Tipps für den Städtetrip Schietwetter? Spitzenbilder!

Graue Wolken als dramatische Requisite, Pfützenfotos für Instagram: Die Hamburgerin Susanne Krieg findet Regentage perfekt, um mit der Kamera loszuziehen. Fünf Tipps für wetterfeste Stadtentdecker.

Susanne Krieg

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Düstere Wolken über der Hafenkante. Nieselregen, Platzregen. Nebel. Nie im Leben käme Susanne Krieg jetzt auf die Idee, zu Hause zu bleiben. Im Gegenteil. An Tagen wie diesen steigt die Hamburgerin begeistert in ihre roten Gummistiefel, zieht den Reißverschluss ihrer gelben Regenjacke zu bis unters Kinn und steckt das Wichtigste in die Außentasche: das Smartphone mit viel Speicherplatz für neue Fotos.

Um Pfützen macht die 44-Jährige keinen großen Bogen, sondern beugt sich mit der Kameralinse dicht drüber, um interessante Spiegelungen zu finden. Schwere Wolken sind ihr eine willkommene Requisite. Regentropfen die Zutaten für Fotoexperimente. Und: "Endlich hat man Platz! Orte, an denen man sich bei Sonnenschein durch die Massen kämpfen oder sich in endlosen Schlangen anstellen muss, sind bei Schietwetter wie leer gefegt."

Seit drei Jahren sucht Krieg alias Frau Elbville in ihrer Stadt immer wieder nach neuen Perspektiven und unbekannten Fotospots - und scheut auf der Motivsuche eben auch kein Schmuddelwetter. Auf Instagram und ihrem Blog gibt sie unkonventionelle Tipps für Touristen und Einheimische. Mit ihrem neuen Buch "Hamburg fotografieren" lotst sie Leser und Leserinnen auf zehn vielseitigen Touren durch die Hansestadt. Und nicht wenige Bilder darin zeigen, wie gut Grau und Regen sich auf Bildern machen.

Natürlich liebt Krieg Hamburg auch bei Sonnenschein. "Auf fotografischer Ebene kann ich dem Schietwetter aber einiges abgewinnen. Eine regennasse Stadt ist nicht grau, sie glänzt und leuchtet", findet sie. Und das gilt natürlich nicht nur für Hamburg - sondern für alle Städte.

Hier sind Frau Elbvilles Tipps, wie man an herbstgrauen Tagen aus Städten das Beste herausholt.

1. Spieglein, Spieglein auf dem Boden

Susanne Krieg

"Ein Puddlegram ist die Kunst, eine Pfütze (englisch: "puddle") und ihre Spiegelung in Szene zu setzen. Für ein perfektes Ergebnis muss man mit der Linse oft sehr nah ran an die Wasseroberfläche und eine etwas unbequeme Körperhaltung einnehmen. Das geht mit einem handlichen, leichten Smartphone wesentlich besser als mit einem Fotoapparat samt schwerem Objektiv.

Auf Instagram hat Pfützenkunst sogar einen eigenen Hashtag: #puddlegram. Zu meinen eigenen Pfützenfotos hat mich vor allem der Hamburger Kay Palapies inspiriert.

Hier an der Elbe warten vor allem die Landungsbrücken mit super Wasserlachen auf. Durch das Anlegen der Hafenfähren schwappt immer wieder Elbwasser auf die Brücken, sodass es sogar bei schönem Wetter kleine Seen gibt. Herrlich."

2. Endlich Drama

Susanne Krieg

"Für mich sind Wolken auf Fotos oft die viel schöneren Requisiten als gleißende Sonne - einer von vielen Gründen, weshalb schlechtes Wetter einfach bestes Fotowetter ist.

