Kein Hindernis zu weit: Die Golden-Gate-Brücke, das Tor zu San Francisco, in den Fünfzigerjahren
Kein Hindernis zu weit: Die Golden-Gate-Brücke, das Tor zu San Francisco, in den Fünfzigerjahren
Foto: Anonymous / William Rauum Photo Archiveity

Metropole im Wandel San Francisco, Stadt der Entgrenzung

In San Francisco lernte der Mensch seine Grenzen zu überwinden – ob mithilfe von Brücken, Sex oder LSD. Das zeigt ein neuer Bildband, der unseren Autor zu einer historischen Stadtführung in 14 Kapiteln inspiriert hat.
Von Guido Mingels

Fast vier Kilogramm schwer, 480 Seiten dick, mit Hunderten Fotos: Ein neuer Bildband aus dem Taschen-Verlag unterstreicht die große Bedeutung der erstaunlich kleinen Stadt San Francisco schon mit seinen Dimensionen. »San Francisco, Porträt einer Stadt«  führt den Leser und Betrachter vom Goldrausch Mitte des 19. Jahrhunderts über das große Erdbeben von 1906 und den Wiederaufbau der Stadt bis zu den großen sozialen und künstlerischen Entwicklungen der Beatniks, Hippies und der Schwulenbewegung. Das Buch weist San Francisco als einen globalen Hauptschauplatz des menschlichen Drangs aus, Grenzen zu sprengen, seien sie technischer, politischer, sittlicher oder künstlerischer Art. Im aktuellen Jahrtausend vollzog die Stadt an der Bay dann eine erneute Metamorphose, hin zur Welthauptstadt der Computer- und der Zukunftsindustrie. Dass San Francisco am Rande einer tektonischen Platte gebaut ist und die Menschen hier deshalb schon immer mit dem möglichen Untergang lebten, erklärt vielleicht bis heute ihre besondere Risikobereitschaft und Innovationsfreude, ihre Konzentration auf das Leben im Jetzt.

1. Die Brücke aller Brücken

Foto: Anonymous / William Rauum Photo Archiveity

Die Golden-Gate-Brücke, die San Francisco nach Norden mit dem Marin County verbindet, ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt an der großen Pazifikbucht in Nordkalifornien, sondern auch eines der am häufigsten abgebildeten Bauwerke der USA, ja der gesamten Welt. Die 1937 eröffnete, elegant geschwungene, über 2700 Meter lange Hängebrücke ist bleibendes Symbol für den Fortschritt und für die Fähigkeit des Menschen, Hindernisse zu überwinden. Sie ist gleichzeitig das Tor zur Bucht von San Francisco, wie auch, sinnbildlich, zur Westküste der USA im Allgemeinen.

Mitten in der Weltwirtschaftskrise geplant und erbaut, steht sie gemeinsam mit der nur ein Jahr zuvor eröffneten Bay Bridge, welche die Stadt mit Oakland und Berkeley in der East Bay verbindet, für die Expansion San Franciscos über seine natürlichen Grenzen hinweg und hin zu einer neuen Blüte, wie sie aus der obigen Aufnahme aus den »goldenen« Fünfzigerjahren spricht. Anders als andere wichtige amerikanische Metropolen ist das Stadtgebiet San Franciscos im Grunde kaum mehr als eine große Kleinstadt. Sie hat heute weniger als eine Million Einwohner (880.000) und ist bloß gut zehn Kilometer lang und breit. Erst ihre Brücken ins Umland sowie das südlich angrenzende Silicon Valley machen die Stadt zu einer Zehn-Millionen-Urbanregion, die bis San José reicht.

2. Die Erde bebt, und sie lachen

Foto: Arnold Genthe / Project and Fine Arts Museums of San Francisco

Kaum gebaut, schon wieder zerstört: Am 18. April 1906 wurde San Francisco von einem Erdbeben der Stärke 7,9 heimgesucht. Die schlimmsten Schäden entstanden dabei nicht durch die Erschütterung selbst, sondern durch das folgende Großfeuer, ausgelöst durch gebrochene Gasleitungen. Auf diesem erstaunlichen Foto, das offenbar in einer frühen Phase des Unglücks aufgenommen wurde, lachen die beiden Damen noch, die der Fotograf Arnold Genthe zufällig ins Visier nahm. Genthe schrieb später in einem Erinnerungsbuch, dass vielen Menschen an jenem Tag überhaupt nicht bewusst war, »dass das sich durch die Stadt fressende Feuer auch ihr Zuhause erreichen würde«.

