronca ein. Der Sizilianer verwaltet Rom seit dem Rücktritt von Ex-Bürgermeister Ignazio Marino kommissarisch.

Bei seinem Amtsantritt im November hat er sich dazu verpflichtet, die ewige Stadt vor dem Zerfall zu bewahren - kulturell, aber auch im Kampf gegen die Korruption. Die "Süddeutsche Zeitung"  charakterisierte den 63-Jährigen in einem Porträt so: "Von Tronca heißt es auch, er lebe erst richtig auf, wenn rund herum alles auseinanderfalle, wenn niemand mehr an ein Gelingen glaube. In Notfällen, nach Katastrophen, bei Großereignissen."

Rom fällt zwar nicht komplett auseinander. Aber manch ein Denkmal, manch ein Museum hätte sicherlich etwas mehr Liebe - oder eine saftige Finanzspritze verdient. Bislang hatten vor allem Luxusmarken der klammen Stadt unter die Arme gegriffen. Die italienische Modefirma Fendi hatte die Restaurierung des berühmten Trevi-Brunnens finanziert. Edel-Juwelier Bulgari lässt die Spanische Treppe wieder herrichten und der Taschen- und Schuhhersteller Tod's übernimmt die Renovierung des Kolosseums.

Auf der aktuellen Wunschliste der römischen Kommunalregierung steht derzeit auch die Verschönerung der Kaiserforen, deren Illumination bereits der Konzern Unilever finanziert hat. Tronca persönlich wünscht sich vor allem, dass das Augustusmausoleum in einen Zustand versetzt wird, der den Besuch gestattet. "Ich habe es noch nie offen gesehen", sagte der Interimsbürgermeister laut dem "Corriere della Sera". "Hoffen wir mal, dass es bald so weit ist."

Die Chancen stehen nicht schlecht. Die italienische Telecom-Stiftung hat eine stattliche Summe für die Sanierung locker gemacht. Bald würden sechs Millionen Euro dafür fließen, sagte der Kulturbeauftrage Parisi Presicce am Dienstag. Vielleicht wird Tronca die Grabstätte des ersten römischen Kaisers bald etwas genauer betrachten können.

Mit Material von dpa

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