Cirrus, Cumulus, Stratus oder Nimbus haben meinen Fotos schon oft einen vorteilhaften Effekt beschert. Mit einem wolkenlosen Himmel sehen viele Motive langweilig aus. Dicke, dunkle Wolken hingegen erzeugen Drama und Dynamik. Und manchmal fängt man sogar einen vorlauten Sonnenstrahl mit ein, der sich hinter einer vorüberziehenden Wolke zeigt."

3. Edle Tropfen

Susanne Krieg

"Ich liebe es, Regentropfen auf Glasscheiben zu fotografieren und dabei den Hintergrund so verschwimmen zu lassen, dass er noch erahnbar ist.

Wenn man im Makro-Modus fotografiert, sieht man manchmal sogar die Spiegelung eines Objekts in den Tropfen. Hier in Hamburg fahre ich für solche Fotos gerne mit der Elbfähre. Sie lassen sich aber natürlich auch prima von der letzten Bank im Linienbus aus machen, während er im Verkehr feststeckt. Oder in der Bahn, wenn sie nicht gerade zu schnell fährt."

4. Von wegen trübe Aussichten

Susanne Krieg

"Nebel ist für Bilder super, weil er ein natürlicher Filter ist. Und: Sieht ein nebeliger Herbstmorgen nicht einfach mystisch aus? Nebel ist eine echte Chance für die Linse. Er macht sich nicht nur auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen gut, sondern auch nachts in der Stadt, wenn sie bunt beleuchtet ist. Wie toll gerade nächtlicher Nebel aussehen kann, zeigt zum Beispiel der Hamburger Mark Broyer.

Anders als Wolken entsteht Nebel immer in Bodennähe. Wenn man einen erhöhten Ort wie z.B. einen Hügel oder die oberen Etagen eines Hochhauses aufsucht, kann man ihn gut von oben fotografieren.

Bei Nebel lieber mit dem manuellen Modus arbeiten - mit Autofokus nur dann, wenn es klar erkennbare Objekte gibt, die aus dem Nebel herausstechen und auf die scharf gestellt werden kann."

5. Gut ausgerüstet

Susanne Krieg

"Wer Smartphone-Kamera-Enthusiast ist wie ich, kann auch im strömenden Regen recht entspannt weiter fotografieren, wenn er sein Telefon in eine handelsübliche Hülle steckt und das Display zusätzlich mit einer Schutzfolie beklebt. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, besorgt sich eine wasserdichte Hülle.

Smartphone oder auch eine Kompaktkamera, ein trockenes Tuch zum Abwischen von Linse und Display, Schlüssel, Geldbörse und ein Ministativ passen perfekt in die Manteltaschen eines echten Friesennerzes. Der klassische gelbe Regenmantel und knallfarbene Gummistiefel sind übrigens auch tolle Farbtupfer in grauen Schietwetterkulissen.

Bilder von Menschen unter farbigen Regenschirmen sehen ebenfalls toll aus und laufen noch dazu weniger Gefahr, Persönlichkeitsrechte zu verletzen, weil die Gesichter unter den Schirmen verborgen sind."