Anzeige
Unterberger, Richie

San Francisco. Portrait of a City

Verlag: TASCHEN
Seitenzahl: 480
Für 50,00 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Rund 80 Prozent der Stadt wurden Opfer der Flammen und des Bebens, 3000 Menschen starben, 250.000 wurden obdachlos, mehr als die Hälfte der damaligen Bevölkerung. Nur Ruinen blieben übrig von einer jungen Metropole, die zuvor in nur einem halben Jahrhundert des explosiven Wachstums seit dem Goldrausch zu einer der größten Städte der USA geworden war. Nun, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, musste San Francisco von vorne beginnen. Und schaffte das in Rekordzeit: 1915 wurde das neue Rathaus eingeweiht, und im gleichen Jahr fand auch die Weltausstellung Panama-Pacific-Exposition statt, die auch die Fertigstellung des Panamakanals im Jahr zuvor feierte. Der Durchstich für die Schifffahrt in Mittelamerika veränderte auch die geoökonomische Lage San Franciscos und erhöhte die Bedeutung seines Hafens enorm.

3. Maske auf, es ist Pandemie!

Foto: H.H. Dobbin / California History Room, California State Library

Und es ist über 100 Jahre her. Im Herbst 1918 erreichte die Grippepandemie, die um die Welt rollte und dabei Millionen Opfer forderte, auch San Francisco. Auf diesem Bild ermahnt ein Polizist einen Bürger noch recht freundlich, eine Maske aufzusetzen, aber offenbar kam es auch zu Hunderten Verhaftungen in der Stadt, weil Bewohner die Masken falsch oder gar nicht trugen – man ging also drastischer vor als ein gutes Jahrhundert später während der aktuellen Coronapandemie. San Francisco war 1918 mit 45.000 Fällen und 3000 Toten die am stärksten betroffene Stadt der USA. Insgesamt erlagen nach Schätzungen rund 675.000 Menschen im Land der tödlichen Grippewelle. Erstaunlicherweise haben aber die Verheerungen des gegenwärtigen Coronavirus jene der »Spanischen Grippe« in den USA bereits hinter sich gelassen: Die aktuelle Todeszahl nähert sich landesweit mit mehr als 900.000 der Millionengrenze.

4. Als der Westen noch wild war

Foto: Peter Fetterman Gallery

»Barbary Coast«, Barbarenküste, war der Name des Rotlichtviertels in San Francisco während der Zeit des Gold Rush in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Begriff diente noch in den 1950er-Jahren als Name eines Nachtklubs im Viertel North Beach, wie auf dem Bild ersichtlich. Es war auch der Titel eines Romans von Herbert Asbury aus dem Jahr 1933, der das weitgehend gesetzlose, von Korruption und Prostitution geprägte Wild-West-Leben in den frühen Jahrzehnten der Glücksritterstadt nachzeichnete. Bis zur Ankunft Zehntausender Goldsucher, die San Francisco ab 1848 als ideale Ausgangsbasis für ihre Touren weiter nördlich auserkoren, war der Ort auf einer Halbinsel am Pazifik wenig mehr als ein Dorf gewesen. Heute, im 21. Jahrhundert, trägt eine schicke Cannabis-Lounge im szenigen Mission District den Namen »Barbary Coast« – und versucht damit anzuknüpfen an San Franciscos Tradition als Experimentallabor für Sex und Substanzen aller Art.

5. Stadt des Windes, Stadt des Nebels

Foto: Fred Lyon / Peter Fetterman Gallery

Hier hält der Fotograf Fred Lyon 1953 gleich dreierlei in einem Bild fest: Erstens, die Eleganz seiner Frau Anne Lyon, die im Viertel Nob Hill in ihren Riley steigt. Zweitens, die teils furchterregende, achterbahnartige Abschüssigkeit von San Franciscos Straßen, auf denen es immer irgendwie hoch und runter geht, wobei manche Wege so steil sind, dass man als Fußgänger beim Hochlaufen die Ferse kaum auf den Gehsteig kriegt. Drittens, den Wind, der in der Stadt leider genauso heimisch ist wie der Nebel, der San Francisco sehr oft auch im Sommer in dichtes, kaltes Grau hüllt. Das Kalifornien-Klischee vom ewigen Sommer unter Palmen stammt jedenfalls nicht aus San Francisco. Und wie die Rockband »The Animals« in den Sechzigerjahren auf die Idee kam, in einem ihrer Hits schwärmerisch von »warmen San-Francisco-Nächten« zu singen, bleibt ihr Geheimnis. Der Nebel, übrigens, ist in San Francisco so präsent, dass die Bewohner ihm einen eigenen Namen gegeben haben: »Karl«. Karl, the fog. Warum, weiß niemand.

6. Um Geld dreht sich die Welt

Foto: Slim Aarons / Getty Images

Audrey Hepburn, Film- und Theaterstar, lässt sich in den Fünfzigerjahren auf der Party eines wichtigen Kunstmäzens der Stadt blicken, Whitney Warren Jr. (mit Fliege), seinerseits Abkömmling einer wohlhabenden New Yorker Dynastie. In San Francisco hatten Luxus und ungezügelter Reichtum schon lange eine Heimstatt, nachdem bereits die frühen Eisenbahnbarone ihre opulenten Villen in die besten Hügellagen der Stadt gesetzt hatten. Noch im letzten November, 2021, feierte das alte amerikanische Großkapital in San Francisco eine sagenhaft prunkvolle Hochzeitsparty , als Ivy Love Getty, Urenkelin von J. Paul Getty und somit eine der Erbinnen der Getty-Öldynastie, zur Vermählung schritt, wobei keine Geringere als Nancy Pelosi, die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses und mächtigste Politikerin des Landes, die Zeremonie abhielt. Das Geld liebt San Francisco, San Francisco liebt das Geld.

7. Weiß, weißer, San Francisco

Foto: Imogen Cunningham / Imogen Cunningham Trust

Ein Paar in der »Coffee Gallery«, 1960. Die Stadt an der Bay gilt heute als liberalste und politisch progressivste Metropole der USA, fest in der Hand der Demokraten. Doch sie ist gleichzeitig auch eine der weißesten Städte Amerikas, mit einem Anteil von nur rund sechs Prozent Schwarzen. Das hat vor allem mit der Entwicklung der Wohn- und Lebenshaltungskosten zu tun, die in San Francisco besonders in den vergangenen zwei Jahrzehnten enorm gestiegen sind, wodurch die Stadt zu einer der teuersten des Landes und der Welt geworden ist.

Das war nicht immer so: In den 1940er-Jahren waren zehntausende Afroamerikaner aus den Südstaaten in die Stadt gezogen, der Jobs in der Rüstungsindustrie wegen. So wurde das Viertel Fillmore schnell zu einem Mittelpunkt der schwarzen Kultur, das wegen seiner vielen Jazzbars den Namen »Harlem des Westens« erhielt. Im Buch finden sich auch großartige Fotos von Jazzlegenden wie Thelonious Monk, Duke Ellington oder Dexter Gordon bei Aufenthalten in der Stadt.

Es ist kein Zufall, dass in Oakland, San Franciscos »armer Schwester« jenseits der Bucht, die schwarze Protest- und Bürgerrechtsbewegung eines ihrer historischen Zentren hat. Hier wurde in den 1960er-Jahren die Black Panther Party gegründet, und es ist heute einer der Hauptorte der »Black Lives Matter«-Organisatoren – und auch der Geburtsort von Kamala Harris, der ersten schwarzen Vizepräsidentin der USA.

8. Im Frühling vor dem Sommer der Liebe

Foto: Bob Willoughby / Redferns

Erkennen Sie die Dame in der Mitte, vor der Säule? Es ist Janis Joplin, damals noch Sängerin der San-Francisco-Band »Big Brother & the Holding Company«, die hier im Fairmont Hotel eine Filmszene dreht. Joplin wurde kurz darauf nach einem Auftritt beim Monterey Pop Festival zum Superstar und zu einer der Symbolfiguren der amerikanischen Hippie-Bewegung und des »Summer of Love«, 1967, dessen Hymne allerdings von Scott McKenzie stammt: If you′re going to San Francisco / be sure to wear some flowers in your hair. Den Sound der Befreiung lieferten Psychedelic Rock Bands aus der Bay Area wie Grateful Dead, Jefferson Airplane oder Country Joe & the Fish. Die Bewegung der Studentinnen und Studenten, die ihnen zuhörten, war halb politisch, gegen den Vietnamkrieg, und halb hedonistisch, für LSD und freie Liebe.