Preisabfragezeitpunkt:
30.09.2019, 17:48 Uhr
Ohne Gewähr

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Susanne Krieg
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Verlag:
dpunkt.verlag GmbH
Seiten:
252
Preis:
EUR 24,90
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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
deka88 02.10.2019
1. Naja...
fragt sich, für wen dieses Buch sein soll? Normale Leute mit einem Smartphone werden sowas kaum kaufen, weil uninteressant und Fotografen mit richtiger Kamera lächeln bei diesen Bildern und "Tricks" mit den Spiegelungen nur müde. Ich empfehle der Autorin, sich eine richtige Kamera anzuschaffen, dann kann sie deutlich interessantere Bilder gestalten (z.B. Langzeitbelichtungen etc.) und die Qualität der Bilder wird deutlich besser, auch bei Schietwetter. Viele Grüße, ein Hobbyfotograf
Grummelchen321 02.10.2019
2. Immer nur Städte
wird langsam öde. Wie wäre es mal mit anderen Gegenden.Ich war eine W vetgangene Woche zu Fuss im Ebro Delta in Catalonien unterwegs.Da gibt es auch gute Fotomotive.Vor allem sorgt man dort nicht für Wohnungsknappheit durch Umwandlung von Mietwohnungen in Ferienwohnungen oder Air B&Bs.
alt-nassauer 02.10.2019
3. Auf was man hier so alles kommt...
Ich frage mich nun was daran schlecht sein sollte ein Fotobuch zu veröffentlichen. Wenn die Fotografien ein Smartphone benutzt (im Bericht schreibt Sie auch die Verwendung von Kompaktkameras) und was das mit Reiseverhalten "Städte" zutun hat. Zum einen weil die Autorin in Hamburg lebt und nicht dorthin gereist ist. Letztendlich ist ihr Werk, doch nur ein Fotobuch ihrer Stadt Hamburg. Nur eben den Tipps und Tricks wie man bei miesen Schietwetter noch zu schönen Bilder kommt. Bevor man gar keine "Erinnerungen" von seiner Reise, egal wohin ablichtet. Was soll das mit AirBnB oder den Problemen daraus zutun haben? Erschließt sich mir nicht so richtig.... Welcher Rückschluss soll das sein? Fotografieren und AirBnbB geht gar nicht. Was machen Personen die nicht fotografieren und dann AirBnB nutzen? Auch der Tipp sich "richtige" Kamera anzuschaffen. Mag ja gut gemeint sein. Ist eine gute bis sehr gute Kompaktkamera, nicht richtig genug? Oder wenn jemand gar kein großes Interesse an Fotografie hat. Da reicht eben nur ein Smartphone - da soll es auch schon Gute geben. Das mit Langzeitbelichtung und sonstigen Schnick-Schnack den es auch bei der analogen Fotografie gab, eben mit Spiegelreflex-Kameras. Dazu es im Gegensatz viele Millionen "Hobby-Fotografen" gab, die Pocket, Minox oder "billige" KB Knipsen und später APS für Erinnerungen und Urlaubsbilder nutzten. Da ist die Qualität heutiger Smartphone Kamera zu 200% besser... Was damals die Leute meinten aus einem Pocket-Format doch für tolle Urlaubsfotos heraus zu quetschen - Über- unter Unterbelichtetes Material und kaum jemand zu erkennen. Es ist nur bewundernswert das es noch Verlage gibt, die sich dieser Nische "Fotobuch" annehmen. Da Zweifle ich schon ein wenig, ob es noch Käufer gibt....
Außendienst_09 02.10.2019
4. Ebenfalls naja...
Die sogenannten 'Insidertipps' finden sich wohl in jedem Fotoratgeber, das gehört zum fotografischen Grundwissen eines Hobbyfotografen. Bei Regen und Nebel kann man in der Tat tolle Fotos schießen. Die gezeigten sind teilweise 'ganz nett', aber man hätte mit einer richtigen Kamera deutlich mehr aus den gewählten Motiven machen können, wobei diese großteils gut ausgewählt sind. Gerade bei diesen Bedingungen können jedoch richtige Kameras ihre pysikalischen Vorteile am Besten ausspielen. Für Langzeitbelichtungen braucht es ebenfalls eine vernünftige Kamera mit Stativ, damit es gestochen scharf (und nicht nur irgendwie halbwegs scharf) wird, ebenso für richtige HDR-Aufnahmen.
senapis 02.10.2019
5. Wenn möglich...
...kein Smartphone! Ich sehe oft genug die Photovorschau auf den Smartphone-Displays (Oberdeck Hafenfähre ;-) ) bei den mitfahrenden Touristen, wenn sie die Sonnenuntergänge über der Elbe einfangen wollen. Die Helligkeits- und Farbwerte werden von der Kameralogik sehr rigoros "verbogen" und haben i.d.R. nichts mehr mit den Farbstimmungen im Aufnahmemoment zu tun.
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