9. Eine WG-Party bei Jerry Garcia

Foto: Linda McCartney / Paul McCartney

Mitglieder der Band Grateful Dead posieren in den Sechzigerjahren vor dem Eingang ihres gemeinsamen Zuhauses an der Adresse 710 Ashbury Street. Das Viertel Haight-Ashbury war damals das Zentrum der Hippie-Bewegung, und die Band um Gitarrist und Sänger Jerry Garcia gab regelmäßig Gratiskonzerte im nahen Park. Dandy-Literat Tom Wolfe hat bald darauf in seinem Reportage-Buch »The Electric Kool Aid Acid Test« (1968) ein atemloses Porträt der kalifornischen LSD-Party-Szene veröffentlicht. Auch der legendäre Beatnik-Poet Allen Ginsberg gehörte zur Szene – und er fehlt natürlich auch im vorliegenden San Francisco-Bildband nicht, ebensowenig wie sein Mitstreiter Lawrence Ferlinghetti oder der genial-schrullige Comic-Zeichner Robert Crumb, der damals ebenfalls in der Stadt lebte und sie zur Bühne seiner gnadenlosen Satiren machte.

Das Buch kann mit seinen vielen Zeugnissen von San Franciscos ebenso exzentrischer wie dynamischer Flower-Power-Blütezeit etwas wehmütig stimmen, ist doch wenig davon übrig geblieben. Heute stapfen fast nur noch Touristen durch Haight-Ashbury, an dessen Straßen sich Souvenirshops und Billigmodeläden reihen, auf den Gehsteigen liegen Obdachlose. Die Musiker und Lebenskünstlerinnen aller Art haben San Francisco weitgehend verlassen, weil sie sich die Stadt schlicht nicht mehr leisten können. Die Gegend an der Bay schickt heute kulturelle und gesellschaftliche Impulse anderer Art um die Welt, indem die hier beheimatete Digitalindustrie vorgibt, wie wir kommunizieren, uns informieren und uns unterhalten.

10. Liebe und tu, was du willst

Foto: Daniel Nicoletta

Seit den frühen Siebzigerjahren und bis heute ist das Castro-Viertel ein Zentrum schwulen Lebens. Auf diesem Foto drängen sich Menschen in den Straßen bei der Castro Street Fair, 1976. Echte politische Bedeutung erlangten Homosexuelle in der Stadt, als der charismatische Aktivist und Bürgerrechtler Harvey Milk als erster offen schwuler Politiker San Franciscos in den Stadtrat gewählt wurde. Nur fünf Monate später, am 27. November 1978, wurde er ermordet, worauf am selben Abend Zehntausende vom Castro zum Rathaus zogen, um Milk zu gedenken.

San Francisco gilt auch als einer der Geburtsorte der Gay-Pride-Paraden, wie es sie heute in vielen Städten und Ländern gibt. Die erste Schwulenparade San Franciscos fand 1970 statt und hier wurde 1978 auch die Regenbogenfahne erfunden, die zum internationalen Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung wurde. Längst gilt das jährliche stattfindende, zweitägige San Francisco Pride Festival als größte Party der Stadt.

11. Im Takt der Natur

Foto: Imogen Cunningham / Imogen Cunningham Trust

Diese betörende Aufnahme der Fotografin Imogen Cunningham gibt durch windgepeitschte Bäume hindurch den Blick frei auf Ocean Beach, den Stadtstrand San Franciscos. Während der Fotoband sich zurecht auf Menschen und ihre Bauwerke konzentriert, soll nicht vergessen gehen, dass San Francisco aufgrund seiner Lage vielleicht stärker von der Natur geprägt und begrenzt ist als jede andere bedeutende amerikanische Stadt.

Der unfreundlich kalte Pazifik und die wenigen Sandabschnitte zwischen schroffen Felsküsten erlauben nur bedingt ein urbanes Strand- und Badeleben, das in erster Linie den Surfern in ihren kälteresistenten Anzügen gehört. Das Mikroklima der Bucht versorgt die Stadt mit ihrem eigenen, fast jahreszeitlosen, gleichbleibend kühlen Wetter. Im unmittelbaren Umland der Stadt schließen sich dramatische, ungemütliche Landschaften an, so das raue Küstengebirge des Marin County direkt hinter der Golden Gate Bridge, wo in den Muir Woods auch die gigantischen Redwoods-Baumriesen stehen. Es gibt viele Gründe, sich klein zu fühlen in San Francisco.

12. Die Straßen von San Francisco

Foto: ABC / Photofest

Die Krimiserie »The Streets of San Francisco«, 1972 bis 1977 entstanden, lief ab 1974 auch im ZDF. Sie lancierte dabei nicht nur die Karriere des jungen Michael Douglas, der ebenso wie sein Partner Karl Malden einen Detektiv der Mordkommission spielte. Man darf annehmen, dass die Serie mit ihren vielen Verfolgungsjagden entlang aller erdenklichen Kulissen der kalifornischen Metropole auch die Stadt San Francisco bei einem breiteren globalen Publikum als Sehnsuchtsort ins Bewusstsein gerückt hat. Unvergessen ist auch die mitreißende Musik zur Serie, insbesondere die markante, die Atmosphäre moderner Großstadtstraßen evozierende Titelmelodie. Während die Krimiserie hierzulande sicherlich die bekannteste Filmproduktion mit San-Francisco-Hintergrund ist, so gibt es zahlreiche weitere Klassiker, die die Stadt zum Schauplatz gemacht haben – etwa Hitchcocks »Vertigo«, die großartige Slapstick-Komödie »What’s up, Doc?« mit Barbra Streisand oder »Mrs Doubtfire« mit Robin Williams.

13. Als Big Tech laufen lernte

Foto: Steve Ringman / Hearst Newspapers / Getty Images

Auf der ersten Macworld-Computermesse im Jahr 1985 in San Francisco betrachten Besucher einige frühe Apple-Produkte. Die Firma, von Computerpionier Steve Jobs mitgegründet, sollte in der Folge zu einem der führenden Tech-Unternehmen weltweit werden, wobei Jobs und Apple auch maßgeblich dazu beitrugen das südliche Hinterland von San Francisco um die damals noch verschlafenen Orte Palo Alto, Mountain View oder Cupertino als Zentrum der aufkommenden Digitalindustrie zu etablieren, das heutige Silicon Valley. Hier residieren heute neben Apple weitere globale Riesen wie Google, Facebook, Intel, Salesforce, Tesla und hunderte mehr, in deren Umfeld tausende Start-ups wachsen und wieder verschwinden. Deren Hunderttausende Angestellte wiederum, die weltweit rekrutierten »Techies«, dominieren heute nicht nur das Stadtbild von San Francisco, sie verdrängen mit ihrer Kaufkraft auch viele Familien der Mittelschicht. Mieten in der Stadt kosten mehr als das Dreifache des nationalen Durchschnitts.

»Noch nie«, so schrieb die Zeitschrift »Atlantic« 2019, »gab es einen Ort wie San Francisco, an dem ein einziger Industriezweig, der sich fast ausschließlich aus reichen Menschen zusammensetzt, die lokale Wirtschaft völlig dominiert.« Wenn Taschens »San Francisco – Portrait of a City« eine Schwäche hat, dann die, dass es die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts, als San Francisco zur Tech-Hauptstadt der Welt wird, zu wenig abbildet. Das Buch ist damit über weite Strecken auch ein Brevier des Verschwindens: Sehr vieles, zu vieles, das diese Bilder festhalten, gibt es in San Francisco nicht mehr.

14. Das abgelöste Wahrzeichen

Foto: Albert Watson

Die Transamerica Pyramid, 1972 eröffnet, ist zwar noch da, wurde aber 2018 als höchstes Gebäude San Franciscos abgelöst. Seither dominiert der gläserne Hauptsitz des Firmensoftware-Giganten Salesforce die Skyline der Stadt. Was eine gute Metapher ist für die vollendete Eroberung San Franciscos durch die Tech-Industrie.